Stand: 09.11.2018 10:50 Uhr

Wer wäscht ab und wer macht Reparaturen?

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Stimmt das wirklich? Schmeißen auch heute noch die Frauen den Haushalt?

Das traditionelle Rollenbild der Geschlechter zeigt sich vor allem im Haushalt: Wer putzt? Wer kocht? Wer spült? Die Frau! Wer macht Reparaturen? Wer spricht mit den Behörden? Der Mann! Mit diesem Rollenbild wuchsen Generationen auf. Kann man es mittlerweile revidieren? Finden Sie heraus, was sich in den vergangenen 30 Jahren geändert hat.

In wie vielen Haushalten putzt heute hauptsächlich der Mann?

Sie haben recht. Die Zahl männlicher Vielputzer ist auch heute noch verschwindend gering. Zwar lässt sich ein minimaler Anstieg von Haushalten verzeichnen, in denen "stets der Mann" oder "meistens der Mann" putzt. Doch Frauen kümmern sich weiterhin maßgeblich um den Haushalt. Verdoppelt haben sich auch die Haushalte, die sich eine Reinigungskraft leisten. Nur ist sie, zeigt die Erfahrung, meistens auch weiblich.

Da waren Sie zu optimistisch. Die Zahl männlicher Vielputzer ist auch heute noch verschwindend gering: Nur in drei von 100 Haushalten putzt "stets der Mann" oder zumindest "meistens der Mann". Doch Frauen kümmern sich weiterhin maßgeblich um den Haushalt. Verdoppelt haben sich auch die Haushalte, die sich eine Reinigungskraft leisten. Nur ist sie, zeigt die Erfahrung, meistens auch weiblich.

Da waren Sie viel zu optimistisch. Die Zahl männlicher Vielputzer ist auch heute noch verschwindend gering: Nur in drei von 100 Haushalten putzt "stets der Mann" oder zumindest "meistens der Mann". Doch Frauen kümmern sich weiterhin maßgeblich um den Haushalt. Verdoppelt haben sich auch die Haushalte, die sich eine Reinigungskraft leisten. Nur ist sie, zeigt die Erfahrung, meistens auch weiblich.

Woher wir das wissen? Wir haben in einer der größten Bevölkerungsumfragen Deutschlands nach Antworten auf Fragen der Gleichstellung von Mann und Frau im Haushalt gesucht. Seit 30 Jahren blicken Wissenschaftler mit der "Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften" (ALLBUS) hinter Haustüren, erfragen das Befinden der Bürger und ihre Befindlichkeiten. Weil die Forscher im Schnitt alle zehn Jahre ihre Fragen wiederholen, lässt sich die Meinung der Bürger über lange Zeiträume hinweg vergleichen.

Zwar muss man die Umfrageergebnisse aus der Zeit vor der Wiedervereinigung mit Einschränkung betrachten, weil in den 80ern nicht eine Stichprobe der gesamten Bevölkerung sondern nur der Wahlberechtigten genommen wurde. Hier kann es also eher zu Abweichungen mit der Realität kommen. Bei allen Auswertungen passten die Ergebnisse allerdings in den allgemeinen Trend. Dass Männer es weiterhin nicht so mit dem Putzen haben, wissen wir jetzt bereits. Vielleicht stehen sie aber mittlerweile lieber in der Waschküche? Was meinen Sie?

Kümmern sich heute mehr Männer um die Wäsche als vor 30 Jahren?

Stimmt! Doch wie schon beim Putzen zeigt sich nur ein schwacher Anstieg. Im Jahr 1988 kümmerte sich nur in jedem 100. Haushalt der Mann "stets" oder zumindest "meistens" um die Wäsche. Mitte der 2010er-Jahre war das in vier von 100 Haushalten der Fall. In 80 von 100 Haushalten ist allerdings weiterhin die Frau für den Nachschub an sauberer Wäsche zuständig.

Leider falsch! Männer fühlen sich mehr für die Wäsche verantwortlich. Doch wie schon beim Putzen wächst auch die Gruppe regelmäßig Wäsche waschender Männer nur langsam. Im Jahr 1988 kümmerte sich nur in jedem 100. Haushalt der Mann "stets" oder zumindest "meistens" um die Wäsche. Mitte der 2010er-Jahre war das in vier von 100 Haushalten der Fall. In 80 von 100 Haushalten ist allerdings weiterhin die Frau für den Nachschub an sauberer Wäsche zuständig.

Lassen Sie uns für einen Moment in die andere Richtung schauen: Dringen Frauen in Männerdomänen vor? Mit den ALLBUS-Daten lässt sich auch diese Frage klären. Denn die Sozialwissenschaftler wollen auch wissen, wer sich im Haushalt für Reparaturen zuständig fühlt. Und, was meinen Sie?

Greifen heute mehr Frauen zum Hammer als noch in den späten 80er-Jahren?

Leider liegen Sie daneben. Seit fast 30 Jahren stagniert die Zahl der Frauen, die sich "stets" oder "maßgeblich" um Reparaturen kümmern. In sechs von 100 Haushalten kümmert sich die Frau um Kaputtes. Der Mann lässt sich in 80 von 100 Haushalten Hammer, Schraubenschlüssel und Co. nicht aus der Hand nehmen oder - auch das ist möglich - Frauen lassen den Werkzeugkoffer freiwillig links liegen.

