Dorfgeschichte: Kulpin

Sendedatum: 26.10.2020 19:30 Uhr

Ein kleines Dorf mitten im Kreis Herzogtum Lauenburg: Kulpin. Hier leben rund 200 Dorfbewohner auch ohne Gaststätte, Post und Lebensmittelladen.

von Carsten Prehn

Kurz hinter dem Ortsschild biegen auffällig viele Autos links ab und folgen einem Wegweiser: "Blattschmuck" steht darauf. Der Hof der Gärtnerei ist entsprechend vollgeparkt. Das freut den Gärtner: Fabian Kueßner wertet das als Anerkennung seiner Bemühungen: "Unsere Stauden und Gehölze sind aus eigener Kultur. Alles unter freien Bedingungen gewachsen, so wenig Pflanzenschutz wie möglich, dadurch sind die wesentlich robuster." So kommen die Kunden nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern sogar aus Hamburg, Schwerin oder gar von der Insel Rügen zu ihm nach Kulpin.

Gedenkstein erinnert an Gründung vor rund 800 Jahren

Im Dorf leben nur 205 Einwohner, berichtet der Bürgermeister. Heinz Dohrenhoff ist selbst hier aufgewachsen und erzählt, dass früher das Vieh auf der einen Seite des Dorfteichs getränkt wurde, während die Kinder auf der anderen Seite baden gingen. Heute gibt es hier weder Kühe noch Schweine, auch keinen Laden, keine Gaststätte und keine Post. Dennoch sei Kulpin einen Besuch wert, "am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad!" In der Ortsmitte am Feuerlöschteich erinnert ein Gedenkstein an die Gründung vor bald 800 Jahren und daran, dass der Name Kulpin vom wendisch-slawischen Wort für Schwan abgeleitet ist.

Landwirtschaftlicher Betrieb als Winterlager für Boote

Große, alte Bauernhäuser säumen die Dorfstraße und gegenüber steht das älteste Gutshaus des Kreises leer. Ein Auto mit Segelyacht auf dem Anhänger rollt auf den Hof von Dirk Sager. Vor 40 Jahren hat sein Vater hier mit Bootsbau und -reparatur angefangen. Der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb bietet reichlich Platz für etwa 150 Boote. Die wandern jetzt nach und nach ins Winterlager. Dirk Sager und seine sieben Mitarbeiter haben bis zum Frühjahr Zeit, jedes einzelne für die kommende Saison fit zu machen. Einige echte Schmuckstücke sind auch darunter: "Mancher hölzerner Jollenkreuzer ist schon 60 Jahre alt, der älteste wird in zwei Jahren 100!"

Erfolgreiche Terrier-Zucht

Zwei Welpen werden hochgehalten. © Screenshot
Sie sind nur zwei Welpen aus dem aktuellen Wurf von Züchter Jürgen Puls.

Am anderen Ende des Dorfes stand früher auf dem höchsten Punkt eine Mühle - die ist aber in den 1950er Jahren abgebrannt. Heute leben hier Waltraud und Jürgen Puls. Sie züchten seit 51 Jahren Airedale-Terrier, und das mit großem Erfolg. Wer einmal bei ihnen einen Hund gekauft hat, bleibt ihnen garantiert treu. Gerade hat Jürgen Puls einen frischen Wurf von neun Welpen im Stall. "Die sind alle längst vergeben. Einer geht nach Luxemburg, einige nach Hamburg und einer nach Iserlohn", sagt Jürgen Puls. Und deshalb ist das kleine Dorf Kulpin im Kreis Herzogtum Lauenburg Hundefreunden in ganz Deutschland ein Begriff.

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Etwas älteres Paar sitzt auf dem Sofa und schaut Fernsehen. © goodluz/fotolia Foto: goodluz

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Schleswig-Holstein Magazin | 26.10.2020 | 19:30 Uhr