Lead-Trompeter mit Faible fürs Detail

Seit 2005 in der NDR Bigband: Trompeter Thorsten Benkenstein.

Sie haben Ihre Trompete mit einem Instrumentenhersteller nach eigenen Vorstellungen weiterentwickelt. Haben Sie dadurch ein anderes Spielgefühl bekommen?

Thorsten Benkenstein: In gewisser Weise schon. Damals habe ich in Wien gewohnt und konnte alle zwei Wochen zu der Firma "Schagerl" fahren und sagen, was ich an meiner Trompete anders haben möchte - Materialstärke, die Formen von Mundrohr oder Schalltrichter und so weiter. Nach ungefähr einem Jahr war die Trompete dann fertig. Dadurch habe ich erfahren, wie sehr minimale Veränderungen das Gefühl für Spiel und Klang beeinflussen, obwohl ja alle Trompeten im Prinzip auf die gleiche Art und Weise funktionieren.

Biografisches in Kürze

Jahrgang 1968, aufgewachsen in Bremen, lebt heute in Hamburg.

Instrument: Trompete

Studium an der Hochschule für Musik in Köln. Zu seinen Lehrern zählten Bob Lanese und Don Jacoby. Er spielte von 1993 bis 2005 im Vienna Art Orchestra. Seit 1993 trat er regelmäßig mit Bob Brookmeyer auf sowie in verschiedenen Bands, wie der Al Porcino Big Band, der Peter Herbolzheimer Big Band Gansch & Roses, dem Sunday Night Orchestra und der Pepe Lienhard Band. Zusammen mit dem Instrumentenhersteller Schagerl entwickelte er eine eigene Périnet-Trompeten-Reihe.

Seit 2005 ist er festes Mitglied der NDR Bigband.

Liegt Ihnen die Position des Lead-Trompeters besonders?

Benkenstein: Ich habe eigentlich Klassik studiert. Weil es mir relativ leicht fiel, hoch zu spielen, bin da eher so reingerutscht, in Big Bands die Lead-Trompete zu spielen. Als Lead-Trompeter spielt man ja immer die erste Stimme, was ein bisschen anstrengender ist als tiefere Lagen. Dafür spielt man aber zum Beispiel keine Soli. Das kam mir entgegen, weil ich mich nie als Jazz-Solist gesehen habe.

Allerdings habe ich auch während des Klassik-Studiums immer parallel in Jazz-Bands gespielt. Lutz Büchner, meinen leider verstorbenen Saxofon-Kollegen aus der NDR Bigband, kannte ich beispielsweise noch aus meiner Heimatstadt Bremen, wo wir mit 16 Jahren schon gemeinsam in einer Big Band gespielt haben.

Die Jazz-Szene in Deutschland scheint so überschaubar zu sein, dass sich alle von irgendwoher kennen. Stimmt dieser Eindruck?

Benkenstein: Ja, das ist schon so. Man hat vielleicht nicht schon mit allen gespielt, aber die meisten Namen kennt man. Es ist selten, dass jemand gut spielt, von dem man noch nie gehört hat - obwohl das natürlich auch vorkommt.

Als ich in die NDR Bigband kam, kannte ich die meisten schon über 20 Jahre lang und hatte irgendwann schon mal mit ihnen zu tun. Das klingt jetzt so nach Klüngelei, aber wenn man in so einer Position hier sitzt, dann müssen die anderen eben auch wissen, dass es funktioniert. Da spielt auch das soziale Verhalten eine große Rolle.

Und das stimmt in der NDR Bigband?

Benkenstein: Es ist auf jeden Fall eine Band, die sehr viel für Spaß übrig hat, weswegen die tägliche Arbeit oft sehr, sehr lustig ist. Meist kommt das durch Situationskomik, da könnte ich jetzt gar kein bestimmtes Beispiel nennen. Und dann sind es natürlich tolle Musiker und viele interessante Projekte. Natürlich gefallen mir da auch nicht alle, aber die meisten schon.

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Benkenstein über Brookmeyer

Seit vielen Jahren spielt NDR Bigband Trompeter Thorsten Benkenstein auch mit Bob Brookmeyer zusammen. Von ihm sagt er, er sei eine feste Größe als Arrangeur und Komponist. Audio (00:23 min)

Zum Beispiel war es toll, mit jemandem wie Al Jarreau auf Tour zu gehen, ein Musiker, dessen Platten ich schon als Teenager gehört habe. Oder auch die Zusammenarbeit mit Größen wie Bob Brookmeyer, mit dem ich auch außerhalb der NDR Bigband schon seit 17 Jahren zusammen spiele. Das schätze ich sehr.

Sie haben in der Vergangenheit immer mal wieder Trompeten-Workshops gegeben. Wäre das Unterrichten eine Option für Sie?

Benkenstein: Bis jetzt habe ich noch nie regelmäßig unterrichtet, sondern meistens die Schüler an meinen alten Lehrer Bob Lanese weitergeleitet. Da sind sie gut aufgehoben. Aber es reizt mich schon, weil man sich beim Unterrichten viele Gedanken machen muss, zum Beispiel darüber, wie man etwas vermittelt. Dabei wird man sich selbst über einiges klarer und kann eine Menge lernen. Insofern wäre das auf jeden Fall eine Option, weil ich denke, dass mir das Spaß machen könnte. Im Moment steht es allerdings nicht an.

Das Interview führte Jessica Schlage (2011).