Stand: 04.01.2011 15:38 Uhr

Das Wattenmeer: Ein einzigartiger Lebensraum

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Rund alle sechs Stunden wird das Watt überflutet und fällt wieder trocken.

Bei Ebbe trocken und der Sonne ausgesetzt, bei Flut nass und salzig - so lässt sich der Lebensraum Wattenmeer kurz beschreiben. Mehrere Tausend Quadratkilometer Fläche werden rund alle sechs Stunden überflutet und fallen wieder trocken. Während der Ebbe bleiben vom Meer nur Wasserläufe, sogenannte Priele, in den weiten Watt-Ebenen übrig. Die Möglichkeit, dieses Gebiet zu Fuß zu durchwaten, hat dem Wattenmeer seinen Namen gegeben, das im Niederländischen "Waddenzee" genannt wird.

Eine Besuchergruppe im Wattenmeer klettert auf ein Schiff.

Vom Watt leben

die nordstory -

Fischer, Forscher oder Lebensretter: Sie alle haben eine spannende Aufgabe im Nationalpark Wattenmeer und sind fast täglich in diesem ganz besonderen Ökosystem unterwegs.

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Diese einmalige Landschaft erstreckt sich entlang der Nordseeküste von Den Helder in den Niederlanden bis nach Esbjerg in Dänemark. An manchen Stellen ist das Watt auch über 20 Kilometer vor der Küste zu finden. Als natürliche Wellenbrecher dienen die Inseln, die der Küste vorgelagert sind. Sie haben zur Entstehung des Wattenmeers beigetragen und bilden heute eine natürliche Barriere gegen das offene Meer.

So entstand das Wattenmeer

Das Wattenmeer konnte nur entstehen, weil vor rund 10.000 Jahren die Gletscher der Weichseleiszeit abschmolzen und dadurch der Meeresspiegel langsam anstieg. Dadurch veränderte sich die Nordseeküste in den kommenden Jahrtausenden entscheidend. Das Festland wurde überschwemmt, neue Sedimente in die Region getragen. Sie lagerten sich über den damals typischen Mooren, Sümpfen und Bruchwäldern ab. An manchen Stellen riss das Meer jedoch auch Land mit sich. In dem flachabfallenden Gebiet der Nordseeküste führte dieser Wechsel von Abtragung und Ablagerung zum heutigen Wattenmeer. Bodenbohrungen haben gezeigt, dass sich das Watt in den vergangenen rund 7.000 Jahren gebildet haben muss.

Menschen siedeln am Wasser

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Quer durchs Wattenmeer werden Kühe beim Weideabtrieb von den Halligen zum Festland getrieben.

Die Menschen entdeckten diese Region früh als Lebensraum und lebten hier zunächst vom Fischen und Jagen, bevor sie die Region auch landwirtschaftlich nutzten. Die Besiedlung hinterließ deutliche Spuren. Bereits vor 4.000 Jahren wurde zum Beispiel auf Sylt, Föhr und Amrum Landwirtschaft betrieben. In der Römerzeit begannen die Bauern zum Schutz ihrer Flächen vor Sturmfluten niedrige Erdwälle zu errichten, sogenannte Sommerdeiche. Systematisch betrieben die ansässigen Menschen erst ab dem zehnten Jahrhundert Deichbau. Damals sollte das besiedelte Land vom Einfluss des Meeres abgegrenzt werden. Diese Areale wurden in den folgenden Jahrhunderten immer wieder vergrößert. Dadurch gibt es dort heute kaum mehr Süßwassersümpfe und Moore. Doch an der Ausdehnung des Wattenmeers hat die Eindeichung der Gebiete kaum etwas verändert. Das Meer trägt Sedimente ab, führt sie mit sich und lagert sie irgendwo ab - nur an anderen Stellen.

Salzwiesen sind eine weitere Besonderheit des Wattenmeers. Sie befinden sich am Übergang des Watts zum Land und werden bei höheren Fluten überschwemmt. Aber sie unterliegen nicht den Gezeiten. Die Pflanzen, die sich hier angesiedelt haben, sind perfekt an das salzhaltige Wasser angepasst. Manche scheiden das Salz über Poren wieder aus, andere speichern es in unteren Blättern, die nach einiger Zeit absterben und abfallen.

