Stand: 12.03.2019 15:09 Uhr

"Das vertraute Zusammenspiel empfinde ich als Luxus"

Die Gitarristin Sandra Hempel. © NDR Foto: Bertold Fabricius
Sandra Hempel ist gebürtige Pinnebergerin und seit vielen Jahren nicht nur in Hamburgs Jazz-Szene sehr aktiv. Seit Januar 2018 ist sie die erste Frau unter den festen Mitgliedern der NDR Bigband.

Als Sie 2018 festes Mitglied in der NDR Bigband wurden, waren Sie für die Musiker eigentlich schon längst eine gute, alte Bekannte: Seit 2007 waren Sie immer wieder als Gastmusikerin mit der NDR Bigband auf der Bühne oder im Studio und spielen mit einigen der Bandmitglieder auch in kleineren Besetzungen zusammen. War der neue "feste" Job damals trotzdem Grund zum Feiern?

Sandra Hempel: Na klar! Ich habe mit einigen Kollegen angestoßen und habe auch zuhause einen Schnaps darauf getrunken, als ich den Vertrag unterschrieben hatte. Zum einen, weil ich mich natürlich gefreut habe, zum anderen, weil für mich so eine Vertragsunterschrift ein totales Novum war! Ich war ja davor noch nie angestellt, sondern habe wie viele Kollegen immer freiberuflich gearbeitet.

Die Bandmitglieder, Chefdirigent Geir Lysne und die Redaktion der NDR Bigband - sie alle haben bei der Neueinstellung eines Musikers ja ein Wörtchen mitzureden und alle haben sich damals einstimmig für Sie entschieden. War das eine schöne Rückenstärkung?

Hempel: Bestimmt! Und es freut mich natürlich auf jeden Fall. Es gibt bei so einer Neubesetzung ja zwei Möglichkeiten: Entweder wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Oder aber, die Band, Redaktion und Dirigent sind sich über einen potenziellen Kandidaten einig und stimmen ab. So war es bei mir.

Biografisches in Kürze

Sandra Hempel wurde 1972 in Pinneberg geboren und lebt seit vielen Jahren in Hamburg.

Instrument: Gitarre

Ihr Studium führte sie nach Hilversum (NL), Hamburg, Amsterdam und New York. Seit vielen Jahren ist sie nicht nur in Hamburgs Jazz-Szene sehr aktiv; Sie hat mit Herb Geller, Nils Landgren, Dan Gottshall, Lutz Büchner, Jonas Schoen und vielen anderen gearbeitet und ein Album mit ihrem eigenen "Sandra Hempel 4tet" veröffentlicht.

Nach über zehn Jahren Erfahrung als Gastmusikerin in der NDR Bigband ist sie seit 2018 festes Bandmitglied.

Das ist auch insofern ganz schön, weil bei einer öffentlichen Ausschreibung immer die berühmte "Frauenklausel" zum Tragen kommt - "... sind bei gleicher Eignung Frauen zu bevorzugen." Das ist ja auch fein und gut so, aber mir ist es lieber, wenn das als Einstellungskriterium in meinem Fall keine Rolle spielt.

Trotzdem sind Sie die erste und bisher einzige festangestellte Frau in der Geschichte der NDR Bigband. Hat das für Sie eine besondere Bedeutung?

Hempel: Mir wird das eigentlich immer nur bewusst, wenn ich darauf angesprochen werde, es läuft also vor allem über die Außenwahrnehmung. Mir fällt es eher mal auf, wenn ich andere Frauen in musikalischen Zusammenhängen sehe, weil es einfach selten vorkommt. Dann merke ich: "Oh, hoppla, stimmt! So ist das auch bei mir."

Es hat in meiner eigenen Wahrnehmung also keine große Bedeutung und das ist, glaube ich, auch gut so. Denn wenn ich mir dessen immer bewusst wäre, würde das die Sache, glaube ich, total verkomplizieren.

Welche Seiten an der Arbeit mit der NDR Bigband haben Sie als festes Bandmitglied neu kennen- und vielleicht auch neu schätzen gelernt?

Die Gitarristin Sandra Hempel. © Sandra Hempel Foto: Natascha Protze

AUDIO: Immer wieder mit Neuem beschäftigen (1 Min)

Ich schätze es sehr, jetzt mit einer Band über einen längeren Zeitraum so intensiv zusammenzuspielen - und dabei immer mehr Vertrautheit zu spüren. Vorher, als Selbstständige, gab es für mich natürlich auch immer feste Bands - aber trotzdem: So konzentriert zusammen zu proben, eine ganze Woche lang jeden Tag für ein bestimmtes Programm, das ist schon ungewöhnlich. Und das empfinde ich auch als Luxus: mit Leuten, die man immer besser kennenlernt, immer wieder neue, unterschiedliche Programme zu spielen.

Natürlich kommen auch immer wieder Musiker von außen, andere Schlagzeuger, ein anderer Dirigent oder auch mal Aushilfen. Das ist dann wieder so eine flexible Größe, die auch gut tut. Aber es ist trotzdem schön, in einer Band mitzuspielen, in der der Kern immer so bestehen bleibt.

Die Position der festen Gitarristin ist eine 50%-Stelle. Sie verbringen also zwar viel Zeit mit der NDR Bigband, haben aber sicherlich noch Luft für andere Projekte.

Hempel: Genau, das kommt mir auch sehr entgegen, dass ich dann parallel andere Projekte weitermachen kann. Ich glaube, man bewahrt sich damit auch eine gewisse Frische, wenn man immer wieder nach draußen tritt und dann wieder hereinkommt.

Das Interview führte Jessica Schlage. (2019)

Orchester und Chor