Stand: 04.12.2019 12:00 Uhr

"Prince Charming" - Schwule Klischees bei TVNOW?

von Stefanie Döscher
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"Prince Charming" ist in der "WunderBar" in Hamburg ein "Public Viewing"-Event. Viele Schwule schauen sich hier gemeinsam die neuen Folgen an.

Zwei Männer küssen sich an einem Traumstrand auf Kreta. So normal und gleichzeitig so ungewohnt ist diese Szene aus der neuen Dating-Show der RTL Mediengruppe "Prince Charming". In dem Format buhlen erstmals 20 homosexuelle Männer um einen Junggesellen: Um Nicolas Puschmann, geboren in Hamburg, wohnhaft in Köln. Für den Sender ist die Show ein Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung: "Denn was Männer und Frauen können, können Männer und Männer auch“, heißt es im Trailer.

 

"Schwule Charaktere im TV unterrepräsentiert"

ZAPP -

Nach dem "Bachelor" und der "Bachelorette" gibt's nun auch eine Kuppelshow für Schwule: "Prince Charming". Die kommt in der Zielgruppe an - wird aber auch kritisiert.

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Anders als der heterosexuelle Bachelor läuft Prince Charming allerdings nicht im Free-TV, sondern auf TVNOW. Das ist der Streamingdienst der RTL-Gruppe. Wer wissen will, wie homosexuelles Dating aussieht, muss monatlich 4,99 Euro bezahlen. Auf Anfrage von ZAPP betont TVNOW, dass die Sendung von Anfang an lediglich für die Online-Ausstrahlung geplant gewesen sei.

"Ich wollte, dass wir ein Zeichen setzen. Wir sind schwul, und wir sind stolz darauf"

Journalist Alex Baur ("Bento") ist selbst schwul und hatte große Hoffnungen für das neue Format. "Schwule Charaktere und queere Charaktere sind generell im Fernsehen unterrepräsentiert. Ich habe mir gewünscht, dass die Macher weg von dieser Nacktheit und von Obszönitäten gehen und die Charaktere ein bisschen mehr Tiefgang bekommen", sagte er zu ZAPP. Doch wer "Prince Charming" schaut, der findet wenig Tiefgang. "Wenn die Männer über ihr Outing und ihre Probleme reden, dann wischt der Sender das wieder mit einer total banalen Aktion weg", sagt Baur weiter.

In der vierten Folge sprechen die Männer über ihre Outings und ziehen sich danach bis auf einen Männer-Tanga aus, um sich gegenseitig in den Regenbogen-Farben anzumalen. "Ich wollte, dass wir ein Zeichen setzen. Wir sind schwul, und wir sind stolz darauf", erklärt der Prince-Darsteller Nicolas Puschmann die Aktion - an der es auch Kritik gibt. "Das war ein riesiger Widerspruch in sich, weil es plötzlich politisch wurde, in dem man jetzt die Pride-Flagge nachbildete", kritisiert Journalist Baur. "Aber gleichzeitig sind alle bis auf einen Männer-Tanga nicht bekleidet. Das lenkt für mich völlig von der politischen Message ab."

Schwuler Bachelor nur Hetero-Amüsement?

In der schwulen Community in Hamburg kommt die Sendung trotzdem an. Beim Public Viewing in der Kiezkneipe "WunderBar", die sich selbst "Hamburgs schwules Wohnzimmer" nennt, ist regelmäßig der Laden voll, wenn der schwule Märchenprinz auf Brautschau geht. Jeden Mittwoch zeigen die Betreiber die neueste Folge. "Ich denke mal, dass wir [Schwule] diesen Klatsch und Tratsch sehr mögen. Das ist wieder ein Klischee. Aber in manchen Klischees steckt auch Wahrheit. Schwule Männer, die reden sehr viel, die reden auch sehr gerne über andere Menschen", versucht Barkeeper Erdem den Erfolg der Serie zu erklären.

Als Kandidat Adam seine "Schwestern" in der Sendung dazu auffordert, die neuste Videobotschaft des Prinzen zu schauen, sind viele der Besucher der "WunderBar" allerdings nicht allzu begeistert. "Klischee", sagt ein junger Mann mit Brille. Ein anderer sagt schlicht "Oh nein!". Manche Besucher bezeichnen die Serie als "Hetero-Amüsement", andere finden sie trotz aller Stereotype einfach "unterhaltsam". TVNOW betont, die Sendung habe "nur positives Feedback aus der Community bekommen" und "spiegele ein reales Abbild der schwulen Gesellschaft wieder." Außerhalb der Community zeigt sich aber, dass innerhalb der Gesellschaft Homophobie immer noch weit verbreitet ist.

Gleichberechtigung nicht im Hauptprogramm angekommen

"Prince Charming" kämpft für die Rechte von Homosexuellen genauso wenig wie der "Bachelor" für den Feminismus. Aber das kann man von Trash TV wohl auch nicht erwarten. Vielleicht traut sich ja RTL eines Tages, den schwulen Bachelor im FreeTV auszustrahlen. Das wäre ein Stück Gleichberechtigung im Dating-Dschungel.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 04.12.2019 | 23:20 Uhr