Sendedatum: 16.11.2019 09:20 Uhr

Volkstrauertag erinnert an Opfer von Kriegen

von Oliver Vorwald

"Volkstrauertag, Gedenkstunde an den Kriegerdenkmalen. Oft stehen die neben einer Kirche. Warum?"

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Rund 100.000 Kriegsdenkmäler erinnern hierzulande an das Leid von Soldaten.

Das Jahr 1813. Kanonen lassen Europa erbeben, Trommeln und Pfeifen rufen zum Kampf gegen Napoleon. Die Befreiungskriege toben. In Deutschland macht Preußen mobil. Die Schlachten mit der Grande Armee werden viele Leben kosten. Friedrich Wilhelm III. weiß das. Also stiftet der preußische König einen allgemeinen Tapferkeitsorden, das Eiserne Kreuz. Außerdem verpflichtet er die Kirchengemeinden.

Für Alle, die auf dem Bette der Ehre starben, [soll] in jeder Kirche eine Tafel auf Kosten der Gemeinden errichtet werden, mit der Aufschrift: Aus diesem Kirchspiele starben für König und Vaterland; unter dieser Aufschrift werden die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen eingeschrieben.

Leiden von Soldaten wird öffentlich

Alles andere als selbstverständlich, was hier so verschnörkelt im Amtsdeutsch des 19. Jahrhunderts daherkommt. Denn bis dahin sind Kriegerdenkmale fast ausschließlich für große Siege oder geniale Feldherren errichtet worden. Der König von Preußen ändert das. Mit seiner Order vom 5. Mai 1813 bekommt das Leiden der einfachen Soldaten einen öffentlichen Stellenwert. Und die Kirchen werden zu Orten dieses Gedenkens. Daraus entwickelt sich in Deutschland eine Erinnerungskultur, von der heute mehr als 100.000 Ehrenmale zeugen. Die meisten entstehen im Zuge der beiden Weltkriege. Dazu gehören realistische Skulpturen von trauernden Eltern, Natursteinmauern, Obelisken mit Adler oder Stahlhelm. Auf dem jeweiligen Ehrenmal und auf extra Tafeln finden sich die in Gold gefassten Namens-Kolonnen der gefallenen und vermissten Soldaten.

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Der Volkstrauertag gehört zu den "stillen Feiertagen". Seit 1922 erinnert er an die Opfer von Kriegen und Gewalt. Im Bundestag spricht der Bundespräsident das Totengedenken. mehr

Hinrich Lengen (1). Als Musketier beim Infanterie-Regiment [Herzog Wilhelm von Braunschweig] Nr. 78 eingezogen starb er den Heldentod bei Saint Quentin am 28. August 1914. … Jann Bruns. Infanterie Regiment 79, fand … am 15. März 1915 den Heldentod im Argonnerwald. … Garrelt Frerichs (10), Reserve-Jäger Bataillon Nr. 22 , fand … am 25. Juli 1915 den Heldentod bei Krylow [Polen].

Volkstrauertag erinnert auch an zivile Opfer

Zivile Opfer fehlen auf den meisten Ehrenmahlen. Vielen Generationen gilt der Tod auf dem Schlachtfeld ehrenvoller als das Leiden der Frauen, Kinder und Greise zu Hause. Und dann wären da noch die Zwangsarbeiter, die Kriegsgefangenen, die ermordeten jüdischen Mitbürger. Ganz wichtig, dass bei den Feiern zum Volkstrauertag auch an diese Namen erinnert wird. "Selig sind die Frieden stiften. Sie werden Gottes Kinder heißen." (Mt 5,9)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 16.11.2019 | 09:20 Uhr