Stand: 06.05.2020 15:53 Uhr

Sender und Produktionsfirmen unter Druck

von Daniel Bouhs, Tim Kukral

"Nein", sagt Hans Demmel, sein Privatsenderverband Vaunet könne nicht "so genau" in die einzelnen Unternehmen seiner Branche hineinsehen. "Aber nach all dem, was wir so sehen, reicht die Luft in der Tat noch für zwei, drei Monate. Wenn es dann nicht Hilfen gibt, wird es extrem schwierig - und garantiert für das eine oder andere Unternehmen existenzbedrohend."

Sender und Produktionsfirmen unter Druck

NDR 1 Niedersachsen - ZAPP -

Sowohl private als auch öffentlich-rechtliche Sender bangen um Einnahmen: Die Werbung ist bereits eingebrochen - die Rundfunkbeiträge dürften nachziehen.

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Werbemarkt ist zusammengebrochen

Mit Corona und den Ausgangsbeschränkungen ist der Werbemarkt eingebrochen. Viele private Sender finanzieren sich allein aus dem Verkauf von Werbeplätzen. Vaunet-Präsident Demmel erklärt: Neben Spartenkanälen seien vor allem Radiosender betroffen. Ein Großteil verbuche nun "Werbeeinnahmen, die 90 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums liegen".

Der Privatsender-Lobbyist wirbt seit Beginn der Krise bei der Politik um spezielle Hilfen. Auch private Sender versorgten Menschen mit Informationen und seien damit "systemrelevant". Kredite allein reichten nicht. Optimal wären unter anderem: Hilfen bei den Verbreitungskosten und geringere Steuern auf Werbung. Letzteres werde gerade in Spanien und Italien intensiv diskutiert.

Auch ARD und ZDF sind betroffen

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Für Ulrike Deike ist "der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht fein raus."

Auch ARD und ZDF nehmen mit Werbung im Ersten, im Zweiten und in den ARD-Radioprogrammen Geld ein. Dazu kommt die Vermarktung eigener Produktionen und Dienstleistungen für die Medienszene über Tochtergesellschaften. Der weit überwiegende Teil sind aber die Rundfunkbeiträge. "Aber sowohl unsere Rundfunkbeiträge als auch die Werbebeiträge stehen natürlich auch in dieser Corona-Krise unter Druck", mahnt NDR-Verwaltungsdirektorin Ulrike Deike. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht fein raus. Der NDR ist nicht fein raus."

Die Einnahmequelle "Rundfunkbeitrag" ist gleich drei Mal bedroht: Corona befeuert die Debatte um die avisierte Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Einige Politikerinnen und Politiker meinen, sie sei jetzt das falsche Signal. Wegen Corona verlieren zudem immer mehr Menschen ihre Jobs. Wer zum Hartz-IV-Fall wird, kann sich befreien lassen. Und dann geht es um die Beiträge von Unternehmen: Insolvenzen drohen. Viele Geschäfte dürfen wochen-, einige womöglich monatelang nicht öffnen.

Sogenannte Saisonbetriebe wie Eisdielen dürfen sich bereits vorübergehend abmelden. "Wir werden diese Regelung jetzt auch rückwirkend zulassen", kündigt Deike an. Wenn ein Unternehmen länger als drei Monate eine behördliche Anweisung hatte, nicht tätig sein zu können, dann werde es die Möglichkeit geben, dass diese Rundfunkbeiträge auf Antrag erstattet oder gestundet werden.

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Produktionsfirmen stehen still

Die Krise trifft aber nicht nur Sender, sondern auch Produktionsfirmen. Wie bei vielen anderen auch "stehen" deshalb beim Studio Hamburg, das über die Tochterfirma NDR Media zum NDR gehört, fast alle Film- und Seriensets. Während die werktäglichen "Roten Rosen" in Lüneburg nun bereits mit Abstandsregeln wieder angelaufen sind, ist das Set des wöchentlichen "Großstadtreviers" noch leer.

Nichts los: Leere Studios und Produktionshallen.

"Wir haben teilweise in den letzten Tagen, bevor dann auch die Lockdown-Maßnahmen kamen, noch produziert", erklärt Studio-Hamburg-Chef Johannes Züll. "Dann gab es zwar gar keine Auflagen, die Produktion zu unterbrechen, aber der Druck auf die Teams war zu groß, dass wir teilweise freiwillig unterbrochen haben." Dreharbeiten außerhalb von Studios fehlten Drehgenehmigungen. Außerdem sei die Arbeit derzeit auch einigen Schauspielerinnen und Schauspielern zu riskant.

Sender brauchen Nachschub

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Johannes Züll hofft bald wieder produzieren zu können.

Private wie öffentlich-rechtliche Sender sitzen dabei wieder in einem Boot. Zum einen greifen sie den Produktionsfirmen finanziell unter die Arme und haben so noch höhere Kosten. "Da können wir uns als Produzenten bedanken", sagt Züll. Zum anderen brauchen alle Sender bald Nachschub. "Fernsehen funktioniert linear und non-linear, auch die Mediatheken und die Streaming-Angebote der privaten Sender nehmen in der Reichweite zu. Von daher ist das Interesse da, auch wieder ein neues Produkt zu haben. Nur mit Wiederholungen wird es nicht funktionieren."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 06.05.2020 | 23:20 Uhr