Stand: 23.08.2007 19:00 Uhr

"Musical Migrations" - Bobby McFerrin und NDR Bigband

von Tobias Richtsteig

"Musical Migrations" ist der Titel des Programms, das Bobby McFerrin mit der NDR Bigband im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2007 am 30. und 31. August zur Welturaufführung gebracht hat. Auf Folklore-Melodien aus aller Welt basieren die Stücke des Konzerts - mehr als eine Panoramawanderung mit exotischen Ausblicken. Fred Sturm schrieb die Musik exklusiv für McFerrin.

So wie derselbe Song jedes Mal ganz neu gesungen werden müsse, sagte McFerrin im Vorfeld, erneuerten sich auch die Lieder unterschiedlichster Regionen im Kontakt mit ihren Nachbarn, mit der weltumspannenden Sprache des Jazz.

Die Konzerte "Musical Migrations" waren eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal traf Bobby McFerrin auf die NDR Bigband. Dem Jazzmagazin Downbeat erzählte er bereits vor langer Zeit von seinem Wunsch, mit diesem Ensemble von 18 internationalen Solisten auch im Studio zu arbeiten. Fred Sturm, dessen Arrangements unter anderem von Wynton Marsalis, Dianne Reeves oder Bobby McFerrin aufgeführt wurden, arbeitete ebenfalls zum ersten Mal mit der NDR Bigband zusammen. Es war also eine lang erwartete Premiere, denn Sturm gilt als einer der interessantesten Köpfe seines Fachs. Für die hr-Bigband adaptierte er Songs der jazzig groovenden Pop-Klassiker "Steely Dan", die in Salzau und Hamburg auch auf dem Programm standen - neben Titeln von Monk, Van Morrison und McFerrin.

Improvisation als Grundlage des Musizierens

Bobby McFerrin hat das afrikanische Prinzip der Musik verstanden: "Es ist falsch, Musik aufzuschreiben und festzuhalten. Wenn du ein Lied zum ersten Mal singst, ziehen vielleicht gerade Wolken auf, beim zweiten Mal steht die Sonne hoch am Himmel. Dann muss man das Lied anders singen. Wenn du es singst, während du mit einem Freund die Straße runtergehst, denkst du vielleicht daran, dass er bei dir ist - und du singst es für ihn. Vielleicht singst du es gerade, wenn du dir die Hände wäschst, dann musst du es nass singen."

Nicht erst seit er als "The Voice" in Solo-Konzerten sein Publikum zum spontanen Mitsingen brachte, ist die Improvisation die Grundlage seines Musizierens - ob er mit seinem "Voicestra" afrikanische "Circle Songs" intoniert und weiterspinnt oder als Dirigent bei den führenden Sinfonieorchestern der Welt gastiert - und die Solistenkadenzen gleich mit der Stimme ("Sie ist das Instrument der Seele") selbst übernimmt. Nach einem selbstgewählten Sabbatjahr in den Wäldern Philadelphias (dort wohnt er mit Frau, Töchtern und zwei Hunden) ist er 2007 zurück auf den internationalen Konzertbühnen, voller frischer Energie.

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