Stand: 06.11.2019 18:30 Uhr

Fragen und Antworten an die Axel Springer SE

von Daniel Bouhs & Jon Mendrala

ZAPP und das HAMBURG JOURNAL hätten gerne nicht nur über die Entwicklung bei Axel Springer, sondern auch mit einem Verantwortlichen des Konzerns gesprochen. Ein Interview lehnte der Konzern aber ab, bevor der KKR-Einstieg perfekt ist, was wiederum gegen Jahresende der Fall sein soll. ZAPP dokumentiert die schriftlichen Fragen und Antworten.

Warum ist es für Axel Springer wichtig, einen Partner wie KKR an Bord zu holen? Was kann KKR, was mit Börseninvestitionen oder alleine nicht möglich wäre?

Axel Springer hat sich ein klares strategisches Ziel gesetzt: weltweit führender Anbieter von digitalem Journalismus und digitalen Rubrikenangeboten zu werden. KKR unterstützt die damit verbundene langfristig angelegte Wachstums- und Investitionsstrategie. Denn KKR ist ein Partner, der nicht auf kurzfristige Ergebnissteigerung aus ist, wie dies bisher der Kapitalmarkt von uns erwartet hat.

Inwiefern wird Journalismus auch in den nächsten Jahren Teil von Axel Springer bleiben? Und: Welchen Stellenwert wird er künftig im Gesamtgeschäft haben?

Axel Springer ist und bleibt ein journalistisches Haus. Als unabhängige publizistische Stimme wollen wir auch international ein führender Anbieter von digitalem Journalismus werden. Mit KKR haben wir uns einen Partner ausgesucht, der diese Strategie unterstützt und hierin großes Potenzial sieht. KKR hat in Axel Springer nicht trotz, sondern wegen des Journalismus investiert.

Für wie viele Jahre ist mit der KKR-Zusicherung die Existenz der "Welt" gesichert? Und: An welche Bedingungen ist diese Zusicherung geknüpft?

Solange KKR investiert bleibt, mindestens fünf Jahre, das können aber auch bis zu zehn Jahre sein. Die Vereinbarung mit KKR sieht einen großzügigen  Ergebniskorridor vor, der faktisch einer Bestandsgarantie gleicht.

Warum war es überhaupt nötig, KKR das Versprechen abzuringen, die etablierten Medien von Axel Springer in Deutschland zu halten?

Da die WELT bekanntermaßen nicht zu den Top-Rendite-Aktivitäten von Axel Springer zählt, wollten wir Klarheit von Anfang an. Da gab es aber nichts abzuringen. KKR hat sofort zugestimmt.

Wie groß ist nun der Renditedruck im Bereich "News Media National" - welche Zielmarke muss dieser Geschäftsbereich künftig erreichen?

Die für die deutschen Medienangebote beschlossenen Sparmaßnahmen haben mit dem Einstieg von KKR nichts zu tun. Wir reagieren auf die bekannten Entwicklungen bei den gedruckten Medien und geben gleichzeitig Gas bei den digitalen Angeboten.

Im Bereich "News Media National" sollen Einsparungen von ca. 50 Mio. Euro erzielt werden. Wie passen nach den Wertevorstellungen von Axel Springer dazu die nun bekannt gewordenen Vorstands-Boni?

Zur Klarstellung: Die von Ihnen angesprochenen Rückstellungen in der Bilanz sind nicht gleichzusetzen mit tatsächlich erfolgten Auszahlungen. Von dem Betrag, über den zuletzt berichtet wurde, ist bislang kein Cent an die Vorstände geflossen. Und sollte es bei Vorliegen aller Voraussetzungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren zur (teilweisen) Auszahlung von Boni aus diesem Long-Term-Incentive-Plan (LTIP) kommen, dann würde kein Geld fließen, sondern die Boni würden in Axel-Springer-Aktien gewährt, die wiederum anschließend einer Haltefrist unterliegen. Generell verfolgen wir das Ziel, die Vergütung aller Mitarbeiter am Erfolg zu orientieren. Daher arbeiten wir auch daran, ein wirklich attraktives, erfolgsabhängiges Mitarbeiterbeteiligungsprogramm für alle Mitarbeiter auf allen Hierarchiestufen weltweit aufzusetzen.

Der DJV erwartet von Axel Springer, zumindest teilweise Gewinne aus dem Geschäft mit Anzeigenportalen in den Journalismus und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle zu stecken. Wie planen Sie dabei künftig?

Das geschieht ja schon längst. Grundsätzlich verfolgen wir zwar das Ziel, dass jeder Geschäftsbereich für sich genommen profitabel sein soll. Daher arbeiten wir konsequent an Monetarisierungsstrategien, gerade im Bereich des digitalen Journalismus. Aber klar ist auch, dass ohne die im Classifieds-Bereich erzielten Renditen große Investitionen wie etwa bei der Übernahme von Business Insider, dem Start des Joint Ventures mit POLITICO und der Stärkung unserer journalistischen Bezahlmodelle nicht in dem von uns vorgenommenen Umfang möglich gewesen wären.

Inwiefern plant Axel Springer auch für die Zukunft mit gedruckten Ausgaben der täglichen "Welt", von "Autobild" und "Computerbild"?

Die gedruckten Ausgaben stehen nicht zur Disposition, also auch nicht die Werktagsausgabe der WELT oder die WELT am SONNTAG. Bei den Marken AUTO BILD und COMPUTER BILD wollen wir uns auf unsere Haupttitel, erfolgreiche Spezialmagazine und die Erschließung neuer Geschäftsmodelle konzentrieren.

Wie viele Journalistinnen und Journalisten arbeiten derzeit für Axel Springer - a) für "News Media National", b) in den internationalen Redaktionen bei "Business Insider", "Politico" & Co.?

Zuletzt arbeiteten rund 2.700 Redakteure bei Axel Springer, übrigens fast die Hälfte davon für nicht deutsche Angebote.

Werden nach dem Umbau im Bereich "News Media National" dort mehr oder weniger Journalistinnen und Journalisten arbeiten - wie viele?

Das ist derzeit noch nicht absehbar. In einigen Bereichen müssen wir sparen, in anderen werden wir investieren. Wir führen derzeit Gespräche mit mehreren Betriebsratsgremien über die Umstrukturierungsmaßnahmen. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. 

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden von den Einsparungen betroffen sein? Und: Wie viele davon konkret am Standort Hamburg?

Das lässt sich noch nicht genau sagen. Die Gespräche mit den Betriebsratsgremien dazu dauern an. 

Welchen Stellenwert wird Hamburg, der einstige Hauptstandort Ihres Konzerns, künftig noch für Axel Springer haben?

Wir sind stolz auf unseren Heimat- und Gründungsort Hamburg und freuen uns darauf, im kommenden Jahr in das renovierte Hochhaus, dem Stammsitz am Standort Hamburg, zu ziehen. An der Bedeutung wird sich nichts ändern.

Wie wahrscheinlich ist eine Aufteilung des Konzerns in ein Unternehmen für das klassische journalistische Geschäft und eines für digitale Wachstumsfelder?

Eine Aufteilung ist nicht geplant: Journalismus ist ein digitales Wachstumsfeld!

 

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ZAPP | 06.11.2019 | 23:15 Uhr