Stand: 21.07.2020 12:12 Uhr

Uni Oxford / AstraZeneca

Name des Impfstoffs: AZD1222 / ChAdOx1 nCoV-19

Art: Vektor-Impfstoff

Webseiten: AstraZeneca / Uni Oxford

Redaktioneller Hinweis

Viele Forschungseinrichtungen und Firmen weltweit suchen nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Allerdings ist es teils schwierig, unabhängige Informationen zu den Projekten zu erhalten. Manche Teams haben bereits Daten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, die andere Experten beurteilen können. Zu anderen Impfstoff-Kandidaten ist wenig bekannt, manches nur aus Pressemitteilungen der beteiligten Unternehmen. Eine Prüfung der Daten und Methoden ist dann kaum möglich.

Ein Team im Jenner-Institut für Impfstoffforschung der britischen Universität Oxford hat im Januar begonnen, einen Corona-Impfstoff zu entwickeln. Die Wissenschaftler*innen konnten dabei auf ihre Forschung zu einem Impfstoff gegen ein anderes Coronavirus, das MERS-Virus, aufsetzen. Sie waren weltweit die ersten, die einen Corona-Impfstoff in einer größeren klinischen Studie testen konnten.

Im April wurden die ersten Probanden in Großbritannien geimpft.Im Mai und Juni starteten Phase-3-Studien in Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Dort sollen jeweils tausende Probanden den Impfstoff bekommen. Im Herbst erwarte man die Ergebnisse, schrieb AstraZeneca dem NDR.

Die Ergebnisse aus einer ersten größeren Studie (Phase 1/2) mit mehr als 1000 Probanden haben die Wissenschaftler Mitte Juli in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht. Unabhängige Experten bewerteten sie positiv, wiesen aber auch darauf hin, dass noch weitere Untersuchungen nötig sein, um beurteilen zu können, ob der Impfstoff tatsächlich wirkt und sicher ist.

Bereits im Februar begann das italienische Unternehmen Advent Srl mit der Produktion des Impfstoffs. Im Mai kündigte die britische Regierung an, das Projekt mit umgerechnet etwa 72 Millionen Euro zu unterstützen. Damit sei es möglich, die Produktion des Impfstoffs sofort hochzufahren, teilte die Uni Oxford mit

Kurz zuvor war bereits das Pharmaunternehmen AstraZeneca in das Projekt eingestiegen. Es soll die weitere Entwicklung voranbringen sowie die Produktion und den Vertrieb übernehmen. Das Unternehmen sagte zu, Menschen in Großbritannien zuerst zu versorgen, sollte die Entwicklung des Impfstoffs erfolgreich sein. 100 Millionen Dosen seien dafür reserviert. AstraZeneca ist mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro einer der größten Pharma-Konzerne der Welt, sein Hauptsitz liegt in Großbritannien.

Insgesamt sollen mehr als zwei Milliarden Dosen produziert werden. AstraZeneca habe sich entsprechende Kapazitäten gesichert, teilte das Unternehmen im Juni mit. Der Konzern hat unter anderem eine Vereinbarung mit der europäischen Impfallianz (IVA) getroffen, die von Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden gegründet worden ist. Demnach will der Konzern 400 Millionen Dosen des Impfstoffs an die Teilnehmer-Länder der Initiative liefern. Schon zuvor hatte der Konzern den USA 300 Millionen Dosen zugesagt.

Außerdem will AstraZenca den beiden globalen Impfstoff-Allianzen GAVI und CEPI 300 Millionen Dosen zum Preis von 750 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Wie viel die anderen Abnehmer bezahlen müssen, ist nicht bekannt.

An der Produktion sind diverse Firmen weltweit beteiligt. Unter anderem sollen die britischen Firmen Oxford Biomedica, Cobra und Symbiosis sowie das US-Unternehmen Emergent BioSolutions den Wirkstoff herstellen. Auch der niederländische Hersteller Halix soll - in Kooperation mit Merck (Darmstadt) - einen Teil der Produktion übernehmen.

Zusätzlich hat AstraZeneca eine Lizenzvereinbarung mit dem Serum Institute of India (SII) getroffen. Es soll Hunderte Millionen Dosen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen herstellen.

Einen weiteren Vertrag hat AstraZeneca mit dem Unternehmen Catalent in der italienischen Kleinstadt Anagni bei Rom geschlossen. Dort sollen Hunderte Millionen Impfstoffe steril abgefüllt und verpackt werden. Es bereite sich darauf vor, rund um die Uhr zu arbeiten, teilte die Firma mit.

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Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 der klinischen Studien sind sowie die der deutschen Firma Curevac und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen.