Gestorben wird morgen

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 11. Dezember 2019, 00:00 bis 01:05 Uhr

Es gibt einen Ort in Arizona, der ist so friedlich, dass viele dorthin gehen, um zu sterben: Sun City, eine Stadt geschaffen für die Generation 55 plus. Mitten in der Wüste, unter Palmen, bei immer blauem Himmel und roten Sonnenuntergängen, mit unzähligen Apotheken und besonders breiten Straßen, damit den rüstigen Autofahrern nichts passiert.

Auf dieses sonnige Paradies fallen die recht unterschiedlich gefärbten Schatten des Alterns. Jeder hier versucht seinen Weg durchs Leben zu finden, während der Tod schon an der Ecke steht und winkt.

Der Körper stößt an seine Grenzen

Olive (87) hat sich ihren kindlichen Humor bewahrt, obwohl ihr Körper dem Alltag immer mehr Grenzen aufzeigt. Gerade deswegen trällert sie fröhlich ihre Lieder, tanzt mit dem Staubsauger im Wohnzimmer und sucht noch immer ihre Rollschuhe, die sie an die guten Zeiten erinnern. Was Olive auf gar keinen Fall akzeptiert, ist die Tochter, die glaubt, sie hätte Alzheimer. Wie kommt sie bloß darauf?

Das Leben feiern

Altwerden ist eine Kondition, wo "kleine Zipperlein einfach dazugehören", wie Jim (83) bestätigt. Auf der anderen Seite "hast du einen Punkt im Leben erreicht, wo man einfach mal Fünfe gerade sein lassen und sagen kann: 'Nimm 'ne Pille, die dir hilft und komm drüber weg.'" So zumindest sieht das Betty Jane (90). Alles ist besser, als sich dauernd zu beschweren, oder?

Voll im Leben - auch in der Partnerschaft

Roger (75) und Kitty (74) sind immer noch sehr viel mit ihrer Harley unterwegs. Allerdings will Roger das Motorrad abgeben, wenn er 80 wird. Er ist überzeugt, dass die meisten Leute in Sun City guten Sex haben. Sogar besseren als vor 40 Jahren. Dee (88) stimmt dem uneingeschränkt zu. Sie ist fast blind, hört sehr schwer und kann kaum mehr gehen, aber wenn sie ihre Fingenägel maniküren lässt, um ihren Liebhaber am Abend zu empfangen, ist das alles vergessen.

"Gekommen um zu sterben, aber mit Spaß"

Es ist wohl eine Frage der Haltung, wie man alt wird. Die Ansicht, der Lebensabend müsse doch eine ernste Angelegenheit sein, teilen die meisten Menschen in Sun City nicht. Im Film dient der Ort als Bühne, auf der die Bewohnerinnen und Bewohner in einem Reigen den Tanz des Alters vollführen. In ihren Erzählungen geben sie preis, was das Leben ihnen geschenkt und was es ihnen genommen hat. Sie berichten freimütig über die Schmerzen im Alter und über die Freuden. Und dass sie glauben, dass Zufriedenheit und Glücklichsein Entscheidungen sind. "Wir kommen nach Sun City um zu sterben, aber wir wollen Spaß dabei haben!", so Jim (83).

Redaktionsleiter/in
Timo Großpietsch
Redaktion
Timo Großpietsch
Regie
Susan Gluth
Autor/in
Susan Gluth
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg