Stand: 08.10.2020 14:26 Uhr

Biontech / Pfizer

Name des Impfstoffs: BNT162

Art: Genbasierter Impfstoff (mRNA)

Webseiten: Biontech, Pfizer

Wissenschaftler*innen der deutschen Firma Biontech haben Ende Januar mit der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs begonnen. Seit März arbeiten sie dafür mit dem US-Pharmariesen Pfizer zusammen.

Seit Anfang Oktober prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in einem sogenannten "rolling review"-Verfahren die Zulassung des Mittels. Das bedeutet, dass die Behörde bereits Daten aus den klinischen Prüfungen analysiert, während diese Tests noch laufen. Mitte Juli hat bereits die US-Behörde FDA dem Projekt einen "Fast Track"-Status zugesprochen. Damit soll eine mögliche Zulassung beschleunigt werden.

Eine große Phase-2/3-Studie ist im Juli in den USA gestartet. Zunächst planten die Unternehmen, dass 30.000 Probanden teilnehmen sollten. Später erhöhten sie die Zahl auf 44.000. Die Firmen gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass sie dies bis Ende Oktober erreicht haben werden.

Die klinischen Tests begannen Ende April in Deutschland. Es war die erste derartige Studie, die hier genehmigt wurde. Insgesamt sollten hier etwa 200 Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahre untersucht werden. Erste, vorläufige Ergebnisse von 60 Teilnehmern veröffentlichten die Unternehmen in der Zeitschrift "Nature".

Parallel dazu wurde in den USA eine weitere Studie (Phase-1/2) gestartet - mit geplant etwa 8.000 Teilnehmern. Unter anderem ging es dort darum, verschiedene Varianten des Impfstoffs und jeweils unterschiedlich hohe Dosierungen zu testen. Am 1. Juli stellten Biontech und Pfizer vorläufige Ergebnisse dieser Untersuchung vor.

Die Unternehmen gaben im Juli an, dass sie bis Ende 2020 100 Millionen Dosen des Impfstoffs produzieren können, bis Ende 2021 sollten es dann insgesamt etwa 1,3 Milliarden werden. Im September gab Biontech bekannt, dass es eine Produktionsstätte von Novartis in Marburg übernehme. Dort sollen weitere, bis zu 750 Millionen Dosen pro Jahr hergestellt werden.

Die britische Regierung hat im Juli eine Vereinbarung mit Biontech und Pfizer getroffen. Falls ihr Impfstoff zugelassen wird, sollen sie 30 Millionen Dosen liefern. Am 22.7. teilten Pfizer und Biontech zudem mit, dass die US-Regierung 100 Millionen Dosen zum Preis von 1,95 Milliarden Dollar bestellt habe - mit der Option für weitere 500 Millionen Dosen. Ende Juli haben sie auch zugesagt, Japan in der ersten Hälfte des Jahres 2021 120 Millionen Dosen ihres Coronavirus-Impfstoffs zu liefern, sollte er zugelassen werden. Auch mit Kanada haben sie bereits eine Lieferung vereinbart. Zu welchem Preis das Mittel dort jeweils verkauft wird, teilten die Unternehmen nicht mit.

Die EU-Kommission hat im September zunächst 200 Millionen Dosen reserviert. Deutschland hat zudem eine Vereinbarung über die Lieferung von 40 Millionen Einheiten getroffen. Die Bundesregierung fördert die Entwicklung und Produktion des Impfstoffs mit bis zu 375 Millionen Euro.

Im März war bereits das chinesische Unternehmen Fosun in das Projekt eingestiegen und hatte sich damit die Rechte für China gesichert, sollte die Entwicklung erfolgreich sein. Fosun hat seinen Hauptsitz in Shanghai und gilt als größter Mischkonzern Chinas gilt.

Biontech, mit Hauptsitz in Mainz, wurde 2008 gegründet und hat nach eigenen Angaben mehr als 1500 Mitarbeiter. Die Firma arbeitet in Kooperation mit verschiedenen Unternehmen unter anderem an Krebstherapien und Impfstoffen.  

Der US-Konzern Pfizer ist mit einem Jahresumsatz von etwa 45 Milliarden Euro einer der größten Pharmakonzerne der Welt.

Die Jagd nach dem Impfstof
Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Wann sind die Forscher am Ziel?

Forscher weltweit arbeiten unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Der NDR berichtet über aktuelle Entwicklungen und gibt einen Überblick über den Stand der Forschung. mehr

Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 sind sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat zudem erste Zulassungsverfahren gestartet, während die Phase-3-Studien noch liefen ("rolling review"). Der Impfstoff des Gamaleya-Instituts wurde in Russland bereits vor dem Start der Phase 3 für einen Einsatz zugelassen.

Redaktioneller Hinweis

Viele Forschungseinrichtungen und Firmen weltweit suchen nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Allerdings ist es teils schwierig, unabhängige Informationen zu den Projekten zu erhalten. Manche Teams haben bereits Daten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, die andere Experten beurteilen können. Zu anderen Impfstoff-Kandidaten ist wenig bekannt, manches nur aus Pressemitteilungen der beteiligten Unternehmen. Eine Prüfung der Daten und Methoden ist dann kaum möglich.

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Panorama - die Reporter | 02.02.2021 | 21:15 Uhr

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