Unsere Geschichte

Die Sturmflut 1962

Mittwoch, 16. Februar 2022, 21:00 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 17. Februar 2022, 06:50 bis 07:35 Uhr
Samstag, 19. Februar 2022, 12:00 bis 12:45 Uhr

Kaum ein Ereignis wühlt viele Norddeutsche bis heute so auf wie die Sturmflut von 1962 im Norden. Ausgelöst durch einen Orkan rollt mitten in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar eine gewaltige Flutwelle von der Nordsee die Elbe hinauf, zerstört Deiche, reißt Häuser und Wohnungen weg. 340 Menschen sterben, allein 315 in Hamburg.

Wilhelmsburg trifft es besonders hart

Überflutete Straßen auf der Hamburger Aue-Insel nach der Sturmflut 1962. © NDR/dpa/picture-alliance
Ein Sechstel des Hamburger Stadtgebietes wird bei der Sturmflut 1962 überschwemmt.

Besonders schlimm trifft es die tief liegenden Hamburger Stadtteile. Wilhelmsburg und Waltershof zählen dazu. Stadtteile, in denen viele Menschen, die im Zweiten Weltkrieg ausgebombt worden waren, in Kleingartenkolonien wohnen.

Wer kann, flieht in die oberen Stockwerke oder aufs Dach und wartet in der eiskalten Nacht durchnässt und frierend auf Hilfe. Andere werden im Schlaf überrascht und haben keine Chance. Tausende verlieren ihr Hab und Gut oder werden obdachlos.

Tausende Soldaten und Zivilisten auf Rettungsmission

Nach der Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar retten freiwillige Helfer und Bundeswehrsoldaten Menschen auch mit dem Einsatz von Hubschraubern aus überfluteten Stadtteilen. © NDR/dpa/picture-alliance
Freiwillige Helfer und Bundeswehrsoldaten retten die Menschen 1962 auch mit Hubschraubern aus den überfluteten Stadtteilen.

Sturmflutwarnungen hatte es zwar gegeben, doch nicht gesondert für Hamburg. Am Morgen des 17. Februar reagiert der damalige Polizeisenator Helmut Schmidt entschlossen und ruft das Militär zu Hilfe. Auch Tausende von Zivilisten sind unermüdlich im Einsatz. Sie alle versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Die Sturmflutnacht jährt sich am 16. Februar 2022 zum 60. Mal. In dieser Dokumentation der Reihe "Unsere Geschichte" schildern Zeitzeugen ihre persönlichen Erinnerungen an die Jahrhundertflut, die sie bis heute nicht vergessen können.

Geschichten von Tod, Zerstörung - und Rettung

Johannes Tönnies, damals Jungpostbote in Waltershof, wird zum Lebensretter. Huckepack trägt er seine Großmutter aus ihrer Laube durch brusttiefes Wasser ins Trockene. Auch seinen Großvater kann er retten, doch der stirbt später an den Folgen einer Unterkühlung. In den Tagen nach der Flutnacht stellt Johannes Tönnies Briefe und Telegramme zu, in denen Angehörige verzweifelt nach ihren Verwandten und Freunden suchen.

Detlef Baade ist bei der Katastrophe sechs Jahre alt. Die Sturmflutnacht hat er eher als kindlich aufregendes Abenteuer in Erinnerung. Doch am Tag darauf sieht er in einer zerstörten Laubenkolonie ein ertrunkenes Kind, das in einem Baum hängt. Diese Erinnerung lässt ihn bis heute nicht los.

Winfried Plate und Dieter Buch sind ehrenamtliche Helfer beim THW und während der Sturmflut in Wilhelmsburg eingesetzt. An die Rettungseinsätze und die furchtbaren Bilder von Zerstörung und Tod erinnern sie sich bis heute, sind aber auch dankbar dafür, dass sie helfen konnten.

Doch es gibt auch Geschichten des Glücks: Renate Röttmer aus Wilhelmsburg steht kurz vor ihrer Hochzeit, verliert nach einer Geburtstagsfeier in der Nacht vom 16. Februar 1962 den Kontakt zu ihrem Verlobten. Sie kann sich in eine Notunterkunft retten und wartet dort ängstlich auf ein Lebenszeichen von ihm. Er sucht sie stundenlang, dann steht er plötzlich unversehrt vor ihr.

Autor/in
Kati Grünig
Kamera
Jan Bahls
Schnitt
Nicole Wiesner
Ton
Christian Euler
Stefan Tuchel
Redaktion
Christoph Mestmacher
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber