Stand: 29.12.2015 10:52 Uhr

Niedersachsens Nationalpark aus Ebbe und Flut

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Biotop und Erlebnisraum: Seit 1986 steht das niedersächsische Wattenmeer unter Schutz.

Die Entwicklung des Naturschutzes an der niedersächsischen Nordseeküste ist durchaus beachtlich: Von vielen kleinen Schutzgebieten über den Nationalpark Wattenmeer zum UNESCO-Biosphärenreservat und schließlich zum Weltnaturerbe. Der Prozess dauerte allerdings Jahrzehnte. Ebenso alt wie der Park ist der Streit um das Schutzgebiet. Unterschiedlichste Nutzergruppen verteidigen ihre Interessen auf der 3.450 Quadratkilometer großen Fläche: Fischer und Naturschützer, Tourismus-Anbieter und Energieunternehmen. Zwischen ihnen versucht die Politik zu vermitteln. Gesetze und Verordnungen stecken den Rahmen des Erlaubten in der empfindlichen Naturlandschaft ab.

Wattenmeer und Inseln unter Schutz

Ende 1983 lagen erste Pläne für einen Nationalpark vor, der das gesamte niedersächsische Wattenmeer einschließlich der Inseln umfassen sollte. Der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) gehörte zu den Befürwortern eines solchen Schutzgebietes und wenig später stimmte auch das Kabinett in Hannover zu. Schließlich erließ das Landwirtschaftsministerium eine Verordnung, die am 1. Januar 1986 in Kraft trat - der Geburtstag des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer.

Spaziergänger im Wattenmeer

Wattenmeer: Nationalpark wird 30

Hallo Niedersachsen -

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde vor 30 Jahren gegründet. Heute anerkanntes Weltnaturerbe, war der Nationalpark bei seiner Gründung umstritten.

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95 Prozent Wasserfläche

Damals betrug die geschützte Fläche etwa 2.450 Quadratkilometer. 2001 kamen Gebiete am Dollart, bei Cuxhaven, Borkum und Baltrum hinzu, sodass der Nationalpark auf 2.880 Quadratkilometer wuchs. Nach der jüngsten Erweiterung in Richtung offenes Meer im Jahr 2010 kommt das Schutzgebiet jetzt auf 3.450 Quadratkilometer, davon sind 95 Prozent Wasser oder Watt. Unter den 14 deutschen Nationalparks ist er damit der zweitgrößte - nach dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer mit einer Fläche von 4.415 Quadratkilometern. 2009 wurden große Teile der Nationalparks zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt und 2014 das Gebiet noch einmal ausgeweitet.

Streit um den richtigen Schutz

Das Ziel der Nationalparks, der Natur eine großflächige, ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, wird in den Parks unterschiedlich streng gehandhabt. So gehören im Niedersächsischen Wattenmeer nur rund 61 Prozent zum Bereich der streng geschützten Kernzone. Umweltschutzverbände wie der WWF beklagen die Krabben- und Muschelfischerei sowie Vertiefungen von Weser, Ems und Elbe innerhalb der Nationalpark-Grenzen. In der Kritik stehen unter anderem auch

  • Kitesurfer mit ihren großen Drachen
  • zunehmender Schiffsverkehr
  • Pläne für Golfplätze
  • die Ölförderung im Watt
  • zu wenig Ranger als Betreuer für Besucher

Die Folgen der geplanten großen Windparks in der Nordsee für Vögel und Meerestiere sind noch nicht absehbar. Schon bisher seien 19 von insgesamt 33 Vogelarten im Nationalpark seltener geworden, so der Naturschutzbund. Der Wattenrat Ost-Ostfriesland erklärte, die Tourismusindustrie habe das Schutzgebiet fest im Griff, der Naturschutz leide.

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Die Karte des Nationalparks zeigt in roter Farbe die Ruhezonen. Grün sind die Zwischenzonen und gelb Erholungszonen mit vielen Besuchern markiert.

Dagegen lobte Niedersachsens damaliger Umweltminister Hans-Heinrich Sander 2011 zum 25. Park-Jubiläum, es sei gelungen, "die Hindernisse in den Köpfen und Herzen der verschiedenen Akteure auszuräumen". Die Anerkennung der drei norddeutschen Wattenmeer-Nationalparks als Weltnaturerbe belege, dass der Lebensraum "vorbildlich geschützt und erhalten" werde.

Viele Informationen für Besucher

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Natur pur oder zu viel Tourismus? Die Nutzung des Wattenmeers ist umstritten.

Die Nationalparkverwaltung mit Sitz in Wilhelmshaven versucht sich immer wieder am Spagat zwischen Naturschutz und touristischen Interessen. 14 Nationalpark-Häuser unter anderem in Butjadingen, Dangast, Greetsiel sowie auf Wangerooge, Borkum und Norderney und zwei Weltnaturerbe-Besucherzentren in Cuxhaven und Wilhelmshaven informieren Besucher über das Schutzgebiet. Zu ihren Angeboten gehören Ausstellungen, Vorträge und Ausflüge in die geschützte Natur.

In dem weltweit einzigartigen Lebensraum Wattenmeer gibt es Hunderte Tiere und Pflanzen zu entdecken, die sich auf die speziellen Bedingungen mit Süß- und Salzwasser, Nass- und Trockenphasen eingestellt haben. Zum Nationalpark Wattenmeer gehören aber nicht nur das Watt, sondern auch angrenzende Flächen wie Salzwiesen oder die Dünen auf den Ostfriesischen Inseln.

Rücksicht bitte!

Das Nationalparkgesetz begrenzt auch die Nutzung des Schutzgebietes. Besucher sollten diese Grundregeln einhalten:

  • Alles, was in den Park mitgenommen wird, auch wieder mit herausnehmen.
  • Hunde immer an der Leine halten.
  • Keine Lenkdrachen steigen lassen.
  • Hinweise auf besonders geschützte Flächen ernst nehmen.
  • Markierte Wege in den Ruhezonen nicht verlassen.

Karte: Wattenmeer-Nationalparks an der Elbmündung
Weitere Informationen

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