Sendedatum: 15.12.2010 23:05 Uhr  | Archiv

Betrugsverdacht beim Kinderkanal von ARD und ZDF

von Jasmin Klofta, Jon Mendrala

Ein neuer Betrugsskandal erschüttert die ARD. Nachdem schon die Sportchefs Jürgen Emig und Wilfried Mohren sowie Fernsehspielchefin Doris Heinze Gebührengelder in die eigene Tasche gewirtschaftet hatten, ist jetzt ein neuer, noch viel größerer Betrug aufgeflogen. Im Kinderkanal von ARD und ZDF, dem KI.KA, soll ein Mitarbeiter in den letzten fünf Jahren Millionen Euro abgezweigt haben. Offensichtlich ein Kinderspiel.

 

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Die schöne heile KI.KA-Welt. Seinen zehnten Geburtstag hat der Kinderkanal vor drei Jahren allzu gern zelebriert. Als Vorzeige-Programm. Gut und glaubwürdig. Aber schon damals ging es hinter den Kulissen offensichtlich nicht mit rechten Dingen zu. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt wegen Betrugs.

Steffen Grimberg, Medienredakteur der taz, meint: "Ausgerechnet beim Kinderkanal. Dem Kanal für die lieben Kleinen. Wo der öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch so richtig das war, was er überall sein soll, nämlich: bildend, unterhaltend, gute Sache, ganz prima alles. Naja, und jetzt ein dicker Klopper, wir reden von vier Millionen, die da veruntreut sein sollen."

 

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Das Interview mit Steffen Grimberg, taz-Medienredaktuer.

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Steffen Kottkamp, Programmgeschäftsführer des KI.KA, erklärt: "Natürlich ist das so, dass das einen solchen Umfang angenommen hat oder dass diese vier Millionen, wenn sie denn wirklich wahr sind, eine Katastrophe für den Ki.Ka darstellen."

Die Katastrophe nahm in der vergangenen Woche ihren Lauf. Die Staatsanwaltschaft ließ Wohnräume und Büros in Erfurt, Leipzig und Berlin durchsuchen. Im Visier der Ermittler ein leitender KI.KA-Mitarbeiter.

Hannes Grünseisen von der Staatsanwaltschaft Erfurt: "Dem Beschuldigten wird vorgeworfen seit 1.12.2005 72 Rechnungen einer in Berlin ansässigen GmbH über einen Betrag von mehr als vier Millionen Euro bestätigt und zur Bezahlung angewiesen zu haben."

Betrug blieb jahrelang unbemerkt

Er war die Nummer zwei beim Kinderkanal. Als Herstellungsleiter beaufsichtigte er die gesamte Fernseh-Produktion. Er konnte ungewöhnlich hohe Summen bewegen.

Vergangene Woche wurde er festgenommen. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Mindestens fünf Jahre lang soll er den Sender um Millionen betrogen haben.

Erklärungsversuche des Chefs Steffen Kottkamp: "Nach bisherigen Kenntnisstand gibt es eben kein System, sondern gibt es einen Einzelnen, der hier einen Weg für sich und innerhalb mit genau der Konstellation, die da vorherrschte, ausgenutzt hat."

Steffen Grimberg meint: "Verhindern kann man das mit letzter Sicherheit natürlich nie. Die Frage ist nur: Warum konnte es über eine so lange Zeit mit so unverhältnismäßig hohen Summen, gerade im Vergleich zum gesamten Senderetat, geschehen?"

Einzelfall oder doch System? Im großen Stil soll der Verdächtige fingierte Rechnungen durchgewinkt haben. Für Leistungen, die entweder nicht oder nur bruchstückhaft existierten. Eine Berliner Filmfirma, die für den KI.KA produzierte, hat diese Rechnungen angeblich ausgestellt. Der Geschäftsführer dieser Firma und der KI.KA-Mitarbeiter sollen sich ihre Beute geteilt haben.

Gerd Schuchardt, Vorsitzender des MDR-Verwaltungsrats: "Es muss ja hier eine Lücke gegeben haben, wenn über so viele Jahre, über fünf Jahre, eine solche Größenordnung vier Millionen abgezweigt werden konnten. Da gibt es eine Lücke im System und diese Lücke muss geschlossen werden."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.12.2010 | 23:05 Uhr

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