Stand: 05.01.2018 19:00 Uhr

Warum kaum jemand vor Hochwasser sicher ist

"Verheerende Hochwasser müssen meist nur Menschen fürchten, die am Meer oder in der Nähe von großen Flüssen wie der Elbe leben." Stimmt das? Diese Behauptung gilt als überholt. Überschwemmungen richten mittlerweile in kurzer Zeit sehr große Schäden auch weit ab von großen Flüssen an. Denn es treten immer häufiger Starkregen, Stürme und Gewitter auf, die für plötzliche und gleichzeitig gewaltige Hochwasser und Sturzfluten sorgen können.

Schmale Flüsschen und die Kanalisation können die Wassermassen nach tagelangem Starkregen dann einfach nicht mehr fassen. Und so können auch Orte und Wohnviertel geflutet werden, die bisher keine Probleme mit Hochwasser hatten. Experten wie der Geo-Risikoforscher Peter Höppe warnen davor, dass es in Deutschland keinen Ort mehr gebe, an dem man vor solchen Wetterextremen sicher sei. Woran liegt das?

Extrem-Wetterlagen nehmen zu

Starkregenfälle nehmen seit gut zwanzig Jahren dramatisch zu. Auch wenn nicht jeder Starkregen eine Überschwemmung auslöst, ist der Trend doch beunruhigend. Zudem sei er anhaltend, wie ARD-Wetterexperte Sven Plöger unterstreicht: "Wir müssen uns geistig auf ein anderes Wettergeschehen in der Zukunft einrichten. Das ist meine feste Überzeugung." Im kleinen Stätdtchen Seesen/Ortsteil Rhüden im Nordharz beispielsweise rauschte das sonst so idyllische Flüsschen namens Nette seit 1998 schon fünf Mal ins Wohnviertel.

Der Meteorologe sieht dabei einen Zusammenhang zwischen vermehrten Unwettern und dem Klimawandel. Plöger ist davon überzeugt, dass Starkregenereignisse noch zunehmen werden - europaweit. In den vergangenen zehn Jahren haben sich starke Unwetter mit ihren fatalen Begleiterscheinungen bereits gehäuft: Erdrutsche, Hagelschläge, Orkanböen. Vor allem in den Sommermonaten. Als Ursache nennen Forscher die Erwärmung der Arktis. Diese entstehe durch den Klimawandel und bewirke am Ende einer Reaktionskette, dass im Sommer die Hochs und Tiefs länger an einer Stelle bleiben. Damit entstehen längere Phasen der Trockenheit, aber auch solche mit Starkregen und Stürmen.

Mehr als zwei Milliarden Euro für Unwetterschäden im Jahr

Das häufigere Auftreten von Unwettern lässt sich aber nicht nur von Wettermessdaten erfassen: Der Geo-Risikoforscher Peter Höppe vom Versicherungskonzern Münchener Rück wertet mit seinem Team Naturkatastrophen aus und berechnet die Folgen für die Versicherungen. "In Deutschland sehen wir, dass sowohl die Anzahl der Ereignisse, die solche Schäden verursachen, als auch die Schäden gestiegen sind. Wir hatten in den 1980er-Jahren bei diesen Schäden wenige 100 Millionen Euro pro Jahr und jetzt erreichen wir Werte, die bei zwei Milliarden Euro pro Jahr im Mittel liegen."

Von den zehn teuersten Unwettern seit 1980 haben sich allein sieben seit 2013 ereignet. Und dabei wird es nicht bleiben. Laut einer Studie, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Aufrag gegeben hat, werden "in den nächsten 30 Jahren die Schäden aus den gewitterbedingten Stürmen im Sommer um etwa 25 Prozent zunehmen", so Höppe. Das bedeutet sowohl für Hausbesitzer als auch für die Kommunen, dass sie sich auf solche Katastrophenfälle besser vorbereiten müssen. Denn klar ist, dass Sturzfluten und Überschwemmungen mittlerweile überall passieren können.

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