Stand: 15.01.2019 09:56 Uhr

Afrikas digitale Revolution: Fortschritt via Handy

von Ulrike Bremer

Das Handy als Bankkonto? Über die App "Mobile Money" nutzen viele Millionen Afrikaner ihr Handy genau so. Per SMS laden sie Geld aufs Telefon, überweisen es, heben Geld ab, begleichen Rechnungen. Ein völlig neues handybasiertes Banksystem, das Milliarden umsetzt - erfunden in Afrika. Aus der Not der Unterentwicklung haben sie einen technologischen Fortschritt gemacht, über den der Westen gerade staunt: Der Mobilfunk hat den weiten Kontinent vernetzt, wo Straßen, Schienen oder Flughäfen fehlen.

Das handybasierte Banksystem "Mobile Money" © NDR

Afrikas digitale Revolution: Fortschritt via Handy

ZAPP -

Apps, um bei Ebola schneller handeln zu können, 3-D-Drucker, wo es keine Fabriken gibt, ein handybasiertes Banksystem: In Ghana beginnt eine digitale Revolution.

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Digitale Vernetzung und offline-Lösungen

"Impact Hub" ist ein Gründerzentrum. Den Leuten hier geht es zunächst einmal um Ideen, Ideen, wie sie mit digitaler Technologie die fehlende Entwicklung ihrer Länder ausgleichen können. Apps, über die Ärzte den Patienten helfen, 3-D-Drucker, wo es keine Fabriken gibt, Handelspreise für Bauern per SMS - und Bildung auch in den abgelegensten Gegenden.

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Unterstützt in seinem "Impact Hub" junge Talente bei ihren Start-ups: William Senyo.

Da oft das Internet fehlt, müssen Erfinder auch offline-Lösungen austüfteln. Die App "Chalkboard" zum Beispiel versorgt Studenten, die keinen Studienplatz ergattern konnten, mit Lehrstoff und Prüfungsmaterial.

William Senyo unterstützt in seinem "Impact Hub" in Accra, der Hauptstadt Ghanas, junge Talente bei ihren Start-ups. Bei ihm haben sie Zugang zu Hochgeschwindigkeitsinternet. Google hat  die Glasfaserkabel gesponsert, die Voraussetzung zum Programmieren. "Diese technologische Revolution verschafft uns einen Vorteil, um auf der globalen Bühne konkurrieren zu können. Der Zugang zu allem, was damit verbunden ist, bedeutet, dass wir Produkte made in Afrika entwickeln, die für unsere Bedürfnisse passen, ohne das externe Konzerne mitmischen", erzählt Senyo.

Start-up Gründer schützen

In der Nähe des "Impact Hub" hat Raindolf Owusu, der "Mark Zuckerberg of Africa" sein Büro. Seine App "Bisa" vernetzt Patienten mit Medizinern und nutzt die Daten in Zusammenarbeit mit dem Staat, um beispielsweise bei Ebola schneller handeln zu können. William Senyo hat dafür gesorgt, dass seine gesammelten Daten Ghana nicht verlassen.

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Über die App "Bisa" von Raindolf Owusu können Ärzte Patienten helfen.

Denn Facebook und Google sind längst vor Ort auf dem Kontinent, auf dem es so gut wie keinen Datenschutz gibt. Softwareentwickler Owusu, der als einer der einflussreichsten Afrikaner gilt, sieht die Gefahren: "Es ist ganz wichtig, dass die digitale Community oder die Regierung und die Handelskammern regulieren, wie weit globale Konzerne sich in die lokale Technologieszene- und Industrie einbringen dürfen. Damit wir unsere jungen Start-up Gründer schützen können. Wenn wir das nicht tun, werden sie auch eine App wie "Bisa" kreieren. Sie werden das gleiche machen, was unsere Talente im Bildungssektor erfunden haben und dann werden wir ganz schnell wieder da sein, wo wir angefangen haben, wo junge Leute keine Jobs fanden. Und dann werden die Jobs und die Plattformen besetzt von den ausländischen Konzernen."

 

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ZAPP | 16.01.2019 | 23:20 Uhr