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Kanadas Magdaleneninseln - Zwischen Atlantik und St. Lorenz

Sonntag, 23. Januar 2022, 15:15 bis 16:00 Uhr

Wenn Léonce Arseneau abends über die Lagune zurück zum Anleger fährt und die Muscheln, die er eigentlich für die Familie gefangen hatte, mal wieder alle selbst aufgegessen hat, dann packt es ihn: Dann möchte er sein Glück teilen und das Geheimnis der Îles de la Madeleine (Magdalenen-Inseln) in Worte fassen: "Wir sind eine Nation, wir sind Akadier!"

Trügerische Idylle: Viele Insulaner sind Nachfahren von Schiffsbrüchigen, die einst auf den Magdaleninseln gestrandet waren. © NDR/Florian Melzer
Trügerische Idylle: Viele Insulaner sind Nachfahren von Schiffsbrüchigen, die einst auf den Magdaleninseln gestrandet waren.
Die Geschichte der Akadier

Die Magdalenen-Inseln im Sankt-Lorenz-Golf vor Kanadas Atlantikküste: kilometerlanger Sandstrand wie in Nordfriesland, Abbruchkanten aus rotem Sandstein wie auf Helgoland und Lagunen von pazifischem Ausmaß. Fast alle 12.000 Bewohner sind Nachkommen der Akadier. Das waren französische Siedler, die im 18. Jahrhundert aus ihrer Heimat, den heutigen kanadischen Provinzen New Brunswick und Nova Scotia, vertrieben wurden. Auf die unbewohnten Inseln konnten sie nichts mitbringen, außer ihrer Geschichte. Und die zelebrieren sie bis heute!

Traditionelles Bootsrennen in selbstgebauten Vehikeln

Das Rennen der kleinen Boote (Le Concours des Petits Bateaux) wird jedes Jahr in der Bucht ausgetragen, in der die Siedler einst landeten, aber mit viel mehr Spaß. Drei Stunden haben die Teilnehmenden Zeit, aus Materialien, die nicht mehr als 100 Dollar kosten dürfen, ein Boot zu bauen. Seetüchtig sollte es sein, lustig muss es sein! Jacques Aucoin und seine Gruppe spielen diesmal "Hochzeitsreise". Jacques gibt den Bräutigam, sein Freund Jean die Braut: in einem eilig zusammengeschraubten Vehikel aus Spanplatten, bei Windstärke 6.

Die Lizenz zum Bierbrauen

Jean-Sébastien Bernier ist als "Stadtflüchtling" auf die Magdalenen-Inseln gekommen. Aus Montreal hat er nur seine Ausrüstung zum Kitesurfen und die Lizenz zum Bierbrauen mitgebracht. In einer ausgedienten Kabeljaufabrik stellte er vor einigen Jahren Bierkübel auf. Er streift über die Inseln, immer auf der Suche nach Zutaten, mit denen er seinem Bier ein meerfrisches Aroma geben will: seltene Algen, würzige Pflanzen oder auch mal geräucherten Hering. À l`abri de la Tempête (Im Schutze vor dem Sturm) heißt seine Brauerei, seine Biersorten heißen Nebelhorn oder Festland.

Sandkunst wird zum Verkaufsschlager

Für Pauline Gervaise Grégoire ist der feine Sand der Inseln ein wichtiger Rohstoff. Zusammen mit ihrem Vater stellt sie Sandobjekte her: Schlösser aus Sand oder Sand-Urnen, die zum Verkaufsschlager in den USA geworden sind. Wie es ihnen gelingt, die einzelnen Sandkörner dauerhaft zu verbinden, geben Vater und Tochter nicht preis.

Englichsprachige Enklave: Entry Island

Nur eine von acht Inseln ist nicht per Land- oder Dünenstreifen mit den anderen verbunden: L`Île d`Entrée, oder wie man hier sagt: Entry Island. Denn es wird Englisch gesprochen. Die schottisch- oder irischstämmigen Bewohner*innen können zwar genug Französisch, um auf der Hauptinsel ihre Einkäufe zu erledigen. Ansonsten führen sie ein zurückgezogenes Fischerleben. Mit einer Ausnahme: Brian Josey. Er hat vor Jahren einen Pub aufgemacht, der erste auf Entry Island, mit klarem, gastronomischem Konzept: Hamburger, Kaffee und Bier. Den Namen Josey's für den Pub hat die Behörde abgelehnt. In dieser französischsprachigen Gegend muss die Bar Chez Brian heißen.

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