Sendedatum: 12.02.2020 23:20 Uhr

Beziehungsstatus: Kompliziert. AKK und die Medien

von Gudrun Kirfel, Inga Mathwig

Sie schreiben vom "großen Beben" - und kein Journalist will es geahnt haben: Am 10.02. hat Annegret Kramp-Karrenbauer verkündet, vom CDU-Parteivorsitz zurückzutreten und auf eine Kanzlerkandidatur verzichten zu wollen. Dabei zweifeln viele Journalisten schon lange öffentlichkeitswirksam an der Kanzlertauglichkeit Kramp-Karrenbauers, wie ZAPP im Oktober berichtete

Beziehungsstatus: Kompliziert. AKK und die Medien

ZAPP -

Für viele Journalisten überraschend hat Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt angekündigt. Wer trägt Schuld - der ungnädige Hauptstadtjournalismus oder schlechte Beratung?

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Hektisch und nervös: Politik und Politikberichterstattung

"Der Hauptstadtjournalismus kann ziemlich ungnädig sein. Ich glaube Frau Kramp-Karrenbauer hat das auch zu spüren bekommen. Das haben allerdings auch schon viele Männer und Frauen vor ihr", meint Markus Feldenkirchen im Interview mit ZAPP. Er ist Journalist und politischer Autor für den "Spiegel". 150 Tage begleitete er Martin Schulz im Wahlkampf für eine Reportage. In der Berichterstattung über Martin Schulz und Annegret Kramp-Karrenbauer sieht er viele Parallelen: "Beide wurden auch von den Medien zum Beginn, zum Zeitpunkt ihrer Wahl, sehr positiv begleitet." Kramp-Karrenbauer sei von vielen gar als Hoffnungsträgerin beschrieben worden. "Und binnen eines Jahres ist alles, was gerade beginnen sollte, schon wieder vorbei. Das ist schon herbe", so Feldenkirchen. Es zeige, wie hektisch und nervös unsere Politik, aber auch die Politikberichterstattung geworden sei.

Feldenkirchen: "Hauptstadtjournalismus kann ziemlich ungnädig sein"

ZAPP -

Annegret Kramp-Karrenbauer sei nicht die erste, die ungnädig von den Medien behandelt würde, so "Spiegel"-Autor Markus Feldenkirchen. Er sieht in der Berichterstattung über Martin Schulz und Annegret Kramp-Karrenbauer viele Parallelen.

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Kramp-Karrenbauer, die 2018 von der Ministerpräsidentin Saarlands zur Generalsekräterin und Parteivorsitzenden der CDU gekrönt wurde, sei ihrerseits aber selbst nicht vorbereitet gewesen auf die Hauptstadtmedien. "So viele scharfe Kommentare, pointierte Bemerkungen zu ihrem teilweise ungeschickten Auftreten kannte sie aus der Zeit vorher nicht", sagt Feldenkirchen.

Ohne den "engen Draht" geht es schwer

Für die vielen Kommunikationspannen sei aber nicht nur sie selbst verantwortlich, meint Stefan Braun von der "Süddeutschen Zeitung". Seit 20 Jahren beobachtet er bereits die Union. Er habe schon erlebt, "dass du aus der gleichen Mannschaft unterschiedliche Beschreibungen über die Lage und die gegenseitigen Umgangsformen bekommen hast." Kramp-Karrenbauer sei nicht gut beraten gewesen, meint Braun. Einige Berater hätten nicht integrierend gewirkt im Konrad-Adenauer-Haus. Darunter habe auch die Kommunikation nach außen gelitten.

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Schlägt jetzt die Stunde des einsigen Konkurrenten Friedrich Merz?

Einen engen Draht zu großen Medienhäusern hatte AKK wohl nicht. Nichts desto trotz schrieben zwei Redakteurinnen der "Rheinischen Post" eine Kramp-Karrenbauer-Biographie. Ihr einstiger Konkurrent, Friedrich Merz, hat sehr viel bessere Beziehungen zu großen Medienhäusern. Als Angela Merkel vor 14 Monaten ihren Verzicht auf den Vorsitz bekannt gab, meldete er sich eine halbe Stunde später via "Bild". Und tauchte tagelang auf dem Titel oder zumindest in der Zeitung selbst auf. Einen engen Draht pflegt die "Bild" auch zum Vorsitz-Kandidaten Jens Spahn, er und Chefredakteur Julian Reichelt gelten als gute Bekannte. Nun halten sich alle Kandidaten um den Vorsitz vornehm zurück.

Drohende Hängepartie

Sollte Annegret-Kramp Karrenbauer tatsächlich noch bis zum nächsten Parteitag im Dezember auf ihrem Stuhl sitzen bleiben, würde das auch eine Hängepartie für Journalisten. "Es ist ganz klar, dass die Berichterstattung über die CDU nur von der Frage geprägt sein wird: Wer ist es denn nun?", so Feldenkirchen. "Jeder Auftritt von Herrn Merz, von Herrn Laschet, von Herrn Spahn, vielleicht sogar von Herrn Söder würde medial daraufhin abgeklopft: ist da eine Botschaft zu erkennen?" Eine kluge Medienstrategie sei das jedenfalls nicht.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 12.02.2020 | 23:20 Uhr