Dalila Nouame bei einer Demonstration von "Fridays for Future".

Engagement: Auf die Straße für mehr Klimaschutz

Stand: 15.11.2020 11:01 Uhr

Die ARD-Themenwoche unter dem Motto #WIELEBEN fragt: Wie wollen wir leben? Sechs junge Menschen erzählen, wie sie sich zusammen mit anderen für eine bessere Zukunft engagieren.

von Charlotte Horn

Die Hamburger Schülerin Dalila Nouame von "Fridays for Future" setzt sich für den Klimaschutz ein und fordert mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Die 16-Jährige ist die Jüngste im Sprecher-Team von "Fridays for Future" in Hamburg. Sie will nicht mehr zu Hause bleiben und zusehen, wie der Planet zerstört wird, dafür gibt sie auch ihre Freizeit auf.

Ein weltweiter Streiktag für das Klima

Für den 25. September hatte die Klima-Bewegung zum globalen Klimastreik aufgerufen. Auf der ganzen Welt gehen junge Menschen an diesem Freitag auf die Straße - auch in der Hamburger Innenstadt. Dalila Nouame steht mit anderen des Orga-Teams zusammen. Gleich soll der Demonstrationszug starten.

Dalila Nouame steht vor einem Banner mit der Aufschrift "Kein Grad weiter" bei einer Demonstration von "Fridays for Future".
Die Aktivisten gehen für mehr Klimaschutz auf die Straße.

Die erste Reihe der Demonstrierenden trägt das breite weiße Banner mit dem Motto der Demo: "Kein Grad weiter". Vorne weg gehen zwei Polizisten. Er sei beeindruckt, wie gut die Jugendlichen die Demo organisiert hätten, meint ein Beamter.

Von Greta Thunberg inspiriert

Dalila Nouame läuft rückwärts vor dem Demonstrationszug her, feuert die Menge durch das Megaphon an. Über ihrer gelben Regenjacke trägt sie eine grelle Warnweste. Die Haare hat sie zu Zöpfen links und rechts gebunden. Als "Greta von Hamburg" sieht sie sich nicht, auch wenn die Schwedin sie inspiriert hat. Wie Greta Thunberg hat sie das Asperger-Syndrom und musste sich auch an die Vorstellung gewöhnen, ein Interview zu geben, erzählt sie später.

Virtuelle Treffen in Corona-Zeiten

Seit der Corona-Krise trifft sich Dalila mit den anderen aus der Hamburger Gruppe ein Mal pro Woche in einem virtuellen Video-Chat. Neben der Schule engagiert sich die Schülerin bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei UNICEF, in der Zirkus-AG und gibt Nachhilfe für andere Schüler. Doch ihr Einsatz für "Fridays for Future" liegt ihr besonders am Herzen, das merkt man der 16-Jährigen an: "Unser Hauptziel ist Klimagerechtigkeit. Es ist halt so, dass die Leute, die am wenigsten für die Klimakrise können, leiden am meisten darunter. Das ist total unfair."

Konkrete Klima-Forderungen an die Politik

Das Hauptziel sei es, Kohlenstoffdioxid einzusparen, damit sich die Erde nicht noch weiter erwärme und es zu extremeren Wetterereignissen komme. Auch Dalila selbst versuche, umweltbewusster zu leben, sagt sie. Sie fahre mehr Fahrrad und versuche etwa, auf Plastik-Verpackungen zu verzichten. Ihrer Meinung nach müssten sich vor allem die Politiker endlich bewegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte sich bisher nicht genug für den Klimawandel eingesetzt. Dabei habe "Fridays for Future" schon konkrete Vorschläge wie zum Beispiel ein C02-Budget für Industrien und Strafen bei Nichtbeachtung formuliert.

Puzzlestücke © Fotolia.com Foto: fotogestoeber

AUDIO: Wie wollen wir leben? Junge Menschen und ihre Visionen (27 Min)

Der Blick in die Zukunft ist eher pessimistisch

In zwei Jahren wird die Elftklässlerin das Abitur ablegen. Der Zukunft insgesamt blickt sie eher pessimistisch entgegen. Aber das bringe ja nichts, so zu denken, schiebt sie gleich hinterher: "Wir haben schon eine Erderwärmung, es gibt bereits irreversible Schäden und Arten, die bereits ausgestorben sind. Jetzt müssen wir gucken, was wir noch retten können."

Der Demo-Zug ist an der großen Bühne angekommen. Die Polizei wird später von 6.500 Menschen sprechen. Und Dalila hofft, das durch die Berichterstattung in den Medien das Thema Klimaschutz wieder mehr beachtet wird.

Weitere Informationen
Lars Ruschmeyer im Stall vor seinen Kühen.

Auf dem Land: Ein Blick in die Zukunft der Landwirte

Wie engagieren sich Menschen für eine bessere Zukunft? Ein Hof-Besuch bei Jungbauer Lars Ruschmeyer und dem Milchvieh. mehr

Dennis Lizarzaburu im Lagerraum vom Rankwerk.

Der richtige Job: Nachhaltiger Gemüseanbau für viele

Was tun Menschen für eine bessere Zukunft? Dennis Lizarzaburu und sein Start-up Rankwerk setzen auf Gemüseanbau für alle. mehr

Die junge Syrerin Asmaa Almahamid steht in einem Park.

Wie eine junge Syrerin Geflüchteten Starthilfe gibt

Was tun Menschen für eine bessere Zukunft? Der Verein "An(ge)kommen in Deutschland" hilft Neuankömmlingen, sich zurechtzufinden. mehr

Aurèle Haupt, Ingenieur für nachhaltiges Bauen, sitzt an einem Schreibtisch.

"Wir bauen Zukunft" - Ein genossenschaftliches Projekt

Was tun Menschen für eine bessere Zukunft? Ein Ingenieur für nachhaltiges Bauen will die Welt "enkeltauglich" gestalten. mehr

Ein Mann tippt auf ein virtuelles Display © Colourbox Foto: Sergey Nivens

Im sicheren Netz: Bewusster in der digitalen Welt bewegen

Wie engagieren sich Menschen für eine bessere Zukunft? Netzaktivisten vermitteln Wissen um den Datenschutz im Internet. mehr

Eine Weltkugel wird von zwei Händen schützend gehalten © fotolia.com Foto: dp@p

ARD-Themenwoche "Wie wollen wir leben?" im NDR

Die Welt ist in der Krise - wie geht es weiter? Die Beiträge des NDR zur ARD-Themenwoche vom 15. bis 21. November 2020. mehr

Screenshot der ARD-Klimakarte © ard-klimakarte.de/ colourbox Foto: Tetiana Vitsenko

Klimakarte Norddeutschland

Die interaktive Klimakarte zeigt die Entwicklung von Temperatur und Niederschlag von der Vergangenheit bis in die Zukunft. extern

Logo ARD-Themenwoche "Wie wollen wir leben?" © ARD Design und Präsentation

ARD-Themenwoche 2020: "Wie wollen wir leben?"

Die Corona-Pandemie hat die Welt verändert. Welche Chancen bieten sich? Das Online-Angebot zur ARD-Themenwoche 2020. extern

Ein Braunkohlekraftwerk in Niederaussem © picture alliance/imageBROKER

Strafe muss sein - auch für Klimasünder

Ein Plädoyer des Soziologen Claus Leggewie für die Gründung eines Internationalen Umwelt(straf)gerichtshofs. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Das Forum | 16.11.2020 | 20:35 Uhr