Physiker Wolfgang Schade sitzt im Großen Sendesaal des NDR vor Beginn eines Konzertes der NDR Radiophilharmonie vor Dummys, die einen atmenden Menschen simulieren. © Moritz Frankenberg/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Aerosolstudie: Das Test-Konzert im Großen Sendesaal

Stand: 16.06.2021 13:00 Uhr

In diesem Konzert ging es um mehr als die Musik: Am 10.06.2021 spielte die NDR Radiophilharmonie vor Publikum - und Dummys. Das Test-Konzert dient der Erforschung von Aerosolen im Konzertsaal.

Die Musikerinnen und Musiker der NDR Radiophilharmonie freuen sich ebenso wie ihr treues Publikum auf eine Rückkehr zur Live-Musik. Dabei fragen wir uns ebenso dringlich wie Sie: Ist es im Konzertsaal ausreichend sicher? Unsere Sicherheitsvorkehrungen und Hygienemaßnahmen werden fortlaufend gemäß der Corona-Bestimmungen des Landes Niedersachsen aktualisiert. Mit Abstandsregeln, Begrenzung der Personenanzahl im Saal und einer leistungsstarken Klimaanlage, die für Frischluftzufuhr sorgt, geben wir unser Bestes, um Ihren Konzertbesuch so sicher wie möglich zu gestalten.

Aerosolstudie im Großen Sendessaal

Zusätzlich hat sich die NDR Radiophilharmonie nun in Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- und Sozialunternehmen Diakovere aus Hannover sowie der TU Clausthal, Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI), an einem wissenschaftlichen Test-Konzert beteiligt. Dabei wurde in einem Versuchsaufbau mit Dummys die Verbreitung von Aerosolen im Konzertsaal erforscht. Um diesen Versuch unter realistischen Bedingungen durchzuführen, waren auch vollständig geimpfte Zuschauerinnen und Zuschauer dabei.

Wie sicher sind Veranstaltungen in geschlossenen Räumen?

Die Forscher*innen um Dr. Wolfgang Schade (Fraunhofer HHI) wollen mit diesen Experiment herausfinden, wie sicher Veranstaltungen in geschlossenen Räumen während der Corona-Pandemie sind.

In einem verantwortungsvollen Entscheidungsprozess zwischen Kultur und Gesundheitsämtern zählen belastbare Fakten. Wir wollen mit diesem Test-Konzert herausfinden, ob kulturelle Veranstaltungen in gut belüfteten Räumen sicher durchführbar sind. Wir hoffen, spätestens Ende des Jahres wieder vor vollem Saal spielen zu können. Matthias Ilkenhans, Orchester-Manager

Dummys, die atmen

Für den wissenschaftlichen Versuch wurden vier Dummys im Zuschauerraum zwischen "echten" Besucher*innen platziert, die in Schachbrett-Formation saßen. Das heißt, ein Platz blieb zwischen jeder Person frei. In der folgenden Reihe saßen die Proband*innen entsprechend versetzt. Zwei der Dummys stießen durch einen Schlauch aus Mund und Nase eine definierte Menge Aerosole aus, während die anderen beiden diese einatmeten. So wurde eine menschliche Normalatmung simuliert. Durch Visualisierung der Aerosole und Luftbewegungen wurde die Richtung der Zu- und Abluft im Zuschauer- und Bühnenbereich dargestellt und so die Konzentration von Virus-Aerosolen an verschiedenen Orten im Konzertsaal über die Zeit gemessen werden. Dabei wurden auch verschiedene Einflussszenarien, wie zum Beispiel Wärmeentwicklungen von Scheinwerfern und Zuschauer*innen als Wärmequelle, berücksichtigt.

Das Ergebnis: Mehr ist möglich

Diese Studie soll auch als vertrauensbildende Maßnahme fungieren, indem sie wissenschaftlich fundiert darlegt, wie eine sichere Öffnung von Konzertsälen für ein großes Publikum stattfinden kann. Und tatsächlich: Das Ergebnis der Studie lässt Hoffnung zu. Die Forscher*innen des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts haben herausgefunden, dass eine Sitzplatz-Belegung im Saal mit 500 Personen im Schachbrett-Muster mit ständigem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unbedenklich sei. Die Gefahr einer Infektion durch Aerosolübertragung in einem gut belüfteten Konzertsaal ist unter den genannten Bedingungen also nahezu ausgeschlossen.

Die Aerosolkonzentration war im Experiment an allen Messpunkten im Konzertsaal hoch. Dies ist insofern wichtig, weil für eine Infektion durch Übertragung von einem Menschen zum anderen eine bestimmte Virusdosis in den Atmungsapparat des aufnehmenden Menschen transportiert werden muss. Die mit Abstand geringste und absolut unbedenkliche Konzentration ergab sich, während die Testpuppe eine Maske trug. Die Körperwärme des anwesenden Publikums und die damit verbundenen vertikalen Luftströme haben die Lüftungssituation noch verbessert. Ob perspektivisch eine Saal-Belegung im Schachbrett-Muster auch ohne Maske möglich wird, soll anhand der Messdaten noch virologisch untersucht und abschließend bewertet werden.

Sicherheitsvorkehrungen bei diesem Konzert

Die Proband*innen hatte das Krankenhaus-Unternehmen Diakovere ausgewählt - nach der niedersächsischen Corona-Verordnung galten alle als vollständig immunisiert. Das Basis-Hygienekonzept blieb auch bei diesem Testkonzert bestehen. Damit galten weiterhin alle aufgeführten Hygieneauflagen wie Maskenpflicht und Sicherheitsabstand für das Personal wie auch für die Gäste.

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