Sendedatum: 22.01.2019 21:15 Uhr

Hygienemängel und Mobbing bei McDonald's in Bremen?

von Lucie Kluth

In einigen Bremer McDonald's-Filialen wird offenbar gegen die Hygienestandards verstoßen. Ebenso sollen langjährige Mitarbeiter systematisch aus der Belegschaft gemobbt worden sein. Das haben Recherchen von Radio Bremen und Panorama 3 ergeben.

Frau vor McDonald's-Schild © NDR Foto: Screenshot

Hygienemängel und Mobbing bei McDonald's

Panorama 3 -

In einigen Bremer McDonald's-Filialen wird offenbar gegen die Hygienestandards verstoßen. Ebenso sollen Mitarbeiter systematisch aus der Belegschaft gemobbt worden sein.

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"Ich wurde mürbe gemacht"

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Swetlana Krause fühlte sich von McDonald's gedemütigt.

Im September 2016 übernimmt Bernd Oude Hengels alle Bremer Filialen sowie die in Brinkum als Franchisenehmer. Das heißt: Er betreibt die Geschäfte, aber ausschließlich mit den Produkten und nach den Regeln von McDonald's. Wir haben mehrere Mitarbeiter getroffen, die alle ähnliche Geschichten erzählen, wie Swetlana Krause: "Was mir bei McDonald's passierte, ist das schlimmste, was mir passieren konnte. Ich wurde mürbe gemacht von A bis Z." All das nach zehn Jahren am Arbeitsplatz.

2009 beginnt sie bei McDonald's in Brinkum. Als sie nach ihrer Elternzeit zurückkommt, hat sie quasi einen neuen Arbeitgeber. Denn die Filiale hat einen neuen Franchise-Unternehmer. Und nicht nur das: Auch das Arbeitsklima habe sich verändert, erzählt Krause. Sie wird plötzlich nur noch in Abend- und Nachtschichten eingeteilt. Die passen aber nicht zu den Verpflichtungen einer Mutter von kleinen Kindern. Außerdem darf sie nicht mehr an der Kasse sitzen, jetzt muss sie die Toiletten und den Essbereich saubermachen. Wenn sie auf die Toilette muss, darf sie nicht gehen. "Ich wurde halt richtig gedemütigt."

Gewerkschafter kritisieren "übliche" Praxis

Einem anderen Mitarbeiter wurde mit der Begründung gekündigt, er habe Ware an Familie und Freunde verschenkt. Der Vorwurf ist am Ende nicht haltbar, aber ausgeschieden ist er trotzdem. Manchmal wird auch der Lohn zu spät bezahlt. Eine andere Mitarbeiterin wird ein paar Gehaltsstufen niedriger eingruppiert und so weit weg von zuhause versetzt, dass sie nach fast 20 Jahren im Unternehmen selbst kündigt. Und manchmal wird auch eine Krankmeldung direkt ans schwarze Brett gepinnt.

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Moritz Steinberger arbeitet als Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Es trifft viele Mitarbeiter in den Bremer Filialen, berichtet Moritz Steinberger. Er ist der Bremer Sekretär der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das sei ganz üblich, sagt er: Vor allem langjährige Mitarbeiter in höheren Lohngruppen bekämen mit fadenscheinigen Begründungen eine Kündigung. Die Gewerkschaft unterstützt im Folgenden den Rechtsstreit. Die Kündigung hat meistens keinen Bestand, der Arbeitgeber lehnt aber eine Abfindung ab. In den vergangenen Monaten hat die Gewerkschaft bei zehn Klageverfahren gegen den Bremer Restaurantbetreiber Mitarbeiter begleitet. Und keines verloren. Die meisten endeten mit einem Vergleich.

Franchisenehmer Oude Hengel bestreitet die Vorwürfe. Ein Interview will er nicht geben, er antwortet uns schriftlich: "Ich habe mich in der Vergangenheit von keinem Mitarbeiter getrennt, der nicht wegen Verstößen gegen die Pflichten aus dem Arbeitsvertrag abgemahnt wurde oder sich eines groben Vergehens schuldig gemacht hat."

Lange Liste an Vorwürfen

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Was passierte in der McDonald's-Filiale in Brinkum?

