Stand: 20.01.2014 14:00 Uhr  | Archiv

"Faire Milch"-Preis für Panorama Autoren

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Alexa Höber-Kunft und Ingo Thöne (Mitte) wurden für ihren Beitrag "Existenzbedrohend: Wie Molkereien den Milchpreis drücken" ausgezeichnet.

Zum ersten Mal hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter den Journalistenpreis "Faire Milch" verliehen.

Alexa Höber-Kunft und Ingo Thöne gewannen mit dem Panorama-3-Beitrag "Existenzbedrohend: Wie Molkereien den Milchpreis drücken" in der Kategorie Elektronische Medien.

 

Ein Glas mit Milch vor einer Milchflasche und einer kleinen Kuhfigur. © istockphoto Foto: Lise Gagne

Wie Molkereien den Milchpreis drücken

Panorama 3 -

Obwohl die Lebenshaltungskosten steigen, sinkt der Milchpreis. Die Bauern finden kaum Gehör bei Molkereien und Politik.

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Preisdumping existenzbedrohend

"Wie Molkereien den Milchpreis drücken" zeigt, dass das Preisdumping durch Molkereien und den Einzelhandel für Milchbauern existenzbedrohend werden kann. Manfred Kaup ist ein solcher Milchbauer und erhält im September 2012 nur 28 Cent pro Liter Milch. Gegen die Marktmacht des Einzelhandels könnten sich Milchbauern als einzelne Lieferanten kaum zur Wehr setzen, kritisiert er. Deshalb beteiligt er sich an einer Demonstration vor seiner Molkerei. Ein Kritikpunkt: Von der Molkerei erfahre er erst im Nachhinein, wie viel Geld er für seine Milch bekommt. Das sei einzigartig und so in keiner anderen Branche vorstellbar.

Bei den niedrigen Milchpreisen bleibt auch für Peter Habbena, den Milchbauern aus Ostfriesland, nichts zum Leben übrig. Als Ausweg bleibe ihm am Ende nur die Belastung des Hofes, stellt er resigniert fest. Der Landwirt könne als Unternehmer in einer solchen Preissituation keine Ansparungen für künftige Investitionen machen - und auch sein Risiko werde ihm nicht bezahlt, hat Professor Franz-Josef Radermacher von der Universität UIm beobachtet und stellt fest, dass es zutiefst ungerecht sei, dass durch die Marktverhältnisse dem Schwachen am Ende der Kette zugemutet wird, die ganze Problematik persönlich auszubaden.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, bestätigt ungleiche Marktverhältnisse. In Norddeutschland beispielsweise stünden 22.000 Milchbauern nur eine Hand voll Molkereien gegenüber. Die Landwirte haben also kaum eine Wahl, an wen sie ihre Milch verkaufen - und so keine Chance gegen das Preisdiktat der Molkereien. Auf einer Podiumsdiskussion beim Bauerntag wirft Milchbauer Norbert Kaup den Vertretern von Molkereien und Einzelhandel Versagen vor. Und Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus fordert die Molkereien auf, Partner der Bauern zu sein und - und nicht Partner von Lidl, Aldi oder Edeka. Es zeigt sich einmal mehr: Im Existenzkampf ist es für Milchbauern bisweilen nicht einfach, ihre Emotionen im Griff zu behalten.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 18.09.2012 | 21:15 Uhr