Sendedatum: 28.08.2012 21:15 Uhr  | Archiv

Krankenkassen: Ende der Zwei-Klassen-Medizin?

von Mareike Burgschat

Jedes Mal wenn Katrin Möller mit ihrem Rollstuhl in ihr Haus rollen möchte, wird sie daran erinnert, dass sie Privatpatientin ist. Denn die Türschwelle ihres Reetdachhauses ist zu hoch für die kleinen Vorderräder des Stuhls. Doch eine Rampe gibt es nicht. Ein solches Hilfsmittel sieht der Leistungskatalog ihrer Krankenversicherung nicht vor. Wäre sie hingegen gesetzlich krankenversichert - ein barrierefreier Zugang in ihr Haus wäre ihr von ihrer Versicherung wohl finanziert worden.

VIDEO: Das Ende der Zwei-Klassen-Medizin? (7 Min)

Neuer Rollstuhl auf eigene Kosten

Rollstuhl © ZB
Eine Rollstuhlrampe für den Hauseingang übernimmt die PKV nicht mehr.

Auch bei einem neuen Rollstuhl für die an Multipler Sklerose erkrankte Ärztin stellte sich die Versicherung bislang quer. Den Alten hat die Versicherung vor 14 Jahren bezahlt. Jetzt braucht sie einen Neuen. Den aber sieht - genau - der Leistungskatalog ihrer Krankenversicherung nicht vor. So wie auch viele andere Hilfen: Ein Gehstock zu Beginn der Erkrankung oder ein Elektro-Scooter vor zwei Jahren - immer muss Katrin Möller in die eigene Kasse greifen. Sie schätzt, dass ihr Eintritt in eine Private Krankenversicherung (PKV) sie bis zu 100.000 Euro an nicht bewilligten Hilfsmitteln und behindertengerechten Umbaumaßnahmen extra gekostet hat. Finanzielle Belastungen, die sie als Mitglied der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht gehabt hätte.

Kein Lobgesang auf die PKV

Ein Mann mit einem Gehstock © PantherMedia Foto: Jens R.
Auch ein Gehstock fällt nicht mehr in den Leistungskatalog der PKV.

Solche Fälle wundern Diplom-Volkswirt Thomas Drabinski nicht. Zusammen mit der Firma Premiumcircle hat er gerade in einer Studie die Leistungen der PKV und der GKV miteinander verglichen. Seine Analyseergebnisse sind kein Lobgesang für die Privaten Krankenversicherer: Eigentlich alle Tarife der Privaten Kassen weisen Leistungseinschränkungen gegenüber den Gesetzlichen auf. Die PKV verkaufe ihre Policen lieber billig, statt ihren Kunden einen größeren Umfang an Leistungen anzubieten. Aber auch eine teure Police bedeute nicht automatisch gute Qualität.

Das hat auch Susanne Dröber erfahren müssen. Sie bleibt erst mal auf den Hebammenkosten für die Vor- und Nachsorge der Geburt ihres Sohnes sitzen. Nur aus Kulanz übernimmt die Kasse ein Drittel der Kosten. Und das, obwohl die Versicherung in ihrem aktuellen Werbespot mit Hebammenleistungen wirbt.

Sind Privatversicherte die wahren Verlierer des dualen Krankenversicherungssystems?

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 28.08.2012 | 21:15 Uhr

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