Stand: 02.09.2014 18:20 Uhr  | Archiv

Schlechtes Bahnnetz sorgt für Verspätungen

von Philipp Hennig & Pippa Nachtnebel

Verspätete Züge, verpasste Anschlüsse, lange Wartezeiten an den Bahnsteigen. Kaum ein Bahnfahrer, der noch keine Erfahrungen mit Zugverspätungen gemacht hat. Der deutsche Bahnverkehr hat ein Problem mit der Pünktlichkeit. Besonders der Fernverkehr ist einer Studie nach betroffen - mehr als jeder vierte bis fünfte Fernzug kommt demnach zu spät.

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Und Verspätungen wirken wie ein Schneeballsystem: Verspäteten sich Fernzüge, so leiden auch die Regionalbahnen, denn sie teilen sich dieselben Schienen. Und die sind knapp in Deutschland.

Schneeballsystem Verspätungen

Menschen steigen in einen Zug. © NDR Foto: Marie Elane Schulz
Die Mitarbeiter in der Leitstelle des Metronoms führen einen täglichen Kampf gegen Verspätungen.

Die Zahl der Zugverbindungen ist in den letzten fünf Jahren um 500.000 angestiegen, das Streckennetz aber ist gleich geblieben. So drängt sich ein Zug am nächsten. Verspätet sich nun ein Fernzug, so muss die Regionalbahn ihn vorlassen und warten, bis der Zug ihn überholt hat. So verspätet sich auch die Regionalbahn. Die Mitarbeiter in der Leitstelle des Metronoms führen einen täglichen Kampf gegen Verspätungen und versuchen zumindest Anschlusszüge für ihre Fahrgäste zu sichern. Auch Teamleiter Thomas Albers macht vor allem das Streckennetz für die vielen Verspätungen verantwortlich: "80 Prozent unserer Verspätungen sind auf mangelnd ausgebaute Strecken zurückzuführen. Es gibt einfach zu wenig Gleise, so dass die Züge auch während der Fahrt aneinander vorbeifahren und überholt werden können".

Loktausch blockiert Gleise

Ein Dilemma, das Lokführer Jörg Schröder jeden Tag miterlebt. Auf manchen Fahrten wird er mit seinem Metronom gleich von mehreren Fernverkehrszügen überholt. Jedes Mal muss er dann warten, bis der Schnellzug an ihm vorbeigefahren ist - und das kostet wertvolle Zeit. Verspätungen sind für ihn alltäglich, denn die meisten der Strecken, auf denen er fährt, sind immer noch zweigleisig. Ein drittes Gleis, das Überholmanöver zeitsparender machen würde, fehlt häufig. "Das ist alles ausgelegt wie vor 50 Jahren, als wir mit der Hälfte der Züge gefahren sind. Es sind viel zu viele Züge auf den gleichen Gleisen unterwegs", klagt der Lokführer.

Doch es sind nicht nur fehlende Gleise, die zu Staus auf der Schiene führen. Auch am Rest der Infrastruktur wurde offenbar jahrelang gespart. Immer noch nicht alle Züge fahren mit Oberleitung, manche Strecken sind nicht einmal elektrifiziert. Das führt dazu, dass an manchen Bahnhöfen moderne Elektroloks gegen alte Dieselloks getauscht werden müssen. Zum Beispiel am Hamburger Hauptbahnhof: Jeden Freitagnachmittag blockiert ein Loktausch eine halbe Stunde lang ein Gleis. Dann fährt die Bahn nach Fehmarn - mit einer Diesellok.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 02.09.2014 | 21:15 Uhr