Stand: 21.08.2012 15:55 Uhr  | Archiv

Anwohner-Protest: Kampf gegen Schwächere

von Alexandra Ringling
Verschränkte Arme © Fotolia.com Foto: Daniel Moc
Schwerkranke oder sterbende Menschen in der Nachbarschaft? Für viele offenbar eine Zumutung.

In Hamburg-Sasel, einem gutbürgerlichen Bezirk im Norden der Hansestadt, wird derzeit viel über das Baurecht gesprochen: Denn das Baurecht soll die Einrichtung einer Wohngruppe in der Siedlung unterbinden. Das Baurecht soll verhindern, dass in Sasel auf Dauer zehn Jugendliche wohnen, mitten drin im ruhigen, gediegenen Wohngebiet.

Denn es sind Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen - und die gehören nach Ansicht mancher Anwohner nicht nach Sasel, weil sie angeblich die beschauliche Stadtteilidylle bedrohen. Die Angst vor Lärm, vor Unruhe und vor einem Wertverlust der eigenen Immobilien ist offenbar größer als die Sorge um das Wohl der Kinder. Es zählt nur noch: Ich zuerst, danach alle anderen.

VIDEO: Anwohner gegen sozial Schwache (9 Min)

Kinder, Krankheit, Tod? Bitte nicht bei uns!

Und so denken viele: Mal ist es der Kindergarten um die Ecke, der stört, mal ein Hospiz im Wohngebiet. Todkranke in der Nachbarschaft - auf keinen Fall, heißt es unverblümt von den Gegnern: "Also ich gehe jeden Abend und auch tagsüber mit dem Hund, und ich muss sechsmal an diesem Gebäude vorbeigehen", sagt ein Nachbar. "Mich beschäftigt jetzt irgendwie schon diese Situation, dass mindestens 16 todkranke Menschen da sind, die natürlich irgendwo hin müssen, das ist ganz klar. Aber damit ist der Tod jetzt in eine unangenehme Nähe gerückt."

Panorama 3 berichtet über Angst und Egoismus, wenn die eigene beschauliche Lebenswelt bedroht scheint.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 21.08.2012 | 21:15 Uhr