Doch die Vorwürfe gehen weiter: auch die Hygienevorschriften sollen nicht immer eingehalten worden sein. Einige Mitarbeiter machen dafür die ständige Personalnot verantwortlich. "Wenn Sie nur noch drei Schlussdienste haben, und früher gab es vier Schlussdienste, können Sie diesen einen Mann nicht ersetzen. Und da gibt es sehr viel zu reinigen und zu desinfizieren", erzählt eine ehemalige Mitarbeiterin. Das habe man einfach nicht mehr geschafft. Und wenn dem Betreiber "zu viel Müll produziert wird", dann ist der Umgang mit diesem Müll zuweilen sehr kreativ, erzählen einige Mitarbeiter. Radio Bremen und Panorama 3 liegen Aussagen von mehreren Mitarbeitern vor:

  • Dreckige und verkrustete Milchaufschäumer und -kännchen werden weiter benutzt. Ein idealer Nährboden für Keime.
  • Kühlschränke sind verdreckt und vereist.
  • Abgelaufene Bio-Milch aus den Happy Meals wird im McCafé weiter verbraucht.
  • Burger, die vom Kunden zurückgegeben wurden ("Ich hatte doch einen Cheeseburger bestellt") werden nicht weggeworfen, sondern an den nächsten Kunden weitergegeben.
  • Benutzte Becher für Milkshakes werden aus dem Müll geklaubt, unter fließendem, kalten Wasser ausgespült und wieder an die Kundschaft ausgegeben.
  • Salat, bei dem das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, wird auf der sogenannten "Schweinetonne" im Hinterhof gelagert, dann aber peu a peu weiter verwendet. Am Tresen lagert frischer Salat - falls mal eine Kontrolle kommt.  
  • Aufgetauter, nicht verkaufter Kuchen wird am Abend für den Folgetag wieder eingefroren.
  • Zum Saubermachen von Tischen, Böden oder Klos fehlt öfter das nötige Reinigungsmittel.
  • Für die Milch- und Eisshakes gibt es eine Maschine, die nach dem McDonald's-Standard alle zwei Wochen gereinigt werden muss - eigentlich. Wenn aber das Personal fehlt, dann fällt diese auch mal aus. Damit das nicht auffällt, wird das entsprechende Kontrolllämpchen einfach überbrückt.

Eine ehemalige Mitarbeiterin erzählt, dass der Restaurantleiter persönlich eine verstopfte Toilette repariert hat - nur, um danach wieder Burger zu belegen. Ohne die Handschuhe zu wechseln oder sich gar die Hände zu desinfizieren.

Franchisenehmer weist Anschuldigungen zurück

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Franchisenehmer Bernd Oude Hengels bestreitet die Vorwürfe gegen ihn.

Franchisenehmer Bernd Oude Hengel weist die direkte Verantwortung für all diese Vorfälle weit von sich. "Sollten vereinzelt Mitarbeiter wie von Ihnen geschildert grob fahrlässig gehandelt haben, so ist dies in erster Linie für mich schockierend und selbstverständlich ohne mein Wissen geschehen."

Dafür erklärt er, dass alle seine Mitarbeiter von den verlangten Qualitätsstandards wüssten. Die leitenden Mitarbeiter würden das auch überprüfen. Für ihn sei "die Einhaltung sämtlicher vorgegebenen Standards ein absolutes Selbstverständnis". 

Die Anordnungen für das Personal seien klar, Verfehlungen gingen auf Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter zurück, schreibt er. "Zu keiner Zeit gab es von mir Anweisungen, abgelaufene Lebensmittel zu verwenden." Dafür hat aber sein Leitungspersonal Druck gemacht, berichtet eine ehemalige Mitarbeiterin: "Ich hatte ständig deswegen Stress mit dem Gebietsleiter. Ich wurde dann als Müllproduzierer beschimpft. Mir wurde gesagt, ich soll die abgelaufenen Sachen wie meine Kollegen weiter verwenden. Ich habe gesagt nein. Das ist nicht Standard von McDonald’s. Ich schmeiße das weg."

McDonald's Zentrale wurde informiert

Im Mai 2017 hat sie dann die McDonald's Zentrale in München über die Zustände informiert. Es kam sogar zu einem Treffen. Danach sei aber nichts passiert, erzählt sie. Die Deutschlandzentrale von McDonald’s antwortet uns auch nur schriftlich und bestätigt das Treffen. McDonald's schreibt, dass sich die Mitarbeiterin nicht mehr wie vereinbart zurückgemeldet habe. Außerdem verweist das Unternehmen auf regelmäßige Kontrollen.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 22.01.2019 | 21:15 Uhr