die nordstory - Rostock Port - Ein Tag im Hafen

Von Riesenrohren und Riesenschiffen

Dienstag, 26. Februar 2019, 14:15 bis 15:15 Uhr

Flügel für Windkraftanlagen, tonnenschwer mit Überlänge. Sperrgutfracht der Energiewende, die im Rostocker Hafen ein neues Schwerpunktfrachtgut bilden. © NDR/Steffen Schneider

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Der Rostocker Überseehafen ist wieder im Aufwind: Zu DDR-Zeiten war er das umjubelte "Tor zur Welt", nach der Wende dann ohne Zukunft, glaubte man. Alles schien zu Ende zu gehen in den 1990er-Jahren, keine Fracht, keine Schiffe, kein Geschäft.

Aber jetzt brummt es wieder an den Liegeplätzen 01 bis 67. Öl, Dünger, Kohle, Getreide, Stückgut, Fährverkehr und Spezialladung für die vielen Windparkprojekte.

Die Stauer im Überseehafen

Die Rohre haben liegend die Höhe eines zweistöckigen Hauses. Sechs Meter Durchmesser, 30 Meter lang. Norbert Karsunke und seine Männer sind Stauer im Rostocker Überseehafen und wirken vor ihnen winzig klein. "Rohre, egal wie groß, können wegrollen", bringt Karsunke es auf den Punkt. "Und das zu verhindern, ist unser Job!" Sie sichern Ladung, verpacken professionell, sie machen gern die komplizierten Sachen.

Auf dem Schlepper

Siggi Kempe hat die Hände lässig an den Vektorhebeln und seine Augen überall. Das Steuerhaus von Schlepper "Bugsier 16", auf dem er der Kapitän ist, bietet Rundumsicht. Die "B 16" zieht gerade einen 140 Meter langen Bulker ins Hafenbecken C. "Schwierig wird es bei Seitenwind. Dann musst du denken wie ein Segler. Abdrift einkalkulieren, gegensteuern und mörderisch aufpassen", sagt Siggi.

Der Überseehafen ist wieder im Aufwind

Liegeplatz 35 zur gleichen Zeit: Drei Männer springen aus einem orangefarbenen Transporter mit Rundumleuchte. Vor ihnen liegt ein riesiger Schwimmkran im Wasser, ein Koloss, der größte Schwimmkran der Welt! Festgemacht mit acht tonnenschweren Stahltrossen. Michael Gerst und Keven Ternes fluchen leise in sich hinein: "Das kann ja was werden." Die beiden sind Festmacher im Seehafen und müssen erst einmal Verstärkung anfordern. Die Kranbesatzung will Richtung Dänemark ablegen, und die Festmacher sollen das Ungetüm losmachen. Schwerste Handarbeit wie vor 100 Jahren ist angesagt. Die Seile sind ein paar Tonnen schwer. Ein Knochenjob.

Autor/in
Steffen Schneider
Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Iris Berner