Deutschland deine Künstler - Loriot

Sonntag, 22. August 2021, 00:20 bis 01:05 Uhr

Er gilt als Feingeist unter den deutschen Humoristen. Als Autor, Regisseur, Schauspieler und Karikaturist ist Loriot (1923 - 2011) zu einer der populärsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten geworden.

"Versehentlich bin ich nicht zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden", das sagte Vicco von Bülow bei einem im Alter selten gewordenen Auftritte anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über sein Lebenswerk. Diese Aussage eines Mannes, dessen Künstlername Loriot im gesamten deutschsprachigen Raum ein Schmunzeln hervorruft, zeigt nicht nur, dass er sich bis ins hohe Alter seine Selbstironie bewahrt hat.

Geschickt und sensibel vor Augen gehalten

Vicco von Bülow, der Mann hinter der Kunstfigur Loriot, hält den Zuschauer*innen vielmehr die menschliche Unzulänglichkeit vor Augen: die Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Er hat das Verhalten von Politikern und anderen Machtmenschen entlarvt und kleinbürgerliche Ordnungsprinzipien ad absurdum geführt. Dies alles auf so geschickte und sensible Art, die ihm nie jemand übel nehmen konnte.

Loriot hat die eigene Geschichtsschreibung immer selbst in die Hand genommen. Sein berühmt-berüchtigter Perfektionismus beschränkte sich nicht nur auf die eigene Arbeit als Autor und Regisseur, auch seine Darstellung in den Medien hat Loriot selbst inszeniert. Bereits in den 1970er-Jahren hat er sich über sogenannte "Künstlerporträts" lustig gemacht und einfach selbst einen Film über seinen Alltag als Zeichner gedreht.

Eigentlich ist alles gesagt

Abgesehen davon, dass er zu Lebzeiten viele Jahre lang keine Interviews mehr gegeben hatte, es dann aber doch ein paar "letzte Interviews mit Loriot" gab, war er der Meinung, dass eigentlich alles gesagt ist.

In diesem Film gibt Vicco von Bülow mit bewegender Offenheit Auskunft über den frühen Tod seiner Mutter sowie über Kindheit und Jugend bei der Großmutter. Zu Wort kommen enge Vertraute: sein langjähriger Redakteur bei Radio Bremen, Jürgen Breest, sein früherer Regieassistent Stefan Lukschy. Die Schauspieler Rudolf Kowalski und Heinz Meier geben offen Auskunft über ihre Zusammenarbeit mit dem "großen Meister". Loriot-Fan Hape Kerkeling kommentiert dessen Humorverständnis, das ihn nicht nur geprägt, sondern auch selbst dazu gebracht hat, Komiker zu werden.

Selten gezeigtes Material

Zu sehen ist außerdem selten gezeigtes Material mit Backstage-Situationen zu seinen Geburtstagssendungen und private Super-8-Filme aus den 1970er-Jahren, die seinen Alltag im Kreise seiner Familie zeigen, mit zahlreichen Tieren in seinem Haus am Starnberger See.

Was unterscheidet einen Künstler von einem Karikaturisten? fragte Loriot das Publikum am Ende seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung über sein Lebenswerk. Seine Antwort bringt sein Selbstverständnis auf den Punkt: Der Künstler schneidet sich ein Ohr ab, der Karikaturist nicht.

Autor/in
Claudia Müller
Redaktion
Britta-Susann Lübke