Stand: 17.07.2015 10:53 Uhr  | Archiv

Hamburgs Nationalpark im Watt

Der Hamburgische Nationalpark Wattenmeer ist der kleinste und jüngste an der deutschen Nordseeküste. Zwischen seinen großen Brüdern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegt er mit nur 13,7 Quadratkilometern Fläche vor Cuxhaven an der westlichen Elbmündung. Gemeinsam gehören sie zum UNESCO-Weltnaturerbe. Dass Hamburg überhaupt einen Nationalpark im Watt besitzt - gegründet wurde das Schutzgebiet am 9. April 1990 - verdankt die Stadt ihrem Außenposten in der Nordsee - der Insel Neuwerk, gut 100 Kilometer Luftlinie von Rathaus und Alster entfernt. Nur 36 Menschen leben dauerhaft in dem Schutzgebiet.

Unterwegs in Hamburgs Nationalpark

Umso vielfältiger ist die Natur im Nationalpark. Etwa 2.000 Arten kommen dort vor, davon 250 in den Salzwiesen, einem typischen Element der Wattenmeer-Küste. Außerdem gibt es Seehunde, Robben, Schweinswale sowie rund 40 Fisch- und Dutzende Vogelarten. In kaum einer anderen Region Mitteleuropas leben so viele verschiedene Vögel. Manche kommen nur als Kurzzeitgäste auf ihrem Weg vom Winterquartier im Süden zu den Brutplätzen im Norden vorbei, um sich für den Weiterflug zu stärken. Andere wie Austernfischer oder Möwen leben dort dauerhaft. In dem weltweit einzigartigen Lebensraum Wattenmeer haben sich Tiere und Pflanzen auf die speziellen Bedingungen mit Süß- und Salzwasser, Nass- und Trockenphasen eingestellt.

Informationszentrum im Nationalpark-Haus

Im Nationalpark-Haus auf Neuwerk informiert eine jüngst neugestaltete interaktive Ausstellung über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten. In Zusammenarbeit mit dem Verein Jordsand bietet die Nationalparkverwaltung außerdem verschiedene geführte Touren und Wanderungen über die Insel und durchs Watt an. Sie vermitteln dem Besucher einen direkten Eindruck vom Lebensraum Wattenmeer. Ein Flyer informiert über die Veranstaltungen.

Wanderung zur Düneninsel Scharhörn

Eine Wanderung führt zu der etwa sieben Kilometer entfernt gelegenen Düneninsel Scharhörn. Sie verändert ihre Lage in der Nordsee permanent, verliert im Westen an Fläche und gewinnt im Südosten hinzu. Scharhörn steht ebenso wie die größere Nachbarinsel Nigehörn, die nicht betreten werden darf, als Rückzugsgebiet für Vögel unter besonderem Schutz. Nigehörn ist die jüngste Insel im hamburgischen Wattenmeer. Sie wurde 1989 künstlich aufgespült, um zusätzliche Brutplätze für Vögel zu schaffen.

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Nur angemeldete Wattwanderer dürfen die Vogelschutzinsel Scharhörn besuchen.

Die beiden unbewohnten Inseln sind auch ein interessantes Forschungsobjekt für Geologen. Dort ließen sich geologische Veränderungen hervorragend beobachten, erklärt Nationalparkleiter Klaus Jahnke: "Auf Nigehörn und Scharhörn beobachten wir, wie zwei Inseln wandern und gleichzeitig zusammenwachsen. Da werden riesige Sandbänke umgelagert."

Hamburg zieht nach

Nachdem Schleswig-Holstein sein Wattenmeer 1985 als Nationalpark ausgewiesen hatte und Niedersachsen ein Jahr später folgte, stellte auch Hamburg seine Fläche 1990 unter Schutz. 1992 erkannte die UNESCO alle drei Gebiete als Biosphärenreservat an - weniger als zwei Prozent davon gehören zum Hamburgischen Park. Als Niedersachsen und Schleswig-Holstein 2008 bei der UNESCO beantragten, ihre Wattenmeer-Flächen als Weltnaturerbe einzustufen, scherte Hamburg aus. Der Senat befürchtete Schwierigkeiten bei der geplanten Vertiefung der Elbe als Schifffahrtsweg. Im Juni 2009 stimmte die UNESCO den Anträgen aus Hannover und Kiel zu. Daraufhin änderte Hamburg seine Meinung und reichte ebenfalls eine Bewerbung um den Weltnaturerbe-Titel ein. 2011 stimmte die UNESCO dem Antrag zu und erweiterte das bestehende Welterbe im Wattenmeer um den Hamburgischen Nationalpark.

Konflikt um den Naturschutz

Diese Entwicklung verdeutlicht den stetigen Konflikt zwischen Naturschutz, wirtschaftlichen Interessen und Tourismus im Wattenmeer. Allein den Hamburgischen Nationalpark besuchen pro Jahr bis zu 120.000 Menschen. Viele fahren mit den markanten, von Pferden gezogenen Wattwagen bei Ebbe von Cuxhaven über den Meeresboden nach Neuwerk. Ziel der Nationalparks bleibt es jedoch, der Natur eine großflächige, ungestörte Entwicklung zu ermöglichen. Insgesamt gehören im Nationalpark 91,5 Prozent der Gesamtfläche zur Schutzzone I, in der Besucher die markierten Wege nicht verlassen dürfen.

Karte: Wattenmeer-Nationalparks an der Elbmündung

Rücksicht bitte!

Das Nationalparkgesetz begrenzt auch die Nutzung des Schutzgebietes. Besucher sollten diese Grundregeln einhalten:

  • Alles, was in den Park mitgenommen wird, auch wieder mit herausnehmen.
  • Hunde immer an der Leine halten.
  • Keine Lenkdrachen steigen lassen.
  • Hinweise auf besonders geschützte Flächen ernst nehmen.
  • Markierte Wege in den Ruhezonen nicht verlassen.

Insel im Wattenmeer
mit Video

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 / 17.07.2015 / 17:00 Uhr