Stand: 17.10.2018 18:47 Uhr

Radyo Metro:pool: Türkisches Radio für Frauen

von Kathrin Drehkopf

Montagmorgen, acht Uhr im kleinen Studio des Senders FSK in Hamburg. Elif Ergün schaltet ihr Mikro ein: "Günaydin, günaydin", was "Guten Morgen" auf Türkisch heißt. Beginn der Sendung "Radyo Metro:pool", ein Programm von deutsch-türkischen Frauen für Frauen. Seit zehn Jahren informiert das vierköpfige weibliche Team von Elif Ergün darüber, was politisch und kulturell in Hamburg los ist, sie wollen Hilfestellung geben im Alltag von türkischen Frauen.

Radyo Metro:pool: in Hamburg. © NDR

Radyo Metro:pool: Türkisches Radio für Frauen

ZAPP -

Seit zehn Jahren gibt es in Hamburg eine Radiosendung für türkische Frauen: Radyo Metro:pool. ZAPP begleitete Moderatorin Elif Ergün und ihre Mitstreiterinnen.

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"Wir sind eine Brücke für andere Frauen, die hier leben. Gerade für die Frauen, die keinen Beruf haben. Oder durch Heirat hierher gekommen sind, jetzt geschieden sind und nicht mehr weiter wissen", erklärt Elif Ergün das Konzept. Alles auf Türkisch, denn gerade ihre Zielgruppe spräche nur wenig Deutsch.

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Emine Sonogüs präsentiert Nachrichten aus der Türkei.

Im Studio ist es warm, die Macherinnen hängen konzentriert an ihren Skripten. Jede von ihnen arbeitet ehrenamtlich, jede hat ihre Aufgabe. Emine Sonogüs präsentiert zum Beispiel jede Woche die Nachrichten. Sie ist die einzige vom Fach, arbeitete einst als Reporterin im Hamburger Büro der türkischen Zeitung "Hürriyet". Das musste vor fünf Jahren wegen Sparmaßnahmen schließen. Seitdem fasst sie wöchentlich die lokalen und internationalen News zusammen: "Das ist meine Aufgabe, meinen Landsleuten weiterzuhelfen. Dass sie besser wissen, was in Hamburg, in der Welt und in der Türkei los ist", sagt sie.

Moderatorin Elif Ergün findet es problematisch, dass die hier lebenden Türken oft nur einseitig Medien aus der Türkei nutzten, wie sie erzählt: "Über Satellit wird das angeguckt. Das sind dann türkische Kanäle, die mit Deutschland nichts zu tun haben." Sie möchte daher mit ihrem Programm neue Perspektiven eröffnen und gerade Frauen zeigen, wie sie hierzulande selbstbestimmter leben und sich integrieren können.

Weiterbilden und Vorbild sein

Dazu laden die Radiomacherinnen auch regelmäßig Studiogäste ein. Heute erzählt die Buchautorin und Sozialpädagogin Gülsen Gülbeyaz über ihre Arbeit, informiert darüber, an wen sich Frauen bei Problemen in der Familie wenden können. Via Telefon können Hörerinnen Fragen stellen, sie rufen aus Hamburg, manchmal sogar aus der Türkei an, wo sie per Livestream mithören. Per Telefon wird heute auch die Hamburger SPD-Bürgerschafts-Abgeordnete Güngör Yilmaz zugeschaltet.

Es geht unter anderem um ein Sprachtandem-Programm für türkische Frauen, die besser Deutsch lernen wollen. Für die zweite Moderatorin Gülenay Eren erfüllen solche Live-Gespräche gleich zwei Ziele: Zum einen werden den Hörerinnen Fortbildungsmöglichkeiten gezeigt. "Damit sie auch gegenüber ihren Familien und Kindern gebildet sein können, dafür kämpfen wir", sagt Eren. Zum anderen sind die Gesprächspartnerinnen Beispiele dafür, wie Frauen im Beruf erfolgreich sein können.

Feste Instanz in der Community

Wie viele Hörer Radyo Metro:pool hat, wird nicht gemessen. Auf Nachfrage in türkischen Institutionen in Hamburg wird aber deutlich, dass die Sendung für viele in der türkischen Community eine wichtige Rolle spielt. Elif Ergün, die eigentlich aus der Modebranche kommt und die Sendung vor zehn Jahren gegründet hat, motiviert das. Letztendlich ginge es ihr nicht einzig darum, türkische Frauen besser zu integrieren, sondern dass "wir gemeinsam schön leben können".

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 17.10.2018 | 23:20 Uhr