"Ich habe nie über etwas anderes nachgedacht"

Die Fagottistin Maike Schieferecke ist seit Sommer 2017 Mitglied der NDR Radiophilharmonie.

Die junge Fagottistin Maike Schieferecke ist neu in der NDR Radiophilharmonie. Sie erzählt über den Start in Hannover, ihre musikalischen Vorlieben und ersten Erlebnisse im Orchester.

Es war für sie ganz klar, dass sie Musikerin werden wollte: Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, hatte Maike Schieferecke schon früh den Wunsch, im Orchester zu spielen. "Ich bin dann eher durch Zufall an das Fagott geraten", erinnert sie sich, denn im Orchester wurde noch ein Fagott gebraucht, und Maike Schieferecke hat es einfach ausprobiert. "Es hat mir direkt so gut gefallen, dass ich weitermachen wollte."

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Mit viel Spaß stellt Maike Schieferecke beim NDR Kindermusikfest ihr Instrument vor.
Zwischen Berlin, München und Detmold

Mit 17 Jahren hat sie an der Universität der Künste in Berlin ein Jungstudium bei Eckhart Hübner begonnen. "Ich habe nie über etwas anderes nachgedacht, es stand für mich irgendwie fest, dass ich das mache", meint Maike Schieferecke im Rückblick. Nach zweieinhalb Jahren bekam sie einen Platz an der Akademie der Bayerischen Staatsoper in München, wo sie viel vom Solofagottisten Moritz Winker gelernt hat und in das Kontrafagott-Spiel eingestiegen ist. Parallel ist sie zum Studieren von Berlin nach Detmold gewechselt. "Und dann habe ich hier die Stelle gewonnen", freut sie sich.

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Vor der schönen Kulisse der Galerie Herrenhausen spielt die Fagottistin in einem Barockkonzert der NDR Radiophilharmonie.
Harmonie mit den Kollegen

Auch wenn sie im Studium viel und gern zeitgenössische Musik gespielt hat, ist ihr doch die klassische Musik von Mozart bis Beethoven am liebsten. Daher freut sie sich sehr über die programmatischen Schwerpunkte von Chefdirigent Andrew Manze: "Nächste Saison stehen wieder zwei Beethoven-Sinfonien auf dem Programm!" Da sie vorher schon mehrmals Aushilfe gespielt hatte, kannte sie zu ihrem offiziellen Einstieg bei der NDR Radiophilharmonie die Kollegen bereits. "Das ist natürlich eine enorme Hilfe, wenn man weiß, worauf man sich einlässt." Ganz begeistert ist sie nicht nur, dass hier alle "wahnsinnig nett" sind, sondern auch, wie gut das Zusammenspiel funktioniert. Gerade ihre Fagottgruppe harmoniere sehr gut miteinander. "Das macht wahnsinnig Spaß, wenn man merkt, dass man die gleichen Vorstellungen hat", meint Maike Schieferecke. Umstellen musste sie sich nur etwas vom Opernrepertoire "im Graben" auf die Sinfoniekonzerte auf großer Bühne, das sei einfach eine andere Art zu spielen.

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Ganz begeistert ist Maike Schieferecke von den Kinderkonzerten der NDR Radiophilharmonie.
Ungewohnte Erlebnisse in den ersten Monaten

Neben beeindruckenden Auslandstourneen wie die Reise nach London im vergangenen Herbst fand Maike Schieferecke in ihren ersten Monaten bei der NDR Radiophilharmonie vor allem die Gastspiele in kleineren Städten spannend. "Daran hat mich besonders fasziniert, dass das Orchester hier zu den Leuten kommt, auch in entlegenere Orte." Als eine interessante neue Herausforderung hat sie die Konzerte mit Carolin Widmann erlebt, bei denen die Geigerin gleichzeitig als Solistin und Dirigentin auftrat. "Man muss ganz anders zusammenspielen und viel mehr aufeinander hören, wenn niemand vorne steht und dirigiert." Großartig findet sie vor allem auch das Musikvermittlungsprogramm der NDR Radiophilharmonie mit dem NDR Kindermusikfest und eigenen Abo-Reihen: "Das habe ich so woanders nicht erlebt, gerade in dieser Regelmäßigkeit eines Abos finde ich das wirklich toll", so Maike Schieferecke.

Spannende Perspektiven

In der kommenden Saison freut sie sich besonders auf die Konzerte mit Frank Peter Zimmermann oder auch das "Heldenleben" von Richard Strauss. Das Violinkonzert von Brahms ist für sie eine eigene Herausforderung: "Das ist eine Probespielstelle für zweites Fagott, da freue ich mich darauf, das einmal im Konzertzusammenhang zu spielen." Ein Highlight wird für sie die Kooperation mit Liverpool für Brittens "War Requiem": "Dass man zwei solche Orchester zusammenbringt, ist eine großartige Idee und wirklich selten." Für Hobbies hat sie kaum Zeit, da ihr Studium in Detmold noch nicht abgeschlossen ist. Aber Laufen und Wandern zählt zu ihren Leidenschaften, "zum Glück ist der Deister ja fast vor der Haustür", lacht sie.