Stand: 18.11.2019 12:32 Uhr  | Archiv

Busausfälle: Im Norden fehlen Busfahrer

von Mareike Burgschat

Der Bus kommt nicht. Ein Problem, das in Norddeutschland inzwischen weit verbreitet ist. Denn es fehlen Busfahrer. Branchenverbände gehen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren bundesweit etwa 70.000 Busfahrer fehlen werden. Das liegt vor allem an dem demografischen Wandel, denn der Altersdurchschnitt in der Branche liegt bei 49 Jahren. Ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist dabei noch gar nicht einberechnet. Dabei fordern den inzwischen alle Parteien. Aktuell gibt es in Niedersachsen laut Bundesagentur für Arbeit mindestens 400 offene Stellen für Busfahrerinnen und Busfahrer sowie Straßenbahnfahrerinnen und Straßenbahnfahrer.

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Hildesheim: Einschnitte für die Mitarbeiter

Kai Henning Schmidt © NDR Foto: Screenshot
Kai Henning Schmidt ist Geschäftsführer von Stadtverkehr für Hildesheim (SVHI).

Beispiel Hildesheim: Die Busfahrer arbeiten bereits an der Belastungsgrenze, häufen Überstunden an und opfern freie Tage, berichtet der Stadtverkehr Hildesheim. Das Unternehmen griff deshalb zu einer drastischen Maßnahme: Fahrpläne wurden deutlich reduziert. "Das ist natürlich im Moment sehr belastend. Deswegen haben wir jetzt diesen sehr harten Einschnitt gemacht. Damit wir wieder intern in ruhigeres Fahrwasser kommen", schildert Geschäftsführer Kai Henning Schmidt die Lage.

Der Stadtverkehr Hildesheim verzichtet seit ein paar Jahren auf finanzielle Zuschüsse der Stadt, um zu beweisen, dass das Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Anbietern zu bestehen kann. Drei Millionen Euro waren das pro Jahr, die nun eingespart werden müssen. Die Tickets sind jetzt teurer, das Netz ist allerdings auch größer. Auch die Mitarbeiter mussten Einschnitte hinnehmen, damit das städtische Unternehmen wettbewerbsfähig ist.  

Sparzwänge als Grund für Personalmangel?

Mira Ball © NDR Foto: Screenshot
Mira Ball von der Gewerkschaft ver.di ist Bundesfachgruppenleiterin zum Thema Busse und Bahnen.

So oder ähnlich erging es zuletzt vielen Verkehrsbetrieben. Mira Ball von der Gewerkschaft ver.di sieht die Sparzwänge in den Kommunen als Hauptursache für den heutigen Personalmangel. Seit der öffentliche Nahverkehr für den europäischen Wettbewerb freigegeben wurde, beobachte die Gewerkschaft Verschlechterungen für die Mitarbeiter. "Wir haben jetzt deutlich weniger Personal als noch vor 20 Jahren. Das hat natürlich dann auch Auswirkungen auf die Arbeitsintensität. Die Belastung ist einfach unglaublich gestiegen", so Ball.

Kreative Lösungen für den Busfahrermangel

Von Sparzwängen könne keine Rede sein, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Die Arbeitsbelastung sieht es allerdings ebenfalls als Ursache für den Busfahrermangel. "Darüber hinaus hat die Branche Probleme, Bewerber zu finden. Dies liegt unter anderem an Schicht- und Wochenenddiensten sowie einer besonderen Stressbelastung", stellt das Ministerium fest. Das mag am Personalabbau der vergangenen Jahre liegen - aber eben auch daran, dass viele Busfahrer in Rente gehen werden.

Edith Bischof © NDR Foto: Screenshot
Edith Bischof setzt als Busunternehmerin auf Fachkräfte aus dem Ausland.

Busunternehmerin Edith Bischof setzt auf eigene Ideen und kreative Lösungen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Sie engagiert sich im Ausland, um Mitarbeiter nach Wesendorf in ihr Busunternehmen zu locken. Über die Hälfte ihrer Mitarbeiter stammt nicht aus Deutschland. Seit 2015 setzt sie gezielt auf Mitarbeiter aus Montenegro und Bosnien. "Die Arbeit ist unheimlich schwer", so Bischof. Ob man so für alle Busunternehmer genügend Mitarbeiter rekrutieren könne, wisse sie nicht. "Aber wir müssen es einfach versuchen."

Mit Geld allein wird die Verkehrswende nicht funktionieren, denn der Fachkräftemangel lässt sich damit nicht beheben. Aber ein gutes Einkommen und attraktivere Arbeitsbedingungen wären zumindest schon einmal ein Anfang, um den Beruf beliebter zu machen.

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Bahnreisende am Hamburger Hauptbahnhof © picture-alliance/dpa Foto: Bodo Marks

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Panorama 3 | 19.11.2019 | 21:15 Uhr