Stand: 25.03.2014 08:00 Uhr  | Archiv

Legal Highs: Drogen per Mausklick

von Djamila Benkhelouf & Philipp Hennig

Sie nennen sich Räuchermischungen oder Badesalze und wirken ganz harmlos: Die Verpackungen sehen jung und hip aus. Doch hinter der Fassade verbergen sich sogenannte Legal Highs. Drogen, die abhängig machen - und dennoch ganz einfach im Internet zu kaufen sind.

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Marco* konsumiert seit Jahren diese synthetischen Designerdrogen, immer wieder probiert er verschiedene Sorten mit Namen wie Rock Star, Jamaican Gold oder Monkey 3D. Er bestellt sie von zu Hause aus, ganz bequem im Onlineshop. Meistens ist die Ware am nächsten Tag da. Viele Legal-High-Mischungen sehen aus wie Kräuter, sie sind optisch dem echten Marihuana nachempfunden, tatsächlich aber stecken in den Mischungen chemische Substanzen. Und in jedem Tütchen können andere Substanzen enthalten sein.

Todesangst bei schlechten Trips

Der Konsument weiß also nie, was genau er nimmt und wie es tatsächlich wirkt. "Ich hatte auch schon schlechte Trips, da hatte ich Panik, man hat die Macht über seine Gedanken verloren, ich hatte nur noch Angst, Todesangst", erzählt Marco. Seit Jahren macht er eine Drogenberatung, um von den Legal Highs loszukommen. Doch das ist nicht so leicht, zu einfach ist ihr Erwerb, zu groß ist die Versuchung, sich bei Bedarf doch noch schnell einen neuen Trip per Internet zu besorgen.

Bundesweit sind bereits 13 Todesfälle bekannt

Sabine Vogt, Leiterin der BKA-Abteilung "Organisierte Kriminalität".
Für BKA-Expertin Sabine Vogt sind die Legal Highs alles andere als ungefährlich.

Das Bundeskriminalamt warnt schon seit Jahren vor den Gefahren der Designerdroge. "Wir haben in den letzten Jahren 13 Todesfälle in der Republik gezählt. Das heißt nur die Fälle, die den Polizeibehörden bekannt geworden sind. Wir haben aber auch Hunderte von Fällen, wo es zu ernsthaften Vergiftungen gekommen ist, zu Wahnvorstellungen, zu Organversagen. Also alles andere als dieses schöne Wort Legal Highs - alles ungefährlich. Das ist eine völlige Fehlleitung des Konsumenten", erläutert Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung "Organisierte Kriminalität".

Zudem sind die Drogen mitnichten legal, auch wenn dieses dem Konsumenten im Internet suggeriert wird. Grundsätzlich verstoßen die Räuchermischungen gegen das Arzneimittelrecht. Doch das reicht nicht aus, um die Produzenten zu bestrafen. Wirksamer ist da das Betäubungsmittelgesetz. Nach diesem Gesetz sind 28 gängige Substanzen für Legal Highs bereits verboten. Das Problem: Ändern die Hersteller nur einen winzigen Baustein einer Substanz, ist damit ein neuer Stoff entstanden. Der muss dann wieder aufwendig untersucht, analysiert und dann anschließend gegebenenfalls ebenso verboten werden.

Gesundheitsministerium will europaweite Regelung abwarten

Verschiedene Legal Highs Drogen
Legal sind die Legal Highs nicht: Grundsätzlich verstoßen die Räuchermischungen gegen das Arzneimittelrecht.

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich Produzenten und Ermittler liefern. Um dieses zu beenden, sprechen sich Experten wie Sabine Vogt inzwischen für ein Stoffgruppenverbot aus. Damit können Stoffe mit eventuell unterschiedlicher Struktur, aber ähnlicher Wirkung als Ganzes verboten werden und würden somit für die Produktion von Legal Highs wegfallen. Andere Länder, wie zum Beispiel Österreich, praktizieren das bereits.

Das zuständige Gesundheitsministerium in Berlin jedoch erklärt auf Anfrage, man wolle eine gemeinsame europäische Richtlinie abwarten. Bis dahin, so sieht es aus, werden Legal Highs weiterhin völlig problemlos im Internet zu erwerben sein. Marco, der seit Jahren gegen seine Sucht kämpft, macht das seine Loslösung nicht einfacher.

*(Name von der Redaktion geändert)

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.03.2014 | 21:15 Uhr