Sendedatum: 10.12.2008 23:00 Uhr  | Archiv

Unvergessliche Torschreie: Manni Breuckmann sagt Tschüss

Manfred Breuckmann © Achim Scheidemann dpa Foto: Achim Scheidemann
Legendär: WDR-Reporter Manfred Breuckmann, Radiopreis-Gewinner 2011

Erstmals ertönt seine Stimme am 7. März 1972 - aus dem Lohrheidestadion beim Regionalligaspiel Wattenscheid gegen Neuss. Er berichtet von sechs Welt- und fünf Europameisterschaften. Er ist bei den Europapokalsiegen von Schalke 04 und Dortmund 1997 vor Ort. Auch beim Pfostenbruch in Madrid ist er dabei. Seine Popularität verdankt Manni Breuckmann dem Fußball. Aber er war auch landespolitischer Korrespondent, fuhr mit Johannes Rau nach Israel, moderierte das WDR-Mittagsmagazin und kommentierte Rosenmontagszüge. Nach 36 Jahren geht Manni Breuckmann nun mit 60 Jahren in den Vorruhestand. Zapp über unvergessliche Torschreie und eine Reporterlegende, die Abschied nimmt.

Anmoderation:

Und, kennen Sie die Stimme? Wenn Sie Fußball-Fan sind, bestimmt. Die Stimme gehört nämlich ihm: Manfred Breuckmann. So darf ihn allerdings nur seine Mutter nennen. Für den Rest der Republik ist der legendäre Sportreporter einfach „Manni“. Manni reportiert seit über dreißig Jahren im Radio. Jeden Sonnabend auch in der „ARD Bundesliga“- Schalte, doch kommenden Samstag ist Schluss. Kathrin Becker hat Manfred Breuckmann ein letztes Mal in sein Revier begleitet.

Beitragstext:

Eine legendäre Stimme nimmt Abschied auf Schalke. Manni Breuckmann, bescheiden tritt er auf, ist aber ein ganz Großer. Radiojournalist, Fußballreporter - er ist die Stimme des Ruhrgebiets. Am Sonnabend kommentierte er zum letzten Mal von seinem Lieblingsverein. Nur noch wenige Minuten bis zum Spiel gegen Hertha. Seine Begeisterung steckt an und seine Fans lieben ihn dafür. (Radiokommentar): „Tooooooooooooooor für den FC Schalke 04!“ Manfred Breuckmann: „Also, ich hab 2:1 für Hertha getippt!“ 37 Jahren lang berichtete Manni aus dem Ruhgebiet. Er ist Teil des Potts, nah dran an den Menschen, kennt die Szene. Manfred Breuckmann im Gespräch: „Weißt Du, dass der Chef von Gazprom heute auch da ist? Der Oberste, und unser Ex-Bundeskanzler ist ebenfalls vor Ort. Vielleicht haben sie ein paar Millionen mitgebracht für einen neuen Mittelstürmer.“

Letzter Tag auf Schalke

Das Stadion ist fast sein Zuhause geworden, jetzt verlässt er es. Für seine Fans ein echter Verlust. Umfrage bei Fans: „Das ist ein lockerer Typ Reporter, der mit Herz, mit Herz reportiert. Egal welches Spiel, auch ohne Schalke oder mit Schalke, das ist egal. Einfach eine Klasse von Reporter.“ „Er geht sehr gut mit, und man kann die Atmosphäre spüren, er bringt die Atmosphäre sehr gut rüber.“ „Also, ich finde ihn sehr sympathisch, er hat großen Fußballverstand, ist, sag ich mal, in Europa über die Grenzen bekannt als Sportreporter für Hörfunk - und er wird ne große Lücke hinterlassen.“ Fototermin, Kollegen treffen, Autogramme schreiben - es ist viel los an seinem letzen Tag auf Schalke. Wenig Platz für Gefühle. Manfred Breuckmann: „Ich bin schon ziemlich sentimental. Also, das ist heute schon ein emotionaler Ausnahmezustand, muss ich wirklich sagen. Ich will hoffen, dass ich nicht an irgendeiner Stelle, wenn irgendeiner mich einer so antippt, an der richtigen Stelle, in Tränen ausbreche. Ich bin ein bisschen nah am Wasser gebaut, aber ich werde es schon überstehen. Jetzt kommt ja erst mal das Fußballspiel, Schalke in der Krise, Hertha BSC im Aufwind, da kann man sich ja ganz gut dran festhalten.“

