Stand: 09.04.2015 11:04 Uhr  | Archiv

Obama: Schluss mit "Schwule heilen"

Barack Obama stärkt das Gemeinschaftsgefühl © SID-IMAGES/Pixathlon/
US-Präsident Barack Obama spricht sich gegen die umstrittene Umerziehungstherapie für Homosexuelle aus.

US-Präsident Barack Obama spricht sich gegen umstrittene Umerziehungstherapien für Homosexuelle aus. Auf der Seite des Weißen Hauses schreibt seine Beraterin Valerie Jarrett, Obama unterstütze Bestrebungen, ein Gesetz gegen die sogenannte "Konversionstherapie" zu erlassen.

Aktivisten haben dort eine Petition gegen diese Therapien, mit denen christliche Extremisten Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle "heilen" wollen, eingestellt, die innerhalb von drei Monaten mehr als 120.000 Menschen unterschrieben haben.

Therapien gegen Homosexualität?

Auch in Deutschland gibt es immer noch Ärzte, die Therapien, also Umpolungsversuche für Schwule anbieten, damit sie heterosexuell werden. Denn immer noch halten viele Menschen Schwule tatsächlich für krank - und dazu gehören nicht nur evangelikale Christen in Freikirchen, selbst in den evangelischen Landeskirchen glauben einige, Homosexualität sei Sünde und ließe sich therapieren, wie unser Reporter Christian Deker feststellen musste.

VIDEO: Die Schwulenheiler 2 (30 Min)

In den USA hatte die American Psychiatric Association (APA) vor mehr als 40 Jahren Homosexualität  von der Liste psychischer Störungen gestrichen und sich 1998 gegen jedwede Form der "Konversionstherapie" ausgesprochen.

Auch die Bundesärztekammer warnt vor den gravierenden Folgen solcher Umpolungsversuche. Im Herbst 2013 hat sie nach der Generalversammlung des Weltärztebundes noch einmal in einer öffentlichen Erklärung klargestellt, dass Homosexualität keine Erkrankung ist. "Konversionstherapien" seien nicht nur unwirksam, sondern könnten sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

"Bemühungen" hin zum Verbot

Obama wolle zwar kein Bundesgesetz zum Verbot der Homosexuellen-Therapien anstreben, so das Weiße Haus laut dpa. Seine Regierung werde aber alle Bundesstaaten unterstützen, die ein Verbot durchsetzen wollen. "Als Teil unseres Einsatzes zum Schutz von Amerikas Jugend, unterstützt diese Regierung die Bemühungen zum Verbot der "Konversionstherapien" für Minderjährige“, so Valerie Jarrett auf der Internetseite des Weißen Hauses.

In den Staaten Kalifornien und New Jersey sind diese extrem umstrittenen Behandlungen für Minderjährige bereits verboten. Konservative Staaten versuchen jedoch genau das Gegenteil: Oklahoma beispielsweise debattiert laut "Spiegel Online" über ein Gesetz, das die Anbieter dieser Therapien vor Eingriffen der Justiz schützen soll.

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Panorama - die Reporter | 07.04.2015 | 21:15 Uhr