Stand: 14.05.2013 16:00 Uhr Archiv

Wie KiK sich aus der Verantwortung stiehlt

von Nils Casjens, Jasmin Klofta & Kristopher Sell
Blick auf ein eingestürztes mehrstöckiges Haus in Bangladesch. © dpa bildfunk Foto: Abir Abdullah
Mehr als 1000 Menschen sind unter diesen Trümmern begraben.

Es ist die größte Tragödie in Bangladeschs Industriegeschichte. Mehr als 1100 Tote - das ist die Bilanz, gut drei Wochen nach dem Einsturz des Fabrikhochhauses in Bangladesch. Acht ganze Stockwerke voller Näherinnen und Näher - das Gebäude am Rana-Plaza wie ein Kartenhaus eingestürzt. Schon wieder wurden die ohnehin schon minimalen Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten.

VIDEO: Wie KiK sich aus der Verantwortung stiehlt (7 Min)

KiK-Kleidung in den Trümmern gefunden

Und schon wieder scheint sich der Textildiscounter KiK aus der Verantwortung stehlen zu wollen. Denn nach Panorama Recherchen hat auch KiK in der eingestürzten Fabrik nähen lassen. Damit konfrontiert, erklärt das Unternehmen, es habe seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zwischen KiK und denen im Rana Plaza ansässigen Lieferanten gegeben.

Foto: Bangladesh Garment & Industrial Workers Federation (BGIWF) and Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS) © Laura Gutierrez, Bangladesh Garment & Industrial Workers Federation (BGIWF) and Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS) Foto: Laura Gutierrez, Bangladesh Garment & Industrial Workers Federation (BGIWF) and Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS)
Diese Bluse aus der "Verona Pooth Kollektion 2013" wurde in den Trümmern gefunden.

Das überrascht, denn nach und nach werden mehr und mehr Kleidungsstücke mit KiK-Labeln in den Trümmern gefunden - sogar zahllose Exemplare einer Bluse aus der aktuellen 2013er Kollektion von Verona Pooth, in der sich das KiK-Starlet prominent ablichten ließ.

Eine Bluse aus der aktuellen "Verona Pooth Kollektion 2013"
Hier dieselbe Bluse in einem Online-Shop.

Auf erneute Nachfrage von Panorama erklärt KiK, dass "indirekt über einen unserer Importeure bis Anfang dieses Jahres dort produziert wurde. Obwohl zum Zeitpunkt des Unglücks alle unsere Waren bereits verschifft und auch über diesen Importeur keine neuen Aufträge platziert waren, müssen wir jetzt kritisch hinterfragen: Warum ließ dieser Importeur dort Ware produzieren?"

Verantwortungslosigkeit hat Methode

KiK versucht, die Verantwortung weit von sich zu schieben. Das hat offenbar Methode. Bereits 2012 war es zu einem Brand in einer Fabrik in Pakistan gekommen. In den Trümmern damals: verkohlte Jeans aus einer Produktion für KiK. Auch dort hatte Kik produzieren lassen und sich mit Brandschutzgutachten gerühmt. Nach der Katastrophe schob man die Verantwortung dann weiter: Die von KiK beauftragten Prüfer hätten offenbar nicht sorgfältig gearbeitet.

Verbindliche Konsequenzen werden spät gezogen

Will sich der Textildiscounter nun einmal mehr aus der Verantwortung stehlen? Vieles spricht dafür. Dabei wäre es so einfach, Konsequenzen zu ziehen: Andere Textilunternehmen haben längst ein internationales Abkommen unterschrieben - und sich verpflichtet, auf Mindeststandards beim Brand- und Gebäudeschutz zu achten. KiK hat lange gezögert - trotz der vielen Toten in Bangladesch. Am Abend des 14. Mai 2013 meldete das Unternehmen, dem Abkommen endlich beitreten zu wollen.

Am Rana-Plaza, dort wo Verona Pooths-Frühjahrs-Kollektion offenbar noch bis vor wenigen Wochen produziert wurde, haben die Einsatzkräfte die Suche nach Vermissten eingestellt. Am Ende trugen die Helfer T-Shirts und Blusen, die sie in den Trümmern gefunden hatten. T-Shirts und Blusen aus der KiK-Kollektion.

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Näherinnen in einer Textilfabrik in Bangladesh. © picture alliance / dpa Foto: Bernd Kubisch

Modeketten vereinbaren besseren Arbeitsschutz

Nach dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch haben sich viele Modeketten - auch KiK - einer Kampagne für mehr Sicherheit angeschlossen. Mehr dazu auf tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 14.05.2013 | 21:15 Uhr

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