Sendedatum: 25.09.2012 21:15 Uhr  | Archiv

Bürgerwindparks: Wenn Politiker mitverdienen

von Jochen Becker, Jan Körner
Diese 150 Meter hohe Windmühle gehört derzeit zu den größten Anlagen. © © NDR/PIER 53 Filmproduktion/Carsten Rau
Diese 150 Meter hohe Windmühle gehört derzeit zu den größten Anlagen.

Wenn Heinrich Breckling aus seinem Haus tritt, hört es sich an, als stünde er direkt auf einer Autobahn. Doch was da in knapp 500 Metern Entfernung von seinem Bauernhof lärmt, ist ein Windrad. 150 Meter hoch - so wie der Kölner Dom. Doch nicht nur der Lärm beunruhigt den Bauern: Die Schwingungen der Windmühle lassen den Boden vibrieren und rütteln so an seinem Wohnhaus. Erste Risse sind bereits mit bloßem Auge sichtbar.

 

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Als die vier Windmühlen im nordfriesischen Langenhorn gebaut werden sollen, stand Breckling mit seinen Bedenken auf verlorenem Posten. Denn die Mehrheit der Nachbarn des Ortes hatte sich für den Bau eines Windparks mit den vier großen Mühlen ausgesprochen. Und sie haben sogar selber investiert, denn die versprochenen Renditen sind gewaltig. Das Problem: Auch der Bürgermeister und der komplette Gemeinderat haben Geld in die Errichtung des Windparks gesteckt. Damit interessiert sie in Sachen Windpark nicht mehr nur das Allgemeinwohl, sondern auch ihr eigener Geldbeutel. Das Dorf selbst ist seitdem gespalten: Die einen haben die Windräder vor der Tür und die anderen verdienen daran.

Ein Problem, das viele Gemeinden in Schleswig-Holstein umtreibt, denn das Land will bis 2014 die Flächen für Windräder verdoppeln, wie die aktuellen Pläne für Windkraftflächen in Schleswig-Holsteinzeigen. Und Bürgerwindparks stehen in vielen Gemeinden hoch im Kurs. Da haben es Kritiker schwer und können manchmal nur resignieren. So wie Heinrich Breckling: Er wird sein Haus im Schatten des Windrades irgendwann verlassen.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.09.2012 | 21:15 Uhr

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