Von Vögeln, Kegelrobben und Schweinswalen

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In den letzten Jahren hat der Bestand an Kegelrobben im Wattenmeer ständig zugenommen.

Bei Ebbe fällt der Grund des Wattenmeers, das Watt, trocken. Diese auf den ersten Blick trostlose morastige Landschaft ist Heimat für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Brut- und Zugvögel sind hier ebenso zu finden wie Wattwürmer und Kegelrobben. Selbst Schweinswale leben in diesem Teil der Nordsee. Besonders für Vögel ist das Wattenmeer ein Paradies und viele Vogelliebhaber zieht es deswegen immer wieder dorthin.

Ob Großer Brachvogel oder Austernfischer, Sanderlinge oder Rotschenkel: Viele Wattenmeervögel sind an einem langen dünnen Schnabel zu erkennen. Sie haben sich auf die Nahrung im Watt spezialisiert - zum Beispiel Wattwürmer. Dieser lebt in einer Röhre. An der Oberfläche des Watts sind nur die Kothaufen des Wurms zu sehen. Mit ihren dünnen Schnäbeln können viele der hier lebenden Vögel die Würmer jagen. Mehrere Hunderttausend Brutpaare leben im Wattenmeer. Doch sie werden bei Weitem von der Zahl der Zugvögel übertroffen. Jedes Jahr nutzen zehn bis zwölf Millionen Vögel das nahrungsreiche Wattenmeer als Raststätte.

Schützenswerte Natur und Welterbe

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Der Austernfischer wird auch Halligstorch genannt und brütet im Wattenmeer.

Der deutsche Teil des 8.000 Quadratkilometer großen Wattenmeers steht weitflächig unter Naturschutz. Zurzeit gibt es drei Nationalparks. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist der älteste Park. Er wurde bereits 1985 gegründet. Ein Jahr später entstand der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, erst 1990 der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Spezielle Zentren, Führungen und Lehrpfade informieren Besucher über diese einmalige Natur und die notwendigen Schutzmaßnahmen. Die UNESCO hat den Nationalpark Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer - zusammen mit dem niederländischen Wattenmeer-Schutzgebiet - am 26. Juni 2009 als erste deutsche Naturlandschaft zum Weltnaturerbe ernannt. 2011 kam auch der Hamburger Bereich hinzu.

Die Parks sind in unterschiedliche Zonen eingeteilt. Die Schutzzone 1 oder Ruhezone darf - wenn überhaupt - nur sehr eingeschränkt und über bestimmte Wege betreten werden. In der Schutzzone 2 können sich Besucher frei bewegen, wenn sie Pflanzen und Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum nicht stören. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer weist eine dritte Zone aus: die Erholungszone. Diese flächenmäßig kleinste Zone soll dem Kurbetrieb und der Erholung dienen. Touristen dürfen dort zum Beispiel angeln, Drachen steigen lassen und reiten. Außerdem gibt es zahlreiche Sondervereinbarungen - etwa mit Fischern oder Wassersportvereinen -, die über die gesetzlichen Regeln hinausgehen oder diese ergänzen. Hunde müssen in allen Zonen grundsätzlich an der Leine geführt werden.

Rücksicht bitte!

Das Nationalparkgesetz begrenzt auch die Nutzung des Schutzgebietes. Besucher sollten diese Grundregeln einhalten:

  • Alles, was in den Park mitgenommen wird, auch wieder mit herausnehmen.
  • Hunde immer an der Leine halten.
  • Keine Lenkdrachen steigen lassen.
  • Hinweise auf besonders geschützte Flächen ernst nehmen.
  • Markierte Wege in den Ruhezonen nicht verlassen.

Weitere Informationen

Im Takt der Gezeiten: Welterbe Wattenmeer

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Dieses Thema im Programm:

die nordstory | 09.02.2017 | 15:00 Uhr

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