Stand: 21.03.2019 11:05 Uhr

Gebete: Anders als die Alltagssprache

von Andreas Brauns

"Warum sind Gebete im Gottesdienst oft so schwer zu verstehen?"

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Gebet während eines Gottesdienstes

Abgesehen von der Akustik, die ein Verstehen manchmal nur schwer möglich macht, gibt es dafür vor allem einen Grund: die Sprache in den Gebeten. Also: Warum klingt ein Gebet so anders als eine Fürbitte oder ein Satz außerhalb der Kirchenmauern? Warum klingt es so fremd?

Gebete werden oft seit Jahrhunderten benutzt

Weil die Sprache des Gottesdienstes nicht die Sprache des Alltags ist. Und wenn die Inhalte von Gebeten verloren gegangen sind, holt sie auch eine moderne Sprache nicht zurück. Zur Sprache im Gottesdienst gehören Worte und Formeln, die seit Jahrhunderten wiederholt werden. Gebete sollen nicht harmlos sein, also nicht zu platt, trotzdem verständlich, eher sachlich als emotional, außerdem poetisch und kurz.

Hinzu kommt: ein Gebet soll sich auch deutlich absetzen von der Alltagsprache, denn es ist ja für einen Gottesdienst: Ein Text, der einen Gedanken ins Wort bringt. Doch dabei bleibt es oft nicht. Gebete werden überfrachtet und sind dann nur schwer verständlich. Das wird mit Hinweis beiseite gewischt: Man darf die Gläubigen nicht unterfordern.

Aus anderen Sprachen übernommen

Ein weiterer Grund, warum Gebete schwer verständlich sind, ist die Tatsache, dass viele Gebete aus einer anderen Sprache stammen. Sie wurden übersetzt. Meist haben dabei viele Theologinnen und Theologen mitgearbeitet. Das aber bekommt einem Text nicht immer und macht ihn auch nicht unbedingt verständlicher. Es ist zwar schön, wenn bei einer Übersetzung viel vom Inhalt transportiert wird, doch was nützt das, wenn es übersetzt kaum verstanden wird?

Manchmal liegt das an dem Versuch, mit wenigen Worten viel zu sagen. Manchmal aber auch an den Gottesbildern, die hinter den Gebeten stehen. Da wird angesichts des Leids in der Welt zu einem allmächtigen Gott gebetet, der seine Kinder liebt. Wer soll das - einfach so - verstehen?

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 23.03.2019 | 09:15 Uhr

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