Von New York über die Schweiz nach Südafrika

Bobo Stenson, Mike Mainieri (Montage) © Dániel Vass / ECM Records / Mike Mainieri
Bobo Stenson (li.) & Mike Mainieri

Im Juni kamen mit Mike Mainieri und Bobo Stenson zwei große Stilisten und Individualisten gemeinsam nach Hamburg. Ob solistisch oder wie hier im Duo vereint soll die Musik bei ihnen stets eines: Raum bieten - und atmen.

Im zweiten Set trafen Bänz Oester & The Rainmakers zwei Schweizer auf zwei Südafrikaner. Heraus kommt immer: Jazz vom Feinsten.

Fr, 19.06.2015 | 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio (Oberstraße 120)

Set 1:
Bobo Stenson & Mike Mainieri "Continuum"
Bobo Stenson Piano
Mike Mainieri Vibrafon

Set 2:
Bänz Oester & The Rainmakers
Ganesh Geymeier Saxofon
Afrika Mkhize Piano
Ayanda Sikade Drums
Bänz Oester Bass

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Bobo Stenson & Mike Mainieri

Unterschiedlicher könnte ein Duo kaum sein: Mike Mainieri, bekannt als der Kopf der Fusion-Supergroup "Steps Ahead" und Bobo Stenson, der einst mit Jan Garbarek, später mit Charles Lloyd spirituelle Klanglandschaften erkundete. Sie sind getrennt durch den Atlantik aufgewachsen, gehören aber beide zur Generation jener Jazzer, die nach der großen Bebop-Revolution (und deren Folgen) ihren Weg selbständig finden mussten. Jetzt treffen sich die zwei stilprägenden Individualisten zum anregenden Austausch.

Mike, Sie gehören zu den Vibrafonisten, deren Spiel man schon nach wenigen Takten erkennen kann. Wie haben Sie diese einzigartige Stimme entwickelt?

Mike Mainieri: Ich spiele jetzt seit 65 Jahren, seit den 1950ern. Und ich habe einfach viel verschiedene Musik gespielt: Bebop und in den 60ern mit Joni Mitchell, dann habe ich mein Vibrafon mit einem Synthesizer verbunden und schließlich sogar mit norwegischen Electro-Magiern wie Nils Petter Molvaer und Jan Bang gespielt. Ich denke, alles das hilft, eine "Stimme" zu entwickeln.

Welche musikalische Qualität haben Sie denn im Lauf der Jahre besonders schätzen gelernt?

Mainieri: Musik sollte Raum bieten - und atmen. Mein Instrument muss atmen können.

Bobo, wie entsteht dieser Raum zum Luftholen in Ihrem Duo?

Bobo Stenson: Jazz ist immer eine wechselseitige Geschichte. Man muss aufeinander hören.

Im Duo stehen Ihnen beiden ja alle Wege zur Improvisation offen. Oft gehen Sie von einem bekannten Standard aus oder von einem Ihrer Stücke...

Stenson: ...und versuchen erst einmal dieser Musik gerecht zu werden, sie nicht zu sehr durcheinander zu bringen. Aber dann nimmst Du den Charakter des Stücks und gehst damit immer einen Schritt weiter. Das hängt aber immer mit vielen Dingen zusammen: mit der Qualität des Klaviers, mit dem Raum, mit deinem Duo-Partner und wie der spielt ... Oft sind es ganz kleine Sachen, die Dich dazu bringen, Dich und die Musik ganz neu zu hören.

Interview: Tobias Richtsteig

Orchester und Chor