Panorama - die Reporter

Die Soja-Connection

Dienstag, 28. April 2020, 21:30 bis 22:00 Uhr
Donnerstag, 30. April 2020, 02:20 bis 03:15 Uhr

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Mit rund 25 Millionen Tieren jährlich ist Deutschland der fünftgrößte Schweinehalter weltweit. Weil die hierzulande produzierten Futterpflanzen nicht ausreichen, sind deutsche Intensivmäster auf proteinhaltige Futtermittel aus dem Ausland angewiesen, auf Soja aus Amerika, vor allem aus Brasilien. Sojaschrot aus transgenen Sojabohnen ist das wichtigste Agrarimportprodukt Deutschlands und der Europäischen Union.

Brasilianisches Soja als Futtermittel

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Regenwaldzerstörung für den Sojaanbau im Amazonasgebiet Brasiliens.

Mehr als 80 Prozent davon gehen in die Fleischerzeugung - damit die niedersächsischen Schweine möglichst schnell zunehmen. Die Reporter Gesine Enwaldt und Eberhard Rühle begeben sich auf die Spur des Soja, vom niedersächsische Schweinezüchter zurück zum Herstellungsort in Brasilien. Die Handelsketten sind intransparent, niemand weiß genau, unter welchen Bedingungen die Soja hergestellt wurde. Futtermittelhändler verlassen sich auf die Angaben der Sojaproduzenten aus Brasilien.

Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso ist das Landschaftsbild besonders trostlos: Über hunderte Kilometer Soja-Monokulturen bis zum Horizont, die nur mit dem Einsatz von Millionen Tonnen Kunstdünger und Pestiziden produktiv erhalten werden. Worüber sich kaum jemand zu sprechen traut: Es häufen sich Fehlbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen.

Zerstörung des Regenwalds für den Sojaanbau

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Sojaernte im Bundesstaat Mato Grosso, dem Hauptanbaugebiet für Soja in Brasilien.

Es ist fast unmöglich, die Frage zu beantworten, wie viel Regenwald für unser Tierfutter gerodet wurde. Die schwedische NGO Trase versucht, mit einer Kombination von verschiedenen Datensätzen die Soja-Handelswege transparenter zu machen. Im Jahrbuch von Trase werden die wichtigsten Soja-Händler beleuchtet. Hier kann man sehen, wie viel Entwaldungsrisiko pro Hektar mit einer Tonne Soja aus den verschiedenen brasilianischen Bundesstaaten verbunden ist – und wohin dieses Soja geliefert wird.

Zum Beispiel werden mit den Sojalieferungen aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia, die direkt nach Deutschland gehen, 1500 Hektar Entwaldung in 2017 in Verbindung gebracht. Und die Brandrodungen haben sich bis 2020 noch einmal vervielfacht. Soja, das aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland kommt, ist bei Trase nicht eingerechnet. Die Daten enden in den europäischen Häfen – der innereuropäische Handel ist dort nicht berücksichtigt. Eine Studie der holländischen Nachhaltigkeits-Agentur Profundo versucht, die Verteilung innerhalb Europas zu beleuchten.

Verheerende Folgen auch für die Ureinwohner

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Angehörige des Kaiowá Volkes bei der Stadt Dourados in Brasilien. Sie wurden von Milizen der Sojafarmer gewaltsam von ihrem Land vertrieben.

Die pestizidbelasteten Anbauflächen fressen sich Jahr für Jahr weiter gen Norden Richtung Amazonasgebiet. 2019 war das schlimmste Brandrodungsjahr seit einer Dekade. Ureinwohner werden gewaltsam vertrieben. Sie erzählen, dass nicht nur Ihre Schutzgebiete in Gefahr sind, sondern auch ihr Leben bedroht ist. Und das alles, damit unsere niedersächsischen Schweine so schnell wie möglich zunehmen?

Futtermittelhändler in Niedersachsen zweifeln, stellen um auf weniger Soja. Dabei ginge es auch ganz ohne Soja, erfährt Reporterin Gesine Enwaldt beim Neuland-Schweinemäster. Er füttert seine Tiere mit heimischen Eiweißpflanzen und hält weniger Tiere.

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Aufstand der Bauern

27.04.2020 22:15 Uhr
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Assistenz
Melanie Stucke
Autor/in
Gesine Enwaldt
Eberhard Rühle
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktion
Schiffermueller, Dietmar