Stand: 02.08.2016 14:06 Uhr

ARD-Journalist Seppelt: Im Fokus russischer Medien

Für Fernsehzuschauer ist Hajo Seppelt der "Anti-Doping-Mann". Der Journalist, dessen Recherchen dazu beitrugen, dass russische Athleten von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen wurden.

Hajo Seppelt

ARD-Journalist Seppelt: Im Fokus russischer Medien

ZAPP -

Auch in Rio recherchiert der ARD-Journalist Hajo Seppelt zum Thema Doping. Mittlerweile ist auch er Gegenstand der Berichterstattung geworden - vor allem in Russland.

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Auch in Rio de Janeiro ist Seppelt wieder unterwegs, bei den Spielen. Er recherchiert auch dort zum Thema Doping. "Ich werde natürlich nicht sagen, welche Recherchen mich hierhin geführt haben. Es geht nicht nur um Russland. Die Berichterstattung der ARD-Doping-Redaktion konzentriert sich nicht auf ein Land. Es gibt keine - wie es viele Russen in ihren Verschwörungstheorien behaupten - politische Agenda hinter unserer Arbeit."

Russische Medien diskreditieren Seppelt

Dennoch versuchen russische Medien ihn seit Wochen zu diskreditieren, zweifeln seine Arbeitsmethoden an, unterstellen ihm, für den Geheimdienst zu arbeiten.

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Hajo Seppelt (rechts) versucht in Rio einen russischen Sportfunktionär zu interviewen, neben ihm ein russischer Journalist der Seppelt unterbricht.

Nach einer Sitzung des Olympischen Komitees in Rio will er Wladimir Smirnow interviewen, IOC-Ehrenmitglied und frisch ernannter Chef der Anti-Doping-Kommission Russlands. Seppelt will von ihm wissen, ob er in russischen Medien gesagt habe, dass es kein Staats-Doping gegeben habe. Smirnow antwortet: "Da bin ich zu 100 Prozent sicher". Bei dem Interview wird Seppelt von einem russischen Journalisten gestört, währenddessen geht Smirnow weiter und entzieht sich so weiteren Fragen.

Tendenziöse Fragen

Es ist nicht das erste Mal, das Seppelt mit russischen Journalisten und Funktionären aneinandergerät. Vor einigen Wochen, nach Sendung seiner letzten Dokumentation "Geheimsache Doping - Showdown für Russland", wird er von einer russischen Journalistin interviewt. Dabei kommt es zum Eklat. Die Reporterin stellt Seppelt Fragen, die ihm im Verlauf des Interviews zunehmend tendenziös erscheinen. Sie unterstellt ihm wohl, für den Geheimdienst zu arbeiten.

Russisches Team dringt in Privatsphäre ein

Seppelt will das Interview daraufhin abbrechen, beginnt mit Olga Skabejewa vom russischen Sender Rossija Sewodnja ein Streitgespräch darüber, welche Aufgaben Journalisten haben: kritisch zu sein und sich nicht staatlich lenken zu lassen. Irgendwann kommt es zum Handgemenge, ein russischer Kameramann dreht mit. Die Szene geht weltweit durchs Netz. Und der "Anti-Doping-Mann" macht darin keine sehr gute Figur.

"Ich habe mich selber in diesen Medientrubel hineinbegeben, insofern trage ich auch die Verantwortung. Ich war in dem Moment einfach naiv. Aber die blieben einfach dort, weigerten sich, mein Apartment zu verlassen, und filmten, wie man später auch sehen konnte, den Trakt, der ins Schlafzimmer führt, wo meine privaten Sachen waren und in der Küche. Alles ungefragt. Und ich bin dann einfach ausgerastet. Ganz ehrlich, ich finde das völlig in Ordnung auszurasten. Es war vielleicht ein bisschen naiv von mir, das nicht zu merken, dass geheim mitgefilmt worden ist. Daraus bin ich jetzt schlau geworden, künftig passe ich mehr auf."

Doping überschattet Spiele von Rio

Das Thema Doping wird, so sieht es wenige Stunden vor Eröffnung, die gesamten Spiele überschatten. Noch ist immer nicht klar, welche russischen Sportler starten dürfen. Endgültig entschieden wurde dagegen über die bulgarische und die usbekische Gewichtheber-Mannschaft: Sie dürfen wegen Dopings nicht starten. Und die Leichtathleten aus dem ostafrikanischen Kenia dürfen nur antreten, weil das Land in letzter Minute ein Anti-Doping-Gesetz verabschiedet hat.


02.08.2016 14:06 Uhr

Hinweis der Redaktion: Aufgrund der aktuellen Entwicklung in Rio de Janeiro hat sich die Redaktion von ZAPP entschlossen, statt des ursprünglich geplanten Films "Schwieriges Verhältnis: Hajo Seppelt und die ARD" den nun vorliegenden Film zu senden.

 

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 03.08.2016 | 23:15 Uhr