Stand: 18.06.2013 07:00 Uhr  | Archiv

Geheimsache: Atommüll auf Fähren

von Volkmar Kabisch & Alexandra Ringling

Die Passagiere sitzen auf dem Sonnendeck und freuen sich auf den Urlaub. Was sie nicht wissen: Mit ihnen, im Bauch der Fähre, fährt radioaktives Material mit. Auf Lkw oder in Güterwaggons wird regelmäßig "Gefahrgut der Klasse 7" auf Personenfähren transportiert, so etwa von Rostock ins schwedische Trelleborg und zurück. Das haben Recherchen von Panorama 3 ergeben.

VIDEO: Geheimsache: Atommüll auf Fähren (8 Min)

Dass beispielsweise Atommüll auch auf Fähren verschifft wird, ist vollkommen legal - und trotzdem Geheimsache. Denn die Passagiere werden von der Reederei Stena Line nicht über die Fracht an Bord informiert. "Da wir alle Vorgaben und Regularien befolgen, die mit einem Transport dieser Güter einhergehen und das Material in gesicherten und versiegelten Containern transportiert wird, informieren wir unsere Passagiere darüber nicht", teilt das Unternehmen auf Anfrage von Panorama 3 mit.

Katastrophenschutz ist nicht informiert

Gefahren-Hinweis zur Radioaktivität auf einem Eisenbahn-Güterwaggon mit radioaktivem Material an Bord. © NDR
Ganz offen sind auf den Eisenbahn-Güterwaggons im Bauch der Fähren die Warnschilder zu sehen, die auf radioaktiven Abfall hinweisen.

Doch nicht nur die Touristen erfahren nichts von den radioaktiven Transporten auf den Ostsee-Fähren: Auch der Katastrophenschutz wird nicht informiert, wann welche Stoffe auf Fährschiffen unterwegs sind. Krankenhäuser und Feuerwehren sind im Katastrophenfall dementsprechend unvorbereitet. Dabei ist im Unglücksfall eine Evakuierung auf hoher See deutlich schwerer als an Land. Denn bis Rettungskräfte die Fähre erreichen, können Stunden vergehen. Zwar sind die Behälter mit dem radioaktiven Material so geschützt, dass bei normalen Unfällen nichts passiert, schwerere Brände halten aber auch diese Behälter nicht aus.

So schnell kann es brennen

Die Recherchen von Panorama 3 haben darüber hinaus ergeben, dass entsprechend ausgerüstete Feuerwehrschiffe nicht überall auf der Ostsee vorhanden sind. So musste die Feuerwehr in Kiel ihr Schiff 2011 aus Kostengründen aufgeben, das Schiff in Rostock braucht unter Umständen mehrere Stunden, bis es überhaupt am Einsatzort sein kann.

Ein Löschboot vor dem brennenden Frachter "Atlantic Cartier" in Hamburg. © dpa-bildfunk Foto: Marco Braun
Im Mai 2013 brannte der Frachter "Atlantic Cartier". Er hatte radioaktiven Stoff geladen.

Wie schnell es brennen kann, zeigt der jüngste Unfall Anfang Mai 2013 im Hamburger Hafen. Während einer Großveranstaltung fing nur rund 500 Meter entfernt auf dem Wasser der Frachter "Atlantic Cartier" Feuer. Er hatte den radioaktiven Stoff Uranhexafluorid, kurz UF6, geladen. Eine Fracht, die man auch auf Passagierfähren finden kann.

Genehmigt werden die Transporte vom Bundesamt für Strahlenschutz und von den jeweiligen Landesbehörden. Die Reederei Stena Line erklärt deshalb: "Wir transportieren Material in der geringsten Klassifizierungsgruppe, haben alle benötigten Bescheinigungen und befolgen sämtliche Regeln und Vorschriften."

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 18.06.2013 | 21:15 Uhr

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