Fußballreportagen gefaket

Das Spiel geht los – und für Breuckmann beginnt Fließbandarbeit. Reportagen im Minutentakt, 34 Mal wird er während dieser Partie geschaltet. Schon immer gibt er den Hörern das Gefühl dabei zu sein. Ausgebildet als Jurist, findet Breuckmann den Reporterjob aber schnell spannender. Fußball ist von Anfang an seine Leidenschaft, da ist er unschlagbar. Manfred Breuckmann: „Ich war früher häufig zu Gast als Kind im Stimmberg-Stadion in Erckenschwick, da standen die auf dem Toilettendach, da war so Teerpappe drauf. Und ich guckte da so hoch als 13-, 14-Jähriger und dachte mir: Das willst du auch mal machen. Und dann hab ich immer heftig zu Hause geübt, so mit dem Kamm, so Fußballreportagen, gefaked, wie man heute sagen würde.“

Journalisten im Beiboot

Manni macht mehr, berichtet von Karnevalsumzügen, moderiert bei Jobaktionen. Die Zuschauer in Nordrhein-Westfalen kennen ihn auch als Reporter für Landespolitik. Seine größten Momente aber hat er immer wieder bei Fußballspielen. Für seine Reportagen bekam er Preise. Ein Sportjournalist mit festen Prinzipien. Manfred Breuckmann: „Ich lauf nicht andauernd durch die Gegend und saufe mit Trainern oder auch mit Spielern, die trinken ja, glaub ich, auch mal das eine oder andere Bier. Das ist bei mir nicht gewesen und ich bedaure das auch gar nicht. Das sind auch dann, sagen wir mal, starke Verbrüderungstendenzen, damit habe ich es prinzipiell nicht so. Man sollte auch eine journalistische Distanz wahren, und man sitzt auch nicht gemeinsam in einem Boot, sondern man sitzt in dem Beiboot, was nebenher fährt und beobachtet.“ Keine Verbrüderung, aber gemeinsame Freude. Sonnabend im Stadion - Schalke schießt ein Tor. Manfred Breuckmann: „Flanke von der linken Seite, in der 65. Minute. Kopfball Gerald Asamoah, aus drei Metern Entfernung wuchtet er den Ball in die Maschen, es steht 1:0 für Schalke 04.“ Endlich ein Sieg, ein Abschiedgeschenk für Manni. Manfred Breuckmann: „Mir hat es gefallen, dass die in Schalke mich verabschiedet haben, sogar die Schalcker Ultras haben ein Transparent gemacht, da stand drauf: „Mach´s gut Manni“, das fand ich sehr, sehr schön. Der Stadionsprecher hat mich verabschiedet, das war gut, und das war wirklich das Ende einer ganz langen Strecke.“ Aber so richtig aufregend wird es erst jetzt. Manfred Breuckmann: „Als Rentner, da darf ich machen, was ich will. Schlammcatchen auf St. Pauli - alles, alles darf ich machen. Und irgendwas wird bestimmt passieren. Ich werde nicht zu Hause auf dem Sofa sitzen und warten bis Pilawa anfängt.“

Abmoderation:

Ganz egal, was Manni Breuckmann nun alles macht, eins hat er schon, nämlich Radiogeschichte geschrieben. Wir wünschen alles Gute! Und schenken ihm, und natürlich Ihnen, jetzt ein Schmuckstück der Unterhaltung: Die Geschichte des Fernsehens, hier im NDR, direkt nach unserer Sendung.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 10.12.2008 | 23:00 Uhr

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