Stand: 07.12.2018 12:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - Karl Barth

von Oliver Vorwald

"Luther. Immer wieder Martin Luther. Humorvoll, fromm, widerständig. Gibt es vielleicht noch andere evangelischen Theologen von ähnlichem Kaliber?"

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Ähnlich wie Martin Luther hat Karl Barth theologisch Maßstäbe gesetzt.

Rebellisch, rauflustig und religiös. Ein echtes Schwergewicht dieser Klasse ist: Karl Barth. Spitzname "Gottes fröhlicher Partisan". Der einstige Göttinger Professor - dessen Todestag sich am 10. Dezember zum 50. Mal jährt - sollte in einem Atemzug mit Martin Luther genannt werden. Denn er hat mit seinem besonderen Stil wie kein anderer die Theologie des 20. Jahrhunderts bestimmt. Gemeinsam mit Luther ist ihm übrigens eine ordentliche Portion Humor. Allerdings eher feinsinnig, denn rustikal. Auf die Frage einer Frau, ob sie im Himmel auch all ihre Lieben wiedersehen werde, antwortet Karl Barth: "Machen Sie sich darauf gefasst, gewiss nicht nur Ihre 'Lieben'!"

Barth engagiert sich politisch und sozial

Die beschauliche Schweiz, hier wird Karl Barth 1886 geboren. Er studiert Theologie, wird dann Pfarrer in einem Arbeiterort, engagiert sich politisch und sozial. 1919 veröffentlicht er ein Buch über den Römerbrief. Die Auseinandersetzung mit den paulinischen Episteln macht ihn - wie einst Luther - einem größeren Publikum bekannt, es folgt der Ruf als Professor nach Göttingen (1921). Das Besondere an Barths Theologie: Sie bricht radikal mit dem, was bisher gelehrt wurde. Der rauflustige Professor attackiert all jene, die meinen Gott für ihre menschliche Sache einspannen zu können: Politiker, Militärs, Schriftsteller, Kirchenfürsten.

Denn Gott ist, so lehrt Barth, der ganz andere. Zuerst ist da ein "Nein". Es sind die Fragen, in denen Gott den Menschen nahe kommt, nicht die Antworten. "Dialektische Theologie" nennen andere diesen besonderen Stil. Wer im 20. Jahrhundert Pfarrer werden will, kommt nicht daran vorbei. Die Stärke dieser spirituellen Boxart - sie schützt vor Überhöhungen. Barth selbst macht sie beispielsweise immun gegen den Führerkult der Nazis, der Adolf Hitler über alles stellt. "Jesus Christus ist das eine Wort Gottes, … dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben." Diese Formulierung aus dem Barmer Bekenntnis - der Gründungsurkunde der Bekennenden Kirche (der evangelischen Opposition zur Zeit des Nationalsozialismus) - geht maßgeblich auf ihn zurück. 1934 verweigert Karl Barth deshalb den Beamteneid auf Adolf Hitler, kehrt in die Schweiz zurück und lehrt fortan an der Universität Basel.

Streitbar wie Martin Luther

Rebellisch, rauflustig und religiös. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt er sich für eine umfassende Versöhnung mit den Deutschen ein, sympathisiert gelegentlich mit dem Kommunismus, streitet gegen die atomare Aufrüstung. Karl Barth bleibt bis zu seinem Tod am 10. Dezember 1968 streitbar wie einst Luther - eben "Gottes fröhlicher Partisan". Diesen Spitznamen verpasst ihm übrigens ein großes deutsches Nachrichtenmagazin in seiner Weihnachtsausgabe 1959 (Spiegel, 52/1959).

"Lachen ist der Gnade Gottes am nächsten."

Solche Sätze finden sich zuhauf in Texten von Karl Barth. Die Gesamtausgabe seiner Werke umfasst übrigens mehr als 90 Bände und insgesamt über 75.000 Seiten. Das bekannteste Werk ist die Kirchliche Dogmatik mit allein schon 9.000 Seiten. Zum Leben des gewitzten und feinsinnigen Schwergewichts gehört aber auch dies: Mehr als 30 Jahre führt Karl Barth eine Ehe zu dritt, lebt mit Ehefrau und der Geliebten unter einem Dach. Auch über den Tod hinaus bleiben diese Drei miteinander verbunden. Sie sind gemeinsam in einer Grabstelle auf dem Basler "Friedhof am Hörnli" beigesetzt.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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