Sie haben recht. Seit fast 30 Jahren stagniert die Zahl der Frauen, die sich "stets" oder "maßgeblich" um Reparaturen kümmern. In sechs von 100 Haushalten kümmert sich die Frau um Kaputtes. Der Mann lässt sich in 80 von 100 Haushalten Hammer, Schraubenschlüssel und Co. nicht aus der Hand nehmen oder - auch das ist möglich - Frauen lassen den Werkzeugkoffer freiwillig links liegen.

Beim Heimwerken im Haushalt hat sich über die Jahre übrigens am wenigsten bei der Arbeitsteilung verändert, die Anteile bleiben erstaunlich konstant. Gibt es denn so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit überhaupt? Die ALLBUS-Daten zeigen das nicht. Dafür allerdings einen anderen Trend, der bis auf das Heimwerken, alle Bereiche der Haushaltspflege beeinflusst hat.

Haben Sie den Trend bereits erkannt?

Sie liegen daneben. Dass der Anteil putzender Frauen stagniert, lässt sich in den Daten nicht erkennen. Aber wir helfen gerne auf die Sprünge: Der gemeinsam geführte Haushalt gewinnt zunehmend an Popularität. Das gilt sogar für alle in der Umfrage behandelten Haushaltsthemen. Nur bei den Reparaturen ist dieser Trend äußerst schwach.

Sehr gut beobachtet! Der gemeinsam geführte Haushalt gewinnt zunehmend an Popularität. Das gilt sogar für alle in der Umfrage behandelten Haushaltsthemen. Nur bei den Reparaturen ist dieser Trend äußerst schwach.

Sie Schelm, dieses Thema haben wir bisher doch noch gar nicht behandelt! Wir wollten darauf hinaus, dass sich in immer mehr Haushalten die Partner die Aufgaben teilen. Das gilt sogar für alle in der Umfrage behandelten Haushaltsthemen - auch fürs Kochen.

Es wird Zeit für Antworten: Wie stark wirken sich die Lebensumstände der Befragten auf die Aufgabenteilung ihres Haushalts aus? Dafür verlassen wir den historischen Vergleich und betrachten die aktuellen Umstände.

Wie steht es heute um die Gleichberechtigung bei der Hausarbeit, wenn beide Partner arbeiten, welchen Einfluss haben Alter und Geschlecht?

Lernt ein Deutscher einen neuen Nachbarn kennen, fragt er, womit der Neuling seine Brötchen verdient. Die Arbeit, so scheint es, ist das Maß aller Dinge in diesem Land. Doch sind Arbeitnehmerhaushalte auch moderner, wenn es um die Gleichstellung der Partner im Haushalt geht? Macht es einen Unterschied, ob in einem Haushalt beide Partner arbeiten - oder keiner von beiden? Was meinen Sie?

In welchem Haushalt muss die Frau eher die Hausarbeit allein erledigen?

Sie liegen leider daneben. In einem Haushalt, in dem kein Partner einer Arbeit nachgeht, müssen Frauen sich deutlich öfter um den Haushalt allein kümmern.

Das stimmt. Verdienen beide Partner Geld, tendieren sie auch dazu, sich die Hausarbeit zu teilen. In einem Haushalt, in dem kein Partner einer Arbeit nachgeht, müssen Frauen sich deutlich öfter um den Haushalt allein kümmern.

Eingangs sprachen wir schon davon: Das Rollenbild ist eine Generationenfrage. Schon 1977 sang Johanna von Koczian "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann". Die Schlagersängerin nahm damit augenzwinkernd Kritik am Alltäglichen: Die Frau macht die Arbeit, der Mann gibt höchstens gute Ratschläge.

Verändern sich Einstellungen mit der Zeit oder bleiben Menschen ihnen auch im hohen Alter treu? Finden sich doch auch gute Gründe dafür, im höheren Alter die Arbeit zu teilen: Erst kommt mit den Kindern eine zusätzliche Belastung, im sehr hohen Alter dann Gebrechen. Haben diese Faktoren einen Einfluss?

Teilen sich junge Menschen eher die Hausarbeit als ältere?

Sie liegen richtig. Je jünger der Haushalt, desto eher teilen sich Paare die Aufgaben.

Die Daten zeigen Gegenteiliges. Verfestigte Rollenbilder scheinen hartnäckig zu sein: Je jünger der Haushalt, desto eher teilen sich Paare die Aufgaben.

Die Daten zeigen, dass Rollenbilder zwar hartnäckig sind. Doch ein Generationenwandel ist in Sicht: Junge Paare teilen sich die Arbeit. Beim Spülen nach dem Essen sind es fast 80 von 100 Haushalten, in denen der befragte Partner zwischen 18 und 34 Jahren alt ist.

Bleibt zum Abschluss noch eine Frage zum Selbstverständnis in puncto Haushaltsführung:

Haben Männer und Frauen die gleiche Wahrnehmung davon, wer den Haushalt schmeißt?

Sie liegen daneben. Sowohl Männer als auch Frauen tendieren in vielen Haushaltsfragen dazu, die eigene Arbeit höher zu bewerten als die des jeweils anderen Geschlechts.

Das stimmt. Sowohl Männer als auch Frauen tendieren in vielen Haushaltsfragen dazu, die eigene Arbeit höher zu bewerten als die des jeweils anderen Geschlechts.

 

ALLBUS

ALLBUS steht für "Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften". Neben dem SOEP, dem "Sozio-oekonomischen Panel", gehört ALLBUS zu den großen regelmäßigen Befragungen der deutschen Sozialwissenschaften. Sie wird seit 1980 alle zwei Jahre erhoben und befragt jedes Mal etwa 3.000 Deutsche nach ihrer Meinung zu Fragen des Zeitgeschehens, aber auch zu persönlichen Themen aus ihrem Umfeld.