Corona: Langes Warten auf Booster-Impfung

Stand: 16.11.2021 06:00 Uhr

Die vierte Corona-Welle ist längst da. Israel hat gezeigt, wie man sie brechen kann - so schnell wie möglich alle Geimpften boostern. Doch bei den Booster-Impfungen im Norden hakt es: lediglich jeder Dritte, für den die Stiko bisher den Booster empfiehlt, hat diese auch erhalten.

von Kim Kristin Mauch, Esra Özer

Dieser Tage hat Peter Schildwächter aus Neumünster Post vom Gesundheitsamt Schleswig-Holstein bekommen. In dem Schreiben wird er dazu aufgerufen, seine Corona-Impfung aufzufrischen - und zwar beim Hausarzt. Was da steht, hört sich nach einem unkomplizierten Prozedere an: "Vereinbaren Sie einfach einen Termin direkt mit der Praxis", steht da. Und: "Die Arztpraxen verfügen über ausreichend Impfstoff oder können diesen bestellen."

Peter Schildwächter zählt in der Corona-Pandemie zur Risikogruppe. Er engagiert sich als ehrenamtlicher Vorstand im Landesseniorenrat Schleswig-Holstein. Bei den älteren Menschen sei die Booster-Impfung zur Auffrischung ein großes Thema, berichtet er uns. Doch bei seinem Hausarzt, so erzählt es Schildwächter, hätte er in diesem Jahr wohl keinen Termin mehr bekommen. Denn der sei voll ausgelastet. Und bei einem offenen Impfangebot im örtlichen Einkaufszentrum war die Warteschlange so lang, dass er aufgab. Wie also sollte er dann an die dritte Impfung kommen?

Deutlich zu wenige Booster Impfungen in Norddeutschland

Bei den Booster-Impfungen im Norden hakt es gerade generell. Stand 15. November hätten in Norddeutschland 2,3 Millionen Menschen Anspruch auf einen Booster gehabt. Tatsächlich bekommen hatten sie bis zu diesem Datum jedoch erst rund 760.000 Menschen - also lediglich jeder Dritte, der Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung hätte.

Israel: Vierte Welle durchs Boostern gebrochen

Ronni Gamzu, Leiter des Ichilov Krankenhauses in Tel Aviv
Ronni Gamzu, Leiter des Ichilov Krankenhauses in Tel Aviv.

Ganz anders läuft das Impfen in Israel. Dort werden bereits seit August Booster-Impfungen durchgeführt. Mit Erfolg. Schon 80 Prozent der älteren Menschen sind in Israel dreifach geimpft. Die vierte Welle scheint damit gebrochen. Im Interview mit Panorama 3 spricht sich Ronni Gamzu, der Leiter des Ichilov Krankenhauses in Tel Aviv und früherer Corona-Beauftragter der Regierung, für die dritte Impfung schon für Menschen ab 40 Jahren aus. "Es geht nicht 'nur' um Boostern. Es ist eine weitere Impfung. Sie fährt das Immunsystem wieder hoch. Sechs Monate nach der Impfung ist das Immunsystem wie auf Pause gestellt, man kann wieder Corona bekommen." Er kritisiert die Entscheidung der deutschen Regierung, die Impfzentren zu schließen. Er könne nur empfehlen, von Israel zu lernen.

War der Ansturm nicht vorhersehbar?

Gemeinsam mit Peter Schildwächter fahren wir noch einmal zum offenen Impfangebot im Einkaufszentrum in Neumünster. Die Schlange sei noch länger als beim ersten Mal, erzählt er. Hätte man den Ansturm auf die Booster-Impfungen nicht vorhersehen können? Nikolaus Schmidt, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, sagt, dass man den Andrang in dieser Form tatsächlich nicht erwartet habe. Es sei aber jetzt Personal aufgestockt worden. Laut Schmidt hätten im Moment bereits zwischen 140.000 und 150.000 Menschen in Schleswig-Holstein ihre Auffrischung bekommen - das Land liege damit bundesweit ganz weit vorn.

Aufklärung zur Impfung gruppenweise

Peter Schildwächter
Peter Schildwächter gehört zur Risikogruppe. Doch "einfach boostern" ist gar nicht so einfach.

Im Einkaufszentrum in Neumünster arbeiten zwei Ärzteteams so schnell wie möglich. Um Zeit zu sparen erfolgt die Aufklärung zur Impfung gruppenweise. Inzwischen ist Peter Schildwächter endlich an der Reihe. Anderthalb Stunden für den Piks. "Das ist hinnehmbar, wenn man Freizeit hat", lacht der Rentner.

Doch um Corona effektiv bekämpfen zu können, müssen noch viele andere Menschen im Norden die Booster-Impfung erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 16.11.2021 | 21:15 Uhr