Sendedatum: 21.12.2019 19:30 Uhr

Kapitän der "Admiral Graf Spee": Ein Held?

Für die einen ist er der Mann, der mehr als 1.000 jungen Männern im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet hat. Ein Mann, der die Soldaten vor einer kaum zu gewinnenden Schlacht bewahrt hat. Ein Held, der geehrt werden sollte. Andere zweifeln: Sehen, dass er sich auf einer Hakenkreuzflagge selbst getötet hat, fragen deshalb nach seiner Gesinnung. Die Geschichte des Marine-Kommandanten Hans Langsdorff wird sehr unterschiedlich bewertet.

Kommandant lässt die "Admiral Graf Spee" sprengen

Langsdorff war es, der entschied, dass das unter seinem Befehl stehende Schiff, die "Admiral Graf Spee", mit seiner Besatzung, nicht in eine erneute Seeschlacht im Südatlantik gegen die Briten laufen würde. Ganz im Gegenteil: Er ordnete an, den Panzerkreuzer am 17. Dezember 1939 in der Mündung des Rio de la Plata zu sprengen und brachte die Besatzung nach Argentinien. In Buenos Aires tötete er sich schließlich selbst.

Für seine Tochter und Nachfahren ein Held

80 Jahre später sind Deutsche und Briten gemeinsam an die Stelle gefahren, an der die "Admiral Graf Spee" auf Grund liegt. Auch eine Gedenkstunde fand an Langsdorffs Grab statt. Nachfahren der Besatzung kamen ans Grab von Hans Langsdorff, um ihm zu danken. Dafür, dass er eben nicht gekämpft hat. Seine Tochter ist auch dabei, sie ist dafür um die halbe Welt gereist. Sie wünscht sich, dass ihr Vater in Deutschland zum Vorbild erhoben wird. Und auch die Nachkommen der Soldaten der "Admiral Graf Spee" verehren ihn.

Bundeswehr sieht Nähe zum Nazi-System

Doch eine offizielle Würdigung ist schwierig, auch wenn die Bundeswehr in diesem Jahr an seinem Grab vertreten ist. Es gibt eine Debatte um Langsdorff, seine Haltung zum Nazi-Regime - auch innerhalb der Bundeswehr. Jörg Hillmann, Kommandeur im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr sagt: "Langsdorff ist jemand, der dem System gefolgt ist. Er ist jemand, der sich auf seiner Seekriegsflagge erschossen hat, die das Hakenkreuz trägt, die damit auch ein Nähe zum System ausdrückt."

Hitler soll getobt haben

So oder so: So eine Entscheidung wie die von Langsdorff war für die Führung der Kriegsmarine außerhalb des auch nur Denkbaren. Auch Adolf Hitler soll deshalb getobt haben. "Das konnte um Gottes Willen die Marine nicht zulassen, dass einer, der bis dahin eine Musterkarriere gemacht hat, die Grundprinzipien der Marine verletzt", sagt der Langsdorff-Biograf Hans-Jürgen Kaack. Er beschreibt diese Grundsätze so: "Man streicht nicht die Flagge, man kämpft bis zum Untergang, im Zweifel bis zum Tod der gesamten Besatzung".

Langsdorff war ein Mürwiker Musterschüler

Und genau das hat Langsdorff nicht gemacht. Obwohl er das alles in Flensburg an der Marineschule Mürwik gelernt hatte. Hier machte der Richtersohn Hans Langsdorff im Frühjahr 1912 seine ersten Schritte als Offizieranwärter. Im Kaiserreich war die Schule an der Flensburger Förde eine Kaderschmiede für die ganze Gesellschaft. Und Langsdorff war einer der besten Absolventen seines Jahrgangs.

Ein Westentaschenschlachtschiff

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1934 läuft die "Admiral Graf Spee" vom Stapel - ein besonderes Schiff für die Kriegsmarine.

So war es kein Wunder, dass Langsdorff 1938 das Kommando über ein für die Marine ganz besonderes Schiff erhielt: Die "Admiral Graf Spee", 1934 vom Stapel gelaufen, war leicht, aber schwer bewaffnet - und vor allem schnell. Es war das erste Kriegsschiff mit einem geschweißten Rumpf und Dieselantrieb. Pocket Battleship nennen es die Briten - Westentaschenschlachtschiff.

Im Handelskrieg schwer beschädigt

Im August 1939 empfing Kommandant Langsdorff den Befehl, eine Übung in der Ostsee abzubrechen und sofort durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Wilhelmshaven zu laufen. Drei Tage hatte die Besatzung Zeit, das Schiff auszurüsten. Der eigentliche Marschbefehl lag verschlüsselt im Tresor. Es ging in den Handelskrieg gegen die Briten im Südatlantik. Doch die Royal Navy war Langsdorff auf den Fersen und lauerte der "Graf Spee" auf. Langsdorff entschied dann eigenmächtig, diesen britischen Verband von Kriegsschiffen vor Südamerika anzugreifen, obwohl das nicht sein Auftrag war. Die Folge: 36 Gefallene und zahlreiche Schwerverletzte auf der "Graf Spee". Auch das Schiff wurde bei dem Gefecht schwer beschädigt. Langsdorff suchte mit der "Graf Spee" Zuflucht im Hafen von Montevideo. Anstatt danach noch einmal in einen aussichtslosen Kampf auszulaufen, gab Langsdorff den Befehl zur Sprengung.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.12.2019 | 19:30 Uhr