Willkommen auf Deutsch

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 26. Mai 2021, 00:00 bis 01:30 Uhr

In Deutschland geht die Angst vor einer neuen Flüchtlingswelle um. Im Jahr 2014 haben hier 200.000 Menschen Asyl beantragt, 2015 werden es noch mehr sein. Doch was passiert, wenn in der Nachbarschaft plötzlich Asylbewerber einziehen? Wenn Menschen aufeinander treffen, die sich fremd sind, die nicht einmal miteinander reden können?

Sorgen und Vorurteile

Larisa mit ihrer Mutter und ihren fünf Brüdern aus Tschetschenien. © NDR/Pier53/Torsten Reimers
Larisa kam mit ihrer Mutter und ihren fünf Brüdern aus Tschetschenien.

Der Dokumentarfilm "Willkommen auf Deutsch" setzt bei den deutschen Nachbarn an, bei ihren Sorgen und Vorurteilen. Nicht in Berlin-Hellersdorf, sondern in der bürgerlichen Mitte Westdeutschlands: im Landkreis Harburg, der sich zwischen der Lüneburger Heide und Hamburg erstreckt. 240.000 Einwohner und nur fünf Prozent Arbeitslosigkeit, ein Stück Deutschland, in dem die Welt noch in Ordnung scheint.

Doch jetzt leben traumatisierte Flüchtlinge neben Dorfbewohnern, die sich angesichts der neuen Nachbarn um ihre Töchter und den Verkaufswert ihrer Eigenheime sorgen. Junge Männer, die Armut und Perspektivlosigkeit entfliehen wollten, sollen in einem 400-Seelen-Dorf untergebracht werden, das weder Bäcker noch Supermarkt hat. Wie passt das alles zusammen?

Kleine und große Konflikte

Der Dokumentarfilm beobachtet diese Entwicklung am Beispiel zweier Gemeinden im Landkreis Harburg, die stellvertretend für 82 Millionen Deutsche stehen. Über einen Zeitraum von fast einem Jahr begleitet er Flüchtlinge, Anwohner und den Bereichsleiter der völlig überlasteten Verwaltung und beschreibt die kleinen und großen Konflikte, die dabei aufbrechen. Ein spannender, teils amüsanter, teils hoch emotionaler Film, der auch diejenigen zu Wort kommen lässt, die man an den Stammtischen vermutet, aber selten offen sieht und hört.

Die mehrfach ausgezeichneten Regisseure Carsten Rau und Hauke Wendler ("Wadim") beschränken sich dabei nicht auf eine Bestandsaufnahme deutscher Asylpolitik. Mit ihrem Film gehen sie einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie hinterfragen, was einem nachhaltigen Wandel der Ausländer- und Integrationspolitik in diesem Land tatsächlich im Wege steht.

Autor/in
Carsten Rau
Regie
Carsten Rau
Autor/in
Hauke Wendler
Regie
Hauke Wendler
Redaktion
Barbara Denz
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Timo Großpietsch