"Sie sind wirklich Teil der Gruppe geworden"

Mittlerweile haben sich die Akademisten in Hannover und in der NDR Radiophilharmonie eingelebt: Die Joseph Joachim Akademie hat ihr einjähriges Bestehen gefeiert. Im Anschluss stand ein Workshop mit Chefdirigent Andrew Manze auf dem Plan der sechs jungen Musiker.

Gefeiert haben sie ganz privat, im Kreis einiger Musiker der NDR Radiophilharmonie. So konnten sich alle, die sich in die Joseph Joachim Akademie einbringen, auch persönlich noch besser kennenlernen. Carsten Jaspert, Cellist der NDR Radiophilharmonie, ist nicht nur begeistert von der Entwicklung der jungen Musiker, sondern auch von seinen Orchesterkollegen: "Interessant finde ich, wie das Orchester damit umgeht. Das ehrenamtliche Engagement der Kollegen ist wirklich beachtenswert. Sie machen freiwillig zusätzliche Angebote, Probespieltraining, Yoga, Tipps für Bewerbungen, das kommt alles aus Eigeninitiative. Das ist wirklich schön an dieser Akademie." Und das Engagement habe im Verlauf des Jahres sogar zugenommen, es kamen eigene neue Ideen aus dem Orchester hinzu.

Intensives Arbeiten mit Andrew Manze

Kurz nach der Feier ging das straffe Programm der Akademisten mit einem Workshop mit Chefdirigent Andrew Manze weiter. "Es ist so spannend zu beobachten, wie sich die Akademisten während der Arbeit mit uns verändern", meinte er mit leuchtenden Augen. Natürlich seien sie bereits als hervorragende Musiker ins Orchester gekommen, hätten aber noch nicht viel Erfahrung im Zusammenspiel gehabt. Eine gute Übung waren dabei von Anfang an die Kammermusikprojekte. Allerdings ist eine Besetzung mit drei Violinen neben einer Bratsche, einem Cello und einem Kontrabass sehr selten. Daher versuchte sich Geiger Marco Polizzi zwischendurch auch an der Bratsche - und das mit großer Souveränität. Gezielt für den Workshop hatte Andrew Manze ein kammermusikalisches Programm mit mehreren unbekannten Kompositionen von William Lawes und Georg Muffat zusammengestellt, um die Akademisten neu herauszufordern.

Neue Ziele

In der NDR Radiophilharmonie sind die Akademisten von erfahrenen Musikern umgeben und profitieren von ihnen. Manze vergleicht dies mit Fahrpraxis: "Ihre Ohren sind sozusagen über sie hinausgewachsen: So, wie man, wenn man Autofahren lernt, erst einmal an Lenkrad und Pedale denkt und mit mehr Erfahrung dann an die Straße und den umgebenden Verkehr, so ähnlich ist das hier auch. Sie sind sehr gut geworden im Zuhören und Verstehen." Stolz ist er, dass eines seiner Ziele bereits erreicht sei, nämlich dass man im Publikum nicht merkt, wer Akademist und wer Orchestermusiker ist: "Sie sind wirklich Teil der Gruppe geworden." Ein nächstes Ziel wäre für Manze, dass sie der Gruppe so viel geben und bieten, dass das Orchester sie gar nicht mehr verlieren will. Denn die Suche nach einem Job im Orchester steht auch für die Akademisten an oberster Stelle: "Ein großes Ziel ist natürlich, dass jemand anderes sagt, das ist ein großartiger Musiker, den will ich bei uns haben", hofft Manze.

"Ich bin sehr glücklich zu sehen, wie sechs verschiedene Nationalitäten mit sechs verschiedenen Erfahrungshintergründen hier zusammen sitzen, gemeinsam Musik spielen und Spaß haben - das verkörpert die Idee einer Einheit, wie Musik tatsächlich Menschen verbinden kann." Andrew Manze

Ein Qualitätssprung mit Manze

"Dass sich der Chefdirigent so engagiert, ist fantastisch, das ist durchaus nicht selbstverständlich", schwärmt Carsten Jaspert. Man merke im Orchester, betont er ebenfalls, dass die Akademisten sich mittlerweile noch besser in die Gruppe integrieren als zu Beginn, das sei eine sehr gute Entwicklung. Auch Akademist Felix Schilling bestätigt, man kenne sich inzwischen einfach, so dass die Abläufe nicht nur gut, sondern richtig gut funktionieren. Vor allem die Arbeit mit Andrew Manze bedeutet für alle, auch für das gesamte Orchester, einen echten Qualitätssprung. "Es geht ihm immer darum, das Verlangen nach absoluter Exzellenz zu schärfen", erklärt Felix Schilling.

Volles Programm

Voller Vorfreude sind die Musiker bereits auf die anstehende Tournee der NDR Radiophilharmonie nach China und Südkorea. Im kommenden Frühjahr erwartet die Akademisten ein Workshop mit Antje Weithaas und Maximilian Hornung, die als Solisten bei der NDR Radiophilharmonie zu Gast sind. Vorher heißt es aber noch, ein gemeinsames Programm für die Kammermusik-Matinee im Februar zu erarbeiten, neben dem regulären Orchesteralltag. Bei all diesen Programmpunkten wird es jetzt ernst: "War das erste Jahr noch ein Ankommen, so ist das jetzt das Absprungsjahr", meint Schilling. Nun müssen die Akademisten bereits daran denken, wie es nach der Akademie weitergeht - und sich um Probespiele bewerben.

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