Stand: 27.06.2017 14:46 Uhr

Trump-Sprecher Sean Spicer vor Ablösung?

von Aimen Abulaziz-Said

Jeff Mason hat es versucht. "Wir wollten eine konstruktive Beziehung zu Sean aufzubauen", sagte der Vorsitzende der White House Correspondents Association im Interview mit ZAPP. Noch bevor der neue US-Präsident Donald Trump im Januar vereidigt wurde, bat Mason um einen Termin beim designierten Regierungssprecher Sean Spicer. Wochenlang hielt dieser ihn hin, doch schließlich gewährte Spicer ihm eine Audienz im Trump Tower. Nach dem Treffen reiste Mason durchaus zuversichtlich nach Washington zurück. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Sprechern des Weißen Hauses schien ihm möglich. Er sollte sich irren.

Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses

Angezählt: Sean Spicer als Pressesprecher auf Abruf?

ZAPP -

Das Verhältnis zwischen der Presse und dem Weißen Haus in Washington hat sich seit Donald Trumps Amtsantritt rapide verschlechtert. Das liegt auch an Pressesprecher Sean Spicer.

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Als Sean Spicer am 21. Januar zum ersten Mal vor die Presse trat, lieferte er einen Vorgeschmack dessen, was die Korrespondenten im Weißen Haus erwarten würde. In einer aggressiven Art und Weise versuchte er die Journalisten davon zu überzeugen, dass die Vereidigung Trumps die meistbesuchte aller Zeiten war - obwohl Fotos das Gegenteil zeigten. "Ich saß da vorne und war überrascht, dass er das gemacht hat und abgehauen ist, ohne Fragen anzunehmen", sagte Mason.

Unglückliche Auftritte Spicers

In den folgenden Monaten legte Spicer einen unglücklichen Auftritt nach dem nächsten hin. So verglich er Syriens Diktator Assad mit Adolf Hitler und stellte fest, dass nicht einmal Letzterer chemische Waffen gegen sein eigenes Volk verwendet habe. Konzentrationslager bezeichnete Spicer als "Holocaust-Center".

Nachdem Trump einen unverständlichen Tweet in die Welt geschickt hatte, der mit dem - nicht existierenden - Begriff "covfefe" endete, behauptete Spicer, Trump und ein kleiner Kreis eingeweihter Leute wüssten durchaus, was "covfefe" bedeute. "Oh, my gosh", entfuhr es einer Korrespondentin nach dieser Antwort.

Empörung bei Journalisten ist groß

Den vorläufigen Tiefpunkt erreichten die Beziehungen zwischen der White-House-Presse und den Regierungssprechern um Sean Spicer aber erst vor wenigen Wochen. Zunächst wurde die Zahl der Pressebriefings, die sonst täglich stattfanden, deutlich heruntergefahren. Seit Neustem dürfen Journalisten auch keine Video- oder Audioaufnahmen mehr von den Pressebriefings veröffentlichen. Die Empörung bei den Radio- und Fernsehjournalisten ist groß, CNN-Urgestein Jim Acosta rief gar zu einem Boykott der Briefings auf.

"Spicer ist ein willenloses Werkzeug"

Uwe-Karsten Heye, ehemaliger Regierungssprecher des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder, findet drastische Worte für die Pressearbeit der Trump-Regierung: "Washington hat ein Weißes Haus, das zu einem Propagandaministerium geworden ist", sagte er im Interview mit ZAPP. Mit Sean Spicer habe Trump ein "willenloses Werkzeug". "Die Witzfigur ist der Sprecher, aber Trump ist gefährlich, den darf man nicht zur Witzfigur machen."

Seit Wochen wird nun schon über eine Ablösung Spicers spekuliert. Ob sich etwas an der Pressearbeit des Weißen Hauses ändern würde, wenn er weg wäre, darf aber stark bezweifelt werden. Spicer ist lediglich das Gesicht der Öffentlichkeitsarbeit, der Kopf dahinter ist Donald Trump.

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