Stand: 13.09.2013 17:40 Uhr  | Archiv

Lukas Graham: Champagner für Mr. Nice Guy

von Patricia Batlle
Auftritt von Lukas Graham im Jungen Theater.  Foto: Axel Herzig
Ein wenig eng ist es schon auf der Bühne des Jungen Theaters Göttingen für Dänen von Lukas Graham.

Einen Abend für unglücklich Verliebte, die sich gerne im Selbstmitleid suhlen, bieten diese vier Jungs aus Kopenhagen wahrlich nicht. Im Gegenteil: Das dänische Quartett Lukas Graham ist das Rezept, um aus einem momentanen Stimmungsloch herauszufinden. Ihre gute Laune versprühen der Leadsänger (und Namensgeber der Band) Lukas Graham, der Bassist Mark Falgren alias Magnúm, der Keyboarder Kasper Dangaard alias Captain und der Drummer Lovestick (Mark Falgren) in großzügigen Mengen. Dass die Bühne des ausverkauften Jungen Theaters Göttingen für die Musiker samt Equipment ganz schön eng ist, fällt nicht weiter auf.

Persönliche Geschichten

Zu quirlig weiß vor allem Luke the Duke, so der Spitzname des Frontmanns, jeden Millimeter der schwarzen gebotenen Fläche zu nutzen. Nach nur drei Songs sind Publikum und Künstler dermaßen durchgeschwitzt, dass die ersten Kleidungsstücke ausgezogen und die Handtücher gezückt werden. "Baby, Don't Hurt Me" fleht Graham in seinem gleichnamigen Song, um gleich danach allen an Liebeskummer Leidenden den Song zu widmen: "Happy She Left" (deutsch: Froh, dass sie weg ist). Balladen und ernste Zwischentöne hat das Quartett, das sich seit gemeinsamen Sandkisten-Zeiten kennt, auch zu bieten. In "Mowing Alone" kommen die kleinen Leuchten, die das Festival am Eingang jedes Konzertes verteilt, zum Scheinen. Auch beim nächsten Song traut sich kaum einer mitzusingen. Kein Wunder: In "Criminal", dem aktuellen Hit der dänischen Überflieger, erzählt Graham eine persönliche Geschichte von einem angeschossenen Freund, der im Gefängnis sitzt. Eine dunkle Ballade, der ein großes Orchester gut zu Gesicht stünde.

Champagner für die Dänen

Zwischendurch ist immer Zeit für Details, die der geborene Entertainer, ehemalige Chorsänger, Schauspieler und Synchronsprecher Lukas gern erzählt. So erfährt man, dass die Bassgitarre von Magnúm Greta heißt und 1965 gebaut wurde - und man verfolgt mit, wie der Leadsänger ein Handy aus dem Publikum schnappt, mit dem gerade gefilmt wurde, mit diesem auf der Bühne weiterfilmt und dem verdutzten Fan das Gerät wieder in die Hand drückt. Natürlich, ohne aus dem Takt zu kommen. Ach ja, und beim Song "Nice Guy" kommt auch noch eine Flasche Champagner zum Einsatz, die die Musiker untereinander aufteilen.

Brandneuer Song: "7 Years"

"Kipp' auf der Bühne nie ein Glas Champagner zu schnell herunter, sonst kannst du nicht mehr singen", gibt Lukas Graham danach vergnügt-zerknirscht zu, als er nach dem Trinken erst einmal hinter der Bühne verschwinden muss. Zur Entschädigung gibt's danach noch den dynamischen Abschluss: einen brandneuen, noch unveröffentlichen Song, "7 Years", einen Song über Grahams Kindheit. Und dann kommt zum Mitschmettern der Tophit der Band, der immerhin deren Ruhm weit vor Veröffentlichung des ersten Albums begründet hat: "Drunk In The Morning". Ein Motto, dass das Dynamit-Quartett wahrscheinlich im Göttinger Morgengrauen beherzigen wird.

Setlist:

  • Before The Morning Sun
  • Don't Hurt Me
  • Happy She Left
  • Never Let Me Down
  • Mowing Alone
  • Better Than Yourself
  • Criminal
  • Ordinary Things
  • Only One
  • Nice Guy
  • 7 Years
  • Drunk In The Morning

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 15.09.2013 | 09:00 